Sturz trotz Bruchs der Sattelstütze vermieden 

Schrecksekunde: Lampater und das Vogel-Feeling

Marcel Kalz (Mitte) und Iljo Keisse (re.) haben auch nach dem vierten Tag beste Chancen auf den Gesamtsieg. - Foto: Töbelmann

Bremen - Von Gerd Töbelmann. „Das kam so unvermittelt, dass mir das Adrenalin durch den Körper geschossen und mein Puls gerast ist. Zum Glück ist es gut ausgegangen“, meinte Leif Lampater gestern. Am späten Samstagabend war dem 34-Jährigen bei den 53. Bremer Sixdays während eines Dernyrennens die Sattelstütze gebrochen. Lampater konnte aber einen Sturz bei knapp 70 km/h gerade noch verhindern.

Lampater kann sich noch genau an die Szene erinnern: „Zum Glück habe ich reflexartig den Oberkörper angespannt und mich nach vorn über den Lenker gelehnt. So konnte ich das Ganze ausbalancieren und habe mich nicht auf die Bretter gelegt. Das wäre nicht so schön gewesen.“

Bahnradsport und Bruch der Sattelstütze – da war doch was. Genau. Bei den Olympischen Spielen in Rio traf es die deutsche Topsprinterin Kristina Vogel. Bei ihr machte die Stütze auch schlapp, doch sie rettete sich ins Ziel und wurde sogar noch Olympiasiegerin. Angesprochen auf Vogels Missgeschick, meinte Lampater mit einem Schmunzeln: „Kristina hat das Rennen wenigstens noch beendet – ich nicht.“

Bremens Sportlicher Leiter Erik Weispfennig (re.) im Gespräch mit Leif Lampater (li.) nach dessen Malheur mit der Sattelstütze. Christian Grasmann (dahinter) hört interessiert zu. - Foto: töb

Das galt aber nur für diesen Wettbewerb. In der Gesamtwertung hat der Sieger von 2009 und 2014 mit dem Holländer Wim Stroetinga noch beste Chancen, das dritte Mal ganz oben auf dem Podest zu stehen. So siegte er gestern in der Jagd über 30 Minuten.

Siegchancen besitzen natürlich auch die mit kurzer Unterbrechung meist führenden Marcel Kalz und Iljo Keisse, die das erste Mal überhaupt ein Paar bilden. Vor dem Startschuss war der Berliner Kalz noch skeptisch gewesen, ob das mit den Ablösungen klappt. Gestern, nach zwei Dritteln der Veranstaltung, meinte der 29-Jährige: „Es funktioniert. Iljo ist wirklich ein großer Fahrer.“

Christian Grasmann übt Selbstkritik

Und was machen die Titelverteidiger Christian Grasmann (Irschenberg) und sein belgischer Partner Kenny de Ketele? Sie mischen ebenfalls vorn mit, punkten aber nicht mehr so häufig wie noch im vergangenen Jahr. Grasmann sucht die Schuld dafür nicht bei anderen, sondern meinte gestern: „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Vielleicht hat das Rennen zuvor in Rotterdam zu sehr geschlaucht. Ich bin nur körperlich anwesend, aber der Geist ist sehr müde. Die Rennen in letzter Zeit werden, vielleicht auch wegen des besseren Materials, immer schneller. Wenn man vorn mitfahren will, darf man sich keine Pause gönnen.“

Die vierte Kombination, die echte Siegchancen hat, ist eine ziemliche Überraschung. Jesper Mörkov (Dänemark) und Yoeri Havik (Niederlande) rockten gestern Nachmittag die ÖVB-Arena und holten sich den Sieg in der Großen Jagd. Für Lampater ist das aber keine Sensation: „Die fahren wirklich gut. Die enge Bahn kommt ihnen offenbar entgegen, weil sie eine etwas kleinere Statur haben.“ Und auch Grasmann ist vor allem von Mörkovs Leistungen in den bisherigen vier Tagen angetan: „Jesper ist ein echter Stratege. Er hat zwar keine Bärenkräfte, ist aber immer dann zur Stelle, wenn es wichtig ist.“

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