Schüttingstraße wochenlang gesperrt

Gucken ist erlaubt

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Die Schüttingstraße verbindet die Böttcherstraße mit dem Marktplatz. In den nächsten Wochen ist diese Verbindung wegen Erneuerung der Abwasserrohre nicht passierbar.

Bremen - Von Ralf Sussek. Sie ist die kürzeste Verbindung von der Böttcherstraße zum Marktplatz und umgekehrt. Doch in den nächsten Wochen ist die ansonsten unscheinbare Fußgänger-Gasse nicht passierbar: Dann ist nur Gucken erlaubt.

Ab Montag, 10. August, startet Hansewasser mit der Erneuerung des rund 47 Meter langen Abwasserkanals unter der Schüttingstraße. „Zwingend notwendig“ sei sie geworden, sagte gestern Projektleiter Karsten Messer. Der Kanalschaden war zuvor durch eine routinemäßige Inspektion mit einer Kamera festgestellt worden.

Rund acht Wochen lang werden die Arbeiten in Anspruch nehmen und in drei Abschnitten durchgeführt, erklärte Messer. Das Pflaster ist hier zum Teil in Wellenlinien verlegt – um darauf hinzuweisen, dass hier einst die Balge floss. Obwohl ein expliziter Hinweis darauf fehlt – und viele Besucher das gar nicht wahrnehmen –, soll das Pflaster wieder originalgetreu verlegt werden. Deshalb wurde der Straßenbelag bereits gescannt und dokumentiert, bevor er dann ab Montag aufgenommen wird.

Wegen des historischen Umfelds und der beengten Verhältnisse bedarf es besonderer Vorkehrungen, sagte Messer. So können die Erdarbeiten nur per Hand und mit einem Kleinbagger erfolgen. Auch die Landesarchäologie begleitet die Kanalbaumaßnahme – und erhofft sich eine Bestätigung der bisherigen Erkenntnisse der Bremischen Stadtgeschichte.

Hier floss im 8./9. Jahrhundert ein wichtiger Seitenarm der Weser, die Balge. Sie diente im Frühmittelalter als erster Hafen der Stadt, wurde 1608 kanalisiert und 1838 zugeschüttet. Bei Grabungen vor dem Bankhaus Neelmeyer (nahe der Einmündung der Schüttingstraße in den Marktplatz) wurden 1970 Reste der Mauer-Uferbefestigung der Balge (etwa 11. bis 15. Jahrhundert) sowie Dalben aus Eichenpfählen gefunden, Ähnliche Funde waren bei Erdarbeiten 1862 im Bereich des Schüttings und der Wachtstraße gemacht worden (Uferbefestigung aus Holz, etwa 10. Jahrhundert). Weitere Hinweise auf das Hafenufer könnten nun auch die Erdarbeiten für den neuen Abwasserkanal ans Tageslicht bringen.

Die Kanalsanierung erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird der schadhafte Kanal aus dem Jahr 1977 entfernt, dann der neue (Durchmesser: 25 Zentimeter) in offener Bauweise in der alten Trasse verlegt.

Für die Bremen-Besucher werden „Umleitungen“ ausgeschildert, durch die Straße Stintbrücke und die Wachtstraße. Wenn alles glatt läuft, ist ab Anfang Oktober dann nicht nur das Gucken, sondern auch das Durchlaufen der Schüttingstraße wieder erlaubt.

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