Eine Marke hat Geburtstag: Seit 100 Jahren trägt eine Schokolade den Namen der Prinzessin Feodora / Bremer Produkt

Die Schwester der Kaiserin und die Kunst

In aller Munde: Feodora, Prinzessin zu Schleswig-Holstein (1874 bis 1910).

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Ihre Liebe galt der Kultur. Und noch heute ist ihr Name buchstäblich in aller Munde – was an einer Schokolade liegt, die aus Bremen kommt und seit nunmehr 100 Jahren den Namen jener Frau trägt, die die Kultur so sehr liebte.

Ihr Name: Feodora Adelheid Helene Louise Caroline Pauline Alice Jenny Prinzessin zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Ein so langer Name sprengt natürlich den Rahmen einer Tafel Schokolade, aber es steht ja auch nur kurz „Feodora“ drauf – in Schönschrift und mit Wappen.

Die Prinzessin zu Schleswig-Holstein lebte von 1874 bis 1910. Sie war die jüngste Schwester der letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria (1858 bis 1921). Und sie war eine durchaus ungewöhnliche Frau, die als Malerin und Schriftstellerin auf sich aufmerksam machte. „Feo“ galt als unabhängiger Geist. Sie meinte es ernst mit der Kunst, die für sie nicht bloß ein Zeitvertreib war. Zu ihrem Freundeskreis zählte der Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler (1872 bis 1942). Ein weiterer Freund wurde Fritz Mackensen (1866 bis 1953), bei dem sie in Worpswede lernte. Die Landschaft Schleswig-Holsteins wurde eines ihrer Lieblingsmotive, hier – und in Schlesien, wo sie aufgewachsen war – ließ sie auch Romane spielen.

„Feo“ veröffentlichte ihre Bücher unter Pseudonym: „Keineswegs will ich, dass sie nur deswegen beachtet werden, weil ich die Schwester der Deutschen Kaiserin bin.“ Im Roman „Durch den Nebel“ (1908), dessen Titel Vogeler illustrierte, erzählt die Prinzessin die naturalistisch geprägte Geschichte eines holsteinischen Fischers. Im Sommer 1910 stirbt Feodora plötzlich; sie hatte sich offenbar von einer Typhus-Erkrankung im Jahr 1906 nie wieder richtig erholt. Ein früher Tod, von dem in ganz Deutschland gesprochen wurde – auch im brandenburgischen Tangermünde (heute Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt).

In Tangermünde hatte der Zuckerfabrikant Hermann Meyer gerade eine neue, besonders feine Schokoladenrezeptur entwickelt, für die er nach einem eleganten Namen suchte. Er kam auf „Feodora“. Eine Anfrage bei Hofe folgte. Und Kaiserin Auguste Viktoria war einverstanden – unter der Bedingung, dass sie bei der Verpackungsgestaltung mitreden durfte. Noch heute prägt gelbes Papier die Tafeln und Schachteln. Gelb war die Lieblingsfarbe der Kaiserin. Gelb wurde hier zur wiedererkennbaren Markenfarbe – verbunden mit dem goldenen „Feodora“-Schriftzug und dem Wappen der Her zöge zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg.

Längst aber kommt das Markenprodukt nicht mehr aus Tangermünde, sondern aus der Bremer Neustadt. Nach dem Krieg enteigneten die sowjetischen Besatzer Meyers Fabrik in Tangermünde. In Bremen fand die Familie eine geeignete neue Produktionsstätte. In der Westerstraße, gleich neben Hachez, wird die Schokolade noch heute produziert. Für das Unternehmen hat Professor Dieter Leuthold (Institut für Unternehmensgeschichte der Hochschule Bremen) die Geschichte der Prinzessin aufgeschrieben – zugleich erschien ein „Feodora“-Büchlein von Leontine Gräfin von Schmettow. Zum Marken-Jubiläum will das Unternehmen damit Anfang Februar in Köln auftreten – bei der Süßwarenmesse.

WWW.

feodora.de

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