Prozessauftakt mit Polizeipräsenz

23-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht

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Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Donnerstag der Prozess gegen einen 23-Jährigen (rechts) begonnen. Er muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten.

Bremen - Von Steffen Koller. Mit Knüppeln und Eisenstangen gehen Ende August vergangenen Jahres mehrere Männer in Bremerhaven aufeinander los. Sie schlagen, treten, schreien sich an. Dann fällt ein Schuss. Seit Donnerstag muss sich nun ein 23-Jähriger wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bremen verantworten.

Laut Staatsanwalt war er es, der mit einer Pistole auf einen Kontrahenten zielte, abdrückte. Zum Glück wurde nur das Bein des Mannes gestreift. Blaues Hemd, schwarze Jeans, das Gesicht frisch rasiert. Man mag kaum glauben, dass der Angeklagte versucht haben soll, einen Menschen zu töten, „ohne Mörder zu sein“, wie es die Anklagevertretung zu Prozessauftakt formulierte. 

Doch der Staatsanwalt ist sich sicher: Nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung an der Straßenkreuzung Grazer Straße/Lloydstraße in Bremerhaven heizt sich die Stimmung auf. Männer schreien sich an, schlagen sich ins Gesicht. Einige von ihnen rennen weg, andere hingegen schlagen weiter aufeinander ein. 

Video vom Vorfall kursiert im Netz

In einem Video, das seit dem Vorfall im Internet kursiert, ist zu sehen, wie die Personen, die laut Anklage zwei verfeindeten Familien angehören sollen, mitten im Berufsverkehr gegen 16 Uhr unter anderem auf die Straße laufen und dann zurück auf den Gehweg springen. Immer wieder werden Drohungen ausgesprochen, Passanten bleiben schockiert stehen. Nach knapp drei Minuten endet das Video.

Nun hat die Massenschlägerei ein juristisches Nachspiel. Laut Anklage soll der 23-Jährige mehrfach versucht haben, Schüsse abzufeuern. Dabei habe er die Pistole (Kaliber 6,35 Millimeter) auf Brusthöhe gehalten und wiederholt abgedrückt. Dass letztlich nur ein Schuss fiel, sei darauf zurückzuführen, dass die Waffe Ladehemmungen hatte, führte der Staatsanwalt weiter aus. Zudem sei der Angeklagte beim Versuch, weiter zu feuern, selbst attackiert worden und musste sein Vorhaben abbrechen.

Verhandlungssaal blieb weitgehend leer

Auf Anordnung der Vorsitzenden Richterin wurde der Prozessauftakt von hohen Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Mehrere Polizeibeamte sicherten die Verhandlung vor und im Gebäude des Landgerichts in Bremen ab. Bis auf wenige Zuschauer blieb der Verhandlungssaal aber leer, es gab keine Unruhen.

Am Donnerstag, 22. Februar, wird der Prozess fortgesetzt. Dann will sich auch der Angeklagte, dem bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags bis zu zehn Jahre Haft drohen, zu den Vorwürfen äußern, ließ er durch seinen Anwalt Jürgen Meyer mitteilen. Außerdem soll ein Polizeibeamter als Zeuge gehört werden.

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