„Polarstern“ kehrt von Forschungsreise zurück

Sechs Monate durch die Antarktis

Für Messungen der Stoffflüsse im Südozean setzten die „Polarstern“-Forscher auch Sedimentfallen ein: In definierten Wassertiefen sammeln diese alles auf, was von der Oberfläche in tiefere Schichten rieselt. - Foto: AWI/C. Flintrop

Bremerhaven - Das Forschungsschiff „Polarstern“ des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) wird nach fast sechsmonatiger Reise durch die Antarktis in der Nacht zu Montag (11. Juni) im Heimathafen zurückerwartet. Das teilte jetzt eine Sprecherin des AWI mit. Untersucht haben die Forscher, wie sich das Ökosystem um die Antarktische Halbinsel verändert.

Rund um die Halbinsel gab es noch im Herbst große Mengen an laichreifem Krill und Salpen, berichtete die AWI-Sprecherin. Bedingt durch wärmere Wassertemperaturen setzte die Meereseisbildung spät ein, so dass einzellige Algen, die wesentliche Nahrungsgrundlage dieser Tiere, in hoher Konzentration vorkamen. Mit Echoloten, Schleppnetzen, Handkeschern und auch tauchend haben die Wissenschaftler der antarktischen Expedition an 100 Stationen rund um die Halbinsel das Verhalten von Krill und Salpen erforscht.

„Beide Tiergruppen sind das erste räuberische Glied im Nahrungsnetz, sie ernähren sich von treibenden, einzelligen Algen, dem Phytoplankton. Während der Krill seinerseits vielen Fischarten, Robben und Walen als Nahrung dient, werden die gelatinösen Salpen kaum gefressen“, so die AWI-Sprecherin weiter. Daher erforschen die Wissenschaftler, welche Art unter welchen Bedingungen dominiert. „Trotz der späten Jahreszeit haben wir eine hohe Anzahl an laichreifem Krill und Salpen vorgefunden“, berichtete Prof. Dr. Bettina Meyer. Die Biologin für Funktionelle Marine Biodiversität an der Uni Oldenburg leitete die antarktische Expedition. Eine mögliche Erklärung lieferte sie gleich mit: „Die Phytoplanktonkonzentration war für die Jahreszeit im antarktischen Herbst erstaunlich hoch.“ Die Kleinstalgen hatten noch ausreichend Licht für die Photosynthese zur Verfügung. „Wir waren überrascht, dass wir Krill und Salpen im gleichen Gebiet gefunden haben, wenn auch in verschiedenen Wasserschichten. Bisher waren wir davon ausgegangen, dass sich beide Arten aufgrund ihrer unterschiedlichen Biologie und Art und Weise der Nahrungsaufnahme in verschiedenen Gebieten aufhalten“, so die Biologin.

In den Laboren der „Polarstern“ nahmen die Wissenschaftler Krill und Salpen genau unter die Lupe: Sie vermaßen mehr als 13 000 Individuen und bestimmten deren Geschlecht und Reifestadium. Letzteres ist wichtig, um zu ermitteln, ob sich die Arten auch noch im Herbst erfolgreich fortpflanzen können, heißt es beim AWI. Dies haben die Biologen auf der aktuellen Expedition jetzt bestätigt. In einer sich weiter erwärmenden Antarktis könnten Salpen weiter zunehmen. „Wie sich dies auf den Krillbestand auswirkt ist noch unklar, jedoch haben erste Ergebnisse gezeigt, dass die Salpen keine Nahrungskonkurrenten zum Krill darstellen“, sagte Meyer.

In den nächsten vier Wochen wird die „Polarstern“ auf der Lloyd-Werft routinemäßig gewartet. Am 10. Juli geht es auf in die Arktis. - gn

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