„Sommermomente”: Boule-Spieler beleben Atmosphäre in den Wallanlagen

Dem „Schweinchen“ ganz nah

Gerald Schneider (v. l.), Karin Harms, Ralf Knobloch, Klaus Joggeling und Udo Seinsoth gehören zu der Pétanque-Gruppe „O‘ Neee“, die sich dreimal pro Woche in den Wallanlagen zum Spielen trifft. - Foto: Seegers

Bremen - Von Nina Seegers. Die Wallanlagen ziehen sich wie ein grünes Band durch Bremens Innenstadt. Gerade im Sommer ist dieser so zentral gelegene Park für die Städter ein beliebtes Ziel. Zwischen Radfahrern, Joggern und Spaziergängern trifft sich dort auch regelmäßig eine Gruppe von Boule-Spielern fortgeschrittenen Alters.

Das „Schweinchen” ist bereits von ein paar gegnerischen Kugeln umzingelt. Ralf Knobloch visiert sein Ziel an, holt zum Wurf aus und verfolgt mit gespanntem Blick die Flugrichtung seiner Kugel. Auch ein paar Passanten bleiben stehen, um das Spiel eine Zeit lang zu verfolgen. „Oh, nee!”, ruft Knobloch. Seine Kugel hat ihr Ziel nicht getroffen. Diesen Ausruf hört man innerhalb der Gruppe häufiger an diesem Nachmittag – nämlich immer dann, wenn die Kugel das sogennannte „Schweinchen“ weit verfehlt. „Oh, nee!” ist deshalb auch der Name der Gruppe, nur ein bisschen anders geschrieben: „O’ Neee“.

„Wir treffen uns hier seit etwa drei Jahren dreimal pro Woche”, erzählt Gerhard Harms, einer der Gründer der Boule-Gruppe. Harms war 35 Jahre der Pressesprecher der Universität in Oldenburg, mittlerweile ist er glücklicher Rentner und verbringt den ein oder anderen Nachmittag also mit Boule. Regelmäßige Mitspieler sind seine Frau Karin Harms, der Bremer Krimiautor Jürgen Alberts, der ehemalige Mitbegründer der Gesellschaft für Aktuelle Kunst (GAK) Udo Seinsoth, der ehemalige BLG-Manager Ralf Knobloch und viele mehr. Mittlerweile ist die Gruppe auf rund 25 Mitglieder angewachsen. „Wir sind eine buntgemischte Truppe. Ein paar jüngere sind auch dabei, aber die meisten von uns sind schon im Rentenalter”, sagt Harms.

Er und seine Frau begeistern sich schon seit etlichen Jahren für Boule. In Frankreich ist der Sport weit verbreitet. „Dort füllen sie ganze Stadien. Und vor allem in Südfrankreich gibt es zahlreiche Boule-Plätze im öffentlichen Raum”, weiß Harms. Auch hierzulande wird das Spiel unter freiem Himmel immer populärer, denn die Regeln sind einfach. Außerdem bedarf es bis auf die Kugeln keiner besonderen Ausrüstung, und die Kugelsportart ist vergleichsweise entspannt. „Einzig das lange Herumstehen kann schon mal anstrengend werden”, sagt Harms lächelnd.

Die Spielregeln von Boule – im Fall der Gruppe „O’ Neee” ist die korrekte Bezeichnung Pétanque – sind einfach und schnell erklärt: Zuerst wird in einer Entfernung von sechs bis zehn Metern die Zielkugel, das „Schweinchen”, geworfen. Daraufhin versucht jeder Spieler, mit seiner Kugel so nahe wie möglich an die Zielkugel heranzukommen. Wenn alle Kugeln gespielt sind, hat derjenige gewonnen, dessen Kugel am nächsten beim „Schweinchen” liegt.

„Wir legen alle sicher einen gesunden spielerischen Ehrgeiz an den Tag, aber letztlich geht es um mehr als nur das Spiel”, erklärt Harms und ergänzt: „Als wir angefangen haben, kannten sich die meisten Spieler untereinander gar nicht, aber mittlerweile ist ein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden. Wir sitzen öfter mal im Café zusammen oder besuchen auch mal gemeinsam eine Kunstausstellung.”

Die Atmosphäre in den Wallanlagen profitiert jedenfalls von der Pétanque-Gruppe, denn ihr Spiel belebt den Platz, verbindet Menschen und hebt ein Stück weit die Anonymität der Großstadt auf.

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