„Die Schrecken nicht vergessen“

Bremen erinnert am Bunker „Valentin“ an das Kriegsende vor 75 Jahren

Am Mahnmal im Bremer Norden: Bürgermeister Andreas Bovenschulte (l.) und Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff. Foto: BREMISCHE BÜRGERSCHAFT
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Am Mahnmal im Bremer Norden: Bürgermeister Andreas Bovenschulte (l.) und Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff.

Bremen – Am Mahnmal am Denkort „Bunker Valentin“ in Farge haben Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff am Freitag gemeinsam mit weiteren Teilnehmern der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht. Sie legten zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Kriegsende Kränze nieder.

Aufgrund der Corona-Pandemie, so bedauerte der Bürgermeister, könne man nicht gemeinsam mit den vielleicht letzten Zeitzeugen, mit Hinterbliebenen, Delegationen aus den Partnerstädten Haifa und Danzig sowie weiteren Menschen innehalten und das Geschehene reflektieren. „Wir gedenken der Millionen Opfer des Zweiten Weltkrieges. Wir erinnern an die Gräuel, an die Unmenschlichkeit und das unermessliche Leid, das mit der Herrschaft der Nationalsozialisten über die Welt kam“, sagte Bovenschulte. Zu allererst denke man an „entrechteten, gequälten und ermordeten Opfer der NS-Herrschaft“. Besonders beschämt habe das Wissen „um die entsetzlichen Mechanismen von Mittäterschaft, Ignoranz und kollektivem Wegsehen“. Vor 75 Jahren sei für Bremen der Krieg zu Ende gegangen, doch das sei kein Verdienst der Stadt gewesen. Bovenschulte: „Die hiesigen Machthaber mussten von alliierten Soldaten im Kampf zur Kapitulation gezwungen werden. Die letzten Apriltage 1945 waren in Bremen die Tage der Befreiung durch britische Truppen. Auch an ihren Einsatz und an ihren Opfermut müssen wir heute in Dankbarkeit erinnern.“

Bürgerschaftspräsident Imhoff sagte: „Der 8. Mai soll uns mahnen: Grausames ist damals geschehen – hier in unserer Mitte. An wenigen Orten in Bremen wird das so deutlich wie hier: Der Bunker wurde ab 1943 mit mehr als 10 000 Zwangsarbeitern, unter Not und Hunger errichtet. Es ist eine Aufforderung an uns alle, die Schrecken von Krieg nicht vergessen, Faschismus und Antisemitismus nicht zu relativieren.“ Mindestens 1 500 Zwangsarbeiter hätten die Arbeit am Bunker nicht überlebt.

„Der gesellschaftlichen Verantwortung für das, was in unserer Geschichte, was unter anderem an diesem Ort geschehen ist, können und dürfen wir uns nicht entziehen“, sagte der Christdemokrat. Es gehe um das Erinnern, ums Innehalten, ums Nachdenken, um Verantwortung, so Imhoff. „Und darum, nie wieder zu schweigen, sondern die Stimme gegen Tyrannei, gegen Unterdrückung und gegen Gewalt zu erheben. Das ist unsere Pflicht.“

Der 8. Mai 1945 sei für die Juden, Verfolgten, Häftlinge und Zwangsarbeiter ein Tag der Befreiung, betonte Frank Imhoff. Zugleich sei er nach sechs Jahren Krieg und mehr als 60 Millionen Opfern, zerstörten Städten und zerrissenen Familien ein Tag des Friedens, der seither in Europa währe. Und er sei der Tag des Neubeginns, an dem in Westdeutschland das Fundament für eine parlamentarische Demokratie gelegt worden sei.  gn

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