Schwieriger Energiemarkt belastet Bilanz / Warme Winter bremsen Absatz

SWB: Gewinn bricht ein

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Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) in Mittelsbüren, das die SWB mit Partner realisiert, soll im Sommer in Betrieb gehen. Die mit Erdgas befeuerte Anlage soll eine Leistung von rund 445 Megawatt (MW) bereitstellen.

Bremen - Von Jörg Esser. Der Gewinn des Bremer Energieversorgers SWB ist im vergangenen Jahr regelrecht eingebrochen – um 75 Prozent von 26,1 auf 6,5 Millionen Euro. SWB-Vorstandschef Dr. Torsten Köhne macht dafür vor allem den „sehr schwierigen Energiemarkt“ verantwortlich. Unter dem Strich sei die Bilanz für 2014 „so gerade noch zufriedenstellend“.

Klimaschutzabgabe, Kapazitätsreserve – laut SWB bastelt die Bundesregierung an „gegenläufig wirkenden Eingriffen in ein komplexes System mit unkalkulierbaren Wirkungsmechanismen“. Köhne sagt: „Die Politik fräst sich mit der Energiewende fest.“ Und weiter: „Die Politik weiß nicht so richtig, was Phase ist.“

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) plant eine Klimaschutzabgabe, mit der laut Köhne „alte Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt gedrückt werden“. Und das hat Folgen auch für Bremen. Hier verbraucht das Arcelor-Mittal-Stahlwerk deutlich mehr Strom als der Rest der Stadt. Um den Bedarf des Werks zu decken, „braucht man Versorgungssicherheit, braucht man Kraftwerke“, sagt der SWB-Chef.

Nur rentiert sich die Stromerzeugung nicht mehr. Die SWB erzeugt im Kohleblock 6 im Hafen Strom für die Börse und im Kohleblock 15 in Hastedt Fernwärme. Für Block 6 werden Ausstiegsszenarien erarbeitet. Spätestens 2025 geht das Kraftwerk vom Netz, sagt Köhne. Im Sommer will der Bremer Versorger ein neues hocheffizientes und flexibles Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in Mittelsbüren in Betrieb nehmen – mit zweijähriger Verzögerung. Doch Geld könne damit wegen der politischen Vorgaben zunächst nicht verdient werden. „Das ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn“, sagt Köhne. „Wenn es glatt läuft, wird es ein Nullsummenspiel.“

Zurück in die Jahresbilanz: Das Ergebnis vor Steuern sank von 82,1 auf 49,7 Millionen Euro. Das ausschüttungsfähige Ergebnis der SWB AG ist sogar unter den Strich gesunken. Wurde 2013 noch ein Plus von 57,1 Millionen Euro bilanziert, wird vor allem wegen außerordentlicher Abschreibungen auf konventionelle Kraftwerke für 2014 ein Verlust von knapp 20 Millionen Euro verbucht. Das heißt: Für den Mutterkonzern EWE gibt es kein Geld.

Gesunken ist auch der Umsatz – um 8,4 Prozent von 1,59 auf 1,46 Milliarden Euro. Hierfür sind die witterungsbedingt rückläufigen Absatzmengen verantwortlich. Die beiden jüngsten Winter waren einfach zu warm. In Zahlen: Der Stromabsatz fiel um zehn Prozent von 13625 auf 12286 Millionen Kilowattstunden, der Erdgasabsatz um 16,5 Prozent von 6307 auf 5267 Millionen Kilowattstunden, der Wärmeabsatz um 16 Prozent von 1118 auf 939 Kilowattstunden. Die verkaufte Trinkwassermenge lag mit 36 Millionen Kubikmetern auf Vorjahresniveau, die Abfallverwertung stieg um 14,5 Porzent auf den Rekordwert von 929740 Megagramm.

2014 hat die SWB 78,2 Millionen Euro investiert, 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Um zehn Millionen Euro jährlich sollen die Personalkosten ab 2017 reduziert werden. Ende 2014 beschäftigte der Konzern 2349 Mitarbeiter, 69 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Azubis sank von 133 auf 124, womit die Ausbildungsquote bei 4,5 Prozent liegt. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2020 ausgeschlossen.

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