Debatte über Umgang mit Wildtieren

Ab in die Schutzzone für Wölfe?

Muss der Wolf künftig in einer Schutzzone leben? In Borgfeld fand jetzt eine hitzige Debatte zum Thema Wolf statt. - Foto: dpa
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Muss der Wolf künftig in einer Schutzzone leben? In Borgfeld fand jetzt eine hitzige Debatte zum Thema Wolf statt.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Veranstaltung „Wolf, hast Du die Gans gestohlen?“ des CDU-Kreisverbandes Stadt im Borgfelder Landhaus hat am Donnerstagabend zu einer hitzigen Debatte und Unmutsäußerungen vieler Nutztierhalter über den Umgang mit dem geschützten Raubtier geführt. Mehr als 100 Besucher verfolgten die Diskussion.

SPD-Frau und Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz ist als sogenannte „Wolfsexpertin“ und Privatperson zur Diskussion gekommen. Sie beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit 35 Jahren mit dem Thema. Sie zeigt Verständnis für die Unruhe, gibt aber zu bedenken, dass die deutsche Sicht auf den Wolf stark durch negative Kindheitsmythen geprägt sei. Der Wolf interessiere sich eigentlich nicht für den Menschen. „Es gibt aber durchaus auch Exemplare mit extremem Aggressionstrieb und solche, die sich beharrlich dem Menschen annähern“, sagt sie. Die müssten zur Not getötet werden.

Weitaus skeptischer ist dagegen Heike Klatte, Geschäftsführerin des Landwirtschaftsverbandes Bremen: „Aus Sicht der Landwirtschaft und der Bewohner ländlicher Gegenden wird mit dem Wolf vollkommen falsch umgegangen.“ Der Wolf habe sich völlig unbeschränkt und ungeleitet ausgebreitet, nachdem er aus dem Osten herübergekommen sei. Man würde jetzt ohne Vorbereitung an das Thema gehen. 

Wöchentlich Wildrisse in Deutschland

„Jede Woche gibt es in Deutschland zwei Risse von Nutztieren durch Wölfe, und das meist in der Nähe von Wohngegenden“, sagt Klatte. Solche Risse blieben in Deutschland ohne Konsequenzen. So hätte man irgendwann Wölfe, die keiner mehr bändigen könne. Klattes Fazit: „Der Wolf braucht eigene Gebiete, ohne Menschen und Nutztierhalter. Sonst klappt das nicht. Ein Wolf, der sich Häusern und lärmenden Menschen nähert, ist eine Gefahr.“

Zukünftig werde sie ihre Rinder nicht mehr ins Blockland lassen, so Landwirtin Klatte. Man könne nicht alle Weiden umzäunen, da das nicht mit den Rechtsgrundlagen von Natur- und Hochwasserschutz sowie dem Landschaftsschutzrecht vereinbar sei. „Letztlich sind Wolfszäune wirkungslos. Sie bringen bloß Entschädigungszahlungen“, so Klatte. Tiere hinter Zäunen können kaum flüchten, im Gegensatz zu Wildtieren.

Annette Siegert, Wolfsbotschafterin des Naturschutzbundes Bremen (Nabu), hat es an dem Abend nicht leicht, dagegenzuhalten. Begrenzte Schutzzonen als Wolfsgebiete, wie etwa Truppenübungsplätze, seien schwer zu finden. „Ein Wolfsrudel braucht 200 bis 350 Quadratkilometer Revier“, so Siegert.

Debatte über Obergrenze für Wölfe

Debattiert wird auch über eine Obergrenze für Wölfe. Zuhörer Karsten Schröder von der Biologischen Station Osterholz vermutet, dass sich der Wolfsbestand selber bei etwa 1.000 Exemplaren in Deutschland (heute sind es 700) begrenze. „Wenn Nahrung und Platz knapp werden, regulieren die Wölfe ihren Nachwuchs. Außerdem werden sie aggressiv gegeneinander“, so der Biologe. Doch mit der Idee, die Begrenzung dem Wolf selbst zu überlassen, steht er in Borgfeld ziemlich allein da.

Die weitgehend ruhige Diskussion kocht etwas hoch, als mehrere Gäste an das Leid der angegriffenen Tiere erinnern, die sich oft lange quälten. Siegert, selbst Tierhalterin, spricht ihr Mitgefühl aus und empfiehlt, sich Hilfe beim Zaunbau etwa durch den Nabu zu holen. Das besänftigt die Gemüter allerdings gar nicht.

Ein gewisser Konsens ist am Ende des Abends dennoch erkennbar: Wölfe brauchen Grenzen. Landwirte sollten bei Wolfsrissen entschädigt werden. Wölfe darf man nie an Menschen gewöhnen, geschweige denn füttern. Es müsse eine Obergrenze für Wölfe geben, diese sollte man aber nicht den Wölfen überlassen. 

Auf die Stadt Bremen passen niedersächsische Lösungen nicht, wird klar. Ein Runder Tisch am Montag, 6. März, soll weitere Fortschritte bringen. Einigkeit besteht darüber, dass in Bremen ein neues Problembewusstsein entstanden ist und gute Lösungen näherrücken.

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