Schrill und unbeschwert

„Girlies – Gameboy – Gummibärchen“: Publikum feiert 90er-Jahre-Revue

Schrill und bunt: Julia (Katrin Zierof) und Andy (Andreas Eckel) als Barbie und Ken mit dem Song „Barbie Girl“ von „Aqua“. Foto: THEATERSCHIFF
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Schrill und bunt: Julia (Katrin Zierof) und Andy (Andreas Eckel) als Barbie und Ken mit dem Song „Barbie Girl“ von „Aqua“.

Bremen - Von Viviane Reineking. Bääm! Los geht die Reise in die bunte, wilde Welt der 90er Jahre. Der Einstieg auf großer LED-Wand, eine schnelle Abfolge von Sequenzen dessen, was im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts angesagt und passiert war, kommt unvermittelt. Er führt die Zuschauer ein in die Revue „Girlies – Gameboy – Gummibärchen“, die am Donnerstagabend auf dem Theaterschiff an der Tiefer Premiere feierte.

Bei den Zuschauern kommt die musikalische wie komödiantische Aufarbeitung der 90er Jahre von Autor und Regisseur Dirk Böhling bestens an, am Ende feiern sie die fünf Akteure auf der Bühne mit stehenden Ovationen. Dazwischen liegen rund zwei Stunden, die vollgepackt sind mit Erinnerungen an Kult gewordene Dinge, Werbespots, TV-Shows und musikalische Höhepunkte mit ihren Stars der 90er. Immer hört man Zuschauern sagen: „Ach ja“. Und: „Stimmt, das gab’s ja damals auch.“ Vieles ist noch heute gut im Gedächtnis, manches dagegen (aus gutem Grund) verdrängt. Bis zu dieser Retro-Show auf dem Theaterschiff.

Eine umfangreiche Handlung gibt es nicht, das was sich zuträgt auf der Bühne, ist schnell erzählt: Philipp Wöhlermann (Arne David) hat die Karaoke-Bar „Ninety-In“ geerbt. Familie Wöhlermann dürfte einigen noch aus vorherigen Nostalgie-Stücken „Hossa“ (70er Jahre) und „Ich will Spaß“ (80er) auf dem Theaterschiff bekannt sein. In den 90ern war das Lokal „total angesagt“, nun soll Hausverwalter und Ex-DJ Andreas Schneider (Andreas Eckel) sie verkaufen. Bis sich ein potenzieller Kunde findet, lassen Philipp und seine Freunde Anna (Janneke Thomassen), Lukas (Mark Derichs) und Julia (Katrin Zierof) das Jahrzehnt wieder aufleben. Ein DJ-Pult mit (gemalten) Regalen voller Platten und Kassetten, eine Theke mit bunter Gummibären-Deko und zwei auf der LED-Wand dargestellten Fernsehern samt Songtexten zum Mitsingen prägen das Bühnenbild des Stücks. Ihre Partys führen die fünf zurück in eine Zeit, die Ex-DJ Andy wie folgt beschreibt: „No Limits, naiv, unbeschwert, Party all the time und Arschgeweih.“

Zur künstlerischen Verarbeitung der 90er gehören auf dem Theaterschiff Diddl-Maus und Tamagotchis, heute riesig erscheinende Handys und antiquiert anmutende Faxgeräte – „prähistorische Papierkommunikation“, wie es im Stück heißt. TV-Shows wie „Jeopardy“, „Traumhochzeit“ und „Glücksrad“ gehörten ebenso zu den 90ern und leben in der Revue wieder auf wie zitierte Werbespots, etwa zur „Punica Oase – mehr Frucht, weniger Durst“. Und dann sind da noch die zahlreichen wie teils sonderbaren Hits: „Barbie Girl“ von „Aqua“ etwa, das Katrin Zierof als Barbie im rosa Tüllrock und Andreas Eckel als Ken wunderbar schrill und mit viel Applaus bedacht auf die Bühne bringen. Als „Rednex“ kommen die Schauspieler mit ihren Steckenpferden zu „Cotton Eye Joe“ auf die Bühne galoppiert. Und Arne David und Mark Derichs begeistern als die „Fantastischen Vier“ mit dem Hip-Hop-Klassiker „Die da!?!“. Matthias Reim, Boygroups und Girlie-Bands, die Kelly Family und der weltbekannte „Macarena“-Tanz: Die Darsteller meistern eine riesige Bandbreite an musikalischen Höhe- und Tiefpunkten mit Freude an ihrem Spiel. Längst nicht jeder Ton der 90er-Revue sitzt an diesem Abend. Nicht schlimm, denn schließlich steigt die Party ja in einer Karaoke-Bar. Ganz klar: Retro liegt zu Recht im Trend, denn Retro macht einfach Spaß!

Der Spielplan

„Girlies – Gameboy – Gummibärchen“ steht bis zum 2. Mai 2020 auf dem Spielplan des Theaterschiffs an der Tiefer. Karten für die Vorstellungen gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung. Sie kosten etwa 30 Euro.

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