Hilfsprojekt unterstützt traumatisierte geflüchtete Jungen

Den Schrecken vor Augen

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Symbolbild

Bremen - Manche haben den Krieg hautnah miterlebt und Angehörige verloren. Anderen wurde im Herkunftsland oder auf der Flucht Gewalt angetan. Darüber mögen Jungen selten von sich aus reden. Eher leiden sie im Stillen. Das will das Bremer Jungenbüro ändern.

Das Bremer Jungenbüro hat ein Hilfsprojekt für traumatisierte geflüchtete Jungen und junge Männer gestartet. Viele hätten entweder in ihrem Heimatland, auf der Flucht oder in einer Asylunterkunft sexuelle, seelische oder körperliche Gewalt erlebt, sagte Jungenbüro-Mitarbeiter Volker Mörchen. „Die betroffenen Kinder und Jugendliche kämpfen oft mit Konzentrationsschwierigkeiten und massiven Schlafstörungen. Die Erinnerungen an schreckliche Erfahrungen stehen ihnen noch bildhaft vor Augen.“

Das zunächst auf drei Jahre befristete Modellprojekt für Jungen und junge Männer im Alter von sieben bis 27 Jahren wird von der „Aktion Mensch“ mit 66 000 Euro unterstützt. Ähnliche Hilfen sind Mörchen zufolge in Deutschland noch selten. Berlin und München seien zwei weitere Städte mit derartigen Angeboten. Wie groß die Zahl der jungen Asylsuchenden ist, konnte der Soziologe nicht sagen. Aufgrund bisheriger Erfahrungen gehen Beratungsstellen davon aus, dass die Zahl der männlichen Betroffenen unter den Flüchtlingen „weitaus höher“ ist als häufig angenommen.

„Jungen melden sich in der Regel nicht selbst, denn dann wäre nach ihrem Gefühl die Scham gleich doppelt groß“, sagte Mörchen. „Zuerst konnten sie die Gewalt nicht verhindern – und jetzt kommen sie mit den Folgen nicht klar.“ Im Unterschied zu gemeinsam erlittenen Traumata wie Krieg oder Seenot sei das Sprechen über sexualisierte Gewalt auch unter Flüchtlingen weitgehend tabu.

Mit mehrsprachigen Broschüren unter anderem in Farsi und auf Arabisch sowie in persönlichen Kontakten wollen Mörchen und sein Kollege Rolf Tiemann das neue Angebot bekanntmachen. „Uns ist wichtig, dass die Jugendlichen erfahren, dass es in Bremen für männliche Gewaltopfer einen eigenen Ort gibt. Dann kann jeder selbst entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt er Hilfe annehmen will“, sagte der Pädagoge Tiemann.

Nicht zuletzt durch die hohe Zahl der unbegleiteten minderjährigen Ausländer (Uma) habe sich die Zielgruppe des Jungenbüros in den vergangenen Monaten massiv vergrößert. Mörchen: „Der Bedarf nach Beratung für die Betroffenen und für Fachkräfte wächst.“

Auch deshalb hat das Jungenbüro eine spezielle Fachberatung für Pädagogen entwickelt, die möglicherweise einen Kontakt zwischen einem Betroffenen und der Beratungsstelle anbahnen können. Jugendliche können die Beratungsstelle überdies auch in der Gruppe besuchen. In der Regel konzentriere sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf unbegleitete minderjährige Jugendliche, wenn sie Probleme bereiteten, ergänzte Tiemann. „Die Probleme, die die Jungen selbst haben, und die Kompetenzen, die sie mitbringen, bekommen in der Regel weniger Aufmerksamkeit.“ J epd

www.jungenberatung-bremen.de www.bremer-jungenbuero.de

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