Große Depressionen nach der Geburt sind nicht selten / „Babyblues“ ist sehr gut behandelbar

Schuldgefühle und Emotionen

Mittlerweile genießt Verena Feierabend nach einer postpartalen Depression jede Minute mit ihrer acht Monate alten Tochter Janne.

Bremen - Von Viviane Strahmann · „Ich hatte das Gefühl, ich bin nicht gut für mein Kind, es leidet unter mir.“ Dazu kam ein überwältigendes Gefühl der Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit, das immer schlimmer wurde. Verena Feierabend litt nach der Geburt ihrer Tochter unter postpartaler (postnataler) Depression.

Nach der Entbindung wird von der Mutter gemeinhin erwartet, dass sie eine instinktive Beziehung zu ihrem Säugling aufbaut. „Ist dies nicht der Fall, stößt sie meistens erst einmal auf Unverständnis“, erklärt Margot Thal-Georgi (55), Psychologin auf Station 62 des Klinikums Bremen-Ost.

Am häufigsten kommt die postpartale Dysphorie, der sogenannte „Babyblues“, vor. Die Frauen weinen, sind traurig und wissen nicht warum. Geht das nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen vorbei, spricht man von einer Depression. Sie betrifft ungefähr zehn bis 20 Prozent der jungen Mütter – eine bemerkenswert hohe Zahl. Schleichend ging es Verena Feierabend immer schlechter. „Erst war ich noch euphorisch, aber dann bin ich aus dem anschließenden ,Babyblues‘ nicht mehr herausgekommen“, sagt die 37-Jährige rückblickend.

Nach der Geburt ihrer Tochter Janne im März konnte die sie sich nicht mehr konzentrieren, nicht aufs Lesen und auf keine Gespräche. Am Ende schlief sie kaum mehr und ihre kreisenden Gedanken hatten zwanghaften Charakter. „Ich dachte, ich kann das nicht, ich schaffe das nicht. Wie konnte ich mir nur anmaßen, ein Kind zu bekommen?“

Dass sie selbst von dieser Krankheit betroffen sein könnte, wollte die Sykerin anfangs nicht glauben. „Es war mir peinlich und ich hatte Angst vor den Konsequenzen.“

Am Ende war es so schlimm, dass sie bereits darüber nachdachte, wie sie ihrem Leben ein Ende setzen könnte. Vier Wochen lang wurde sie auf der Station 62 betreut – eine Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Behandlung, während der sie weiter stillen konnte, ebnete den Weg heraus aus der Krise.

Zwei Mütter mit ihren Babys können zugleich auf der Depressionsstation aufgenommen werden – vier waren es im Jahr 2009. „Seit rund einem Jahr nehmen wir Mütter gemeinsam mit ihrem Säugling auf. Eine Trennung würde den Kontakt verschlechtern und Schuldgefühlen noch mehr Raum geben“, erklärt Margot Thal-Georgi, die sich gemeinsam mit Oberärztin Dr. Antje Halfmeyer für das Bremer Bündnis gegen Depression engagiert.

Zudem nehmen zahlreiche Betroffene das Beratungsangebot in Anspruch. „Wir informieren, machen Mut, vermitteln ambulante Psychotherapeuten und empfehlen Hebammen, die auch in den Familien unterstützen können.“ Heute kann Verena Feierabend wieder lächeln: „Als mir Margot Thal-Georgi vorhersagte, dass ich eine glückliche Mutter werden würde, habe ich ihr nicht geglaubt. Aber sie hat Recht gehabt, als sie sagte, dass das eine schwere, aber sehr gut zu behandelnde Krankheit wäre.“ Infos unter:

WWW.

schatten-und-licht.de

buendnis-depression.de

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