„Auf einen Espresso“ mit Kunsthallendirektor Christoph Grunenberg

Ein schreibender Begleiter

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Christoph Grunenbergs Füllfederhalter ist Schreibutensil und Erinnerung.

Bremen - Von Ilka Langkowski. Seit gut einem Jahr ist Christoph Grunenberg Direktor der Bremer Kunsthalle. „Ich bin in einer privilegierten Position“, sagt er, „umgeben von schönen Objekten und für diese verantwortlich. Das macht Spaß.“

Interessant an seiner Arbeit seien vor allem Künstler, die sich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzen. In ihren Werken gehe es um mehr als Konsum, es gehe um Werte und Fragen, die die Menschen in der Kunst suchten, sagt Grunenberg.

Um möglichst viel zu sehen, was andere Museen machen und wie sie mit ihren Besuchern umgehen, ist der Neu-Bremer oft auf Reisen. Das Reisen mache den Kopf frei, sagt der 50-Jährige. Die im Büro anfallende Verwaltungsarbeit müsse allerdings genauso ernstgenommen werden. Es sei oft so, dass man sich, je weiter man beruflich kommt, immer weniger mit seinem eigentlichen Fachgebiet beschäftigt.

Der Kunsthistoriker hat sich Zeit für unsere Serie „Auf einen Espresso“ genommen, in der wir Bremer Prominente und engagierte Macher ein wenig privat vorstellen – mit einem Gegenstand, der für sie eine besondere Bedeutung hat. Grunenberg hat einen edlen Füller von „Mont Blanc“ dabei. Den habe er gleich zweimal geschenkt bekommen, erzählt er. Seinen ersten Füllfederhalter schenkten ihm seine Eltern 2001 anlässlich seiner Direktorenstelle bei der Tate Liverpool. Das zweite Mal bekam er den Füller fünf Jahre später von seiner Frau geschenkt. Das Original war ihm in einem Wiener Hotel abhandengekommen, als er es neben dem Computer im Hotel vergaß. Als Gutenberg es bemerkte, war der Stift schon verschwunden. Es folgte eine Phase des Frusts, bis Grunenbergs Frau das gleiche Modell auf einem Flughafen in Mexico City entdeckte und ihm schenkte. Nun besitzt Grunenberg wieder eine prestigeträchtige Feder, die den Stolz seiner Eltern und die Unterstützung seiner Frau in sich vereint. „Das sind doppelt belegte Erinnerungen“, sagt der Kunsthallendirektor.

Seinen Füllfederhalter, der direkt aus einem Tintenfässchen aufgefüllt wird, trägt Grunenberg immer bei sich. Er pflegt, leert und reinigt ihn regelmäßig. Schriftstücken und Signaturen gebe der Füller eine besondere formale Note, zum Beispiel bei Leihgesuchen für Kunstwerke. Obwohl der Schreiber für klassische Werte steht und Beständigkeit symbolisiert, muss sich der Kunsthistoriker selbst immer mit etwas Neuem auseinandersetzen. „Das hält jung“, meint der Kunsthallendirektor und lacht, „dass mich etwas nicht mehr interessiert oder ich keinen Zugang mehr zur zeitgenössischen Kunst habe, wird nie passieren.“

Sechs fixe Fragen

Was verbindet Sie mit Bremen?

Grunenberg: Es ist eine lebenswerte Stadt. Vor allem verbinden mich mit ihr die Kunsthalle und ihr Stellenwert in der Stadt. Der Kunstverein hat so treue Mitglieder, und sie haben mich sehr warm aufgenommen. Außerdem habe ich schon eine kleine Passion für Werder Bremen entwickelt.

Welchen Ort mögen Sie besonders?

Grunenberg: Osterdeich und Werderinsel. Wir haben ein Saisonticket für die Fähre und nehmen oft den Hund mit. Dort mit einem Bier im Sand zu sitzen, ist wie ein kleiner Urlaub.

Was würden Sie auswärtigen Gästen in Bremen zeigen?

Grunenberg: Die Kunsthalle und die Böttcherstraße – ein ganz wunderbares Kunst- und Architekturdenkmal. Zum Geburtstag haben wir eine Hafenrundfahrt gemacht, bei blauem Himmel und Sonnenschein – das hätte nicht schöner sein können.

Welches ist Ihr Lieblingstier?

Grunenberg: Unser Hund „Lola“, eine Mischung aus Tibet-Terrier und Labrador.

Was würden Sie tun, wenn Sie jetzt spontan einen Tag frei hätten?

Grunenberg: Ausschlafen, einfach nichts tun und lange spazierengehen.

Was macht Sie schwach?

Grunenberg: Schwarze Schokolade und Trüffel. Nach dem Essen sind ein Stück Schokolade und ein Glas Rotwein ein Genuss.

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