Lebensmitteltechnologie-Studenten entwickeln Müsliriegel aus Biertreber

Schokoladig und alkoholfrei

Moin Lotfi (v.l.), Kilian Kranert und Thair Tobias Layes mit ihrem neuartigen Müsliriegel. Auf dessen Zutatenliste steht eine ungewöhnliche Komponente: Biertreber, ein Reststoff bei der Herstellung des Gerstensaftes. - Foto: FEI

Bremerhaven - Von Viviane Reineking. Es klingt nach einem ungewöhnlichen Geschmackserlebnis: Drei Bremerhavener Studenten haben einen Müsliriegel kreiert. Und zwar einen aus Biertreber – den Rückständen des Malzes bei der Herstellung von Bier. Neben der eigentümlichen Zutat überrascht der Riegel aber noch mit einer weiteren Besonderheit: In Milch gegeben, trennt er sich in mundgerechte Stücke und wird zum Müsli.

Mit „TrennBar“ haben Moin Lotfi und Kilian Kranert, Studenten der Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Bremerhaven, sowie Absolvent Thair Tobias Layes beim deutschlandweiten „Trophelia“-Wettbewerb 2018 des Forschungskreises der Ernährungsindustrie (FEI) den mit 1 000 Euro dotierten zweiten Platz erreicht. Für den Wettbewerb entwickeln Studenten der Lebensmittelwissenschaften an deutschen Hochschulen nach Angaben des FEI ein neuartiges und nachhaltiges Lebensmittel mit ökologischem Mehrwert.

Beim Brauen des hochschuleigenen Bieres kamen die Studenten auf die Idee zu dem besonderen Müsliriegel. „Wir fanden es schade, den Biertreber nach jedem Brauvorgang zu entsorgen“, so das Team. „Und so kamen wir auf dessen sinnvolle Weiterverwendung in der Lebensmittelbranche.“ Mit der biotechnologischen Methode der Fermentation stellten die Studenten einen „Kakao-Ersatz“ aus dem Reststoff für die Glasur her. „Das Aroma des fermentierten Trebers ist kakaoähnlich, so Layes. Und dieses schokoladige Aroma zeichne den Geschmack des Müsliriegels aus, versprechen Lotfi, Kranert und Layes. Den Biertreber beziehen sie dabei vom Braulabor der Hochschule, er enthalte keinen Alkohol, so die Studenten.

Neben dem Biertreber stecken den Ideengebern zufolge weitere hochwertige und „funktionelle“ Zutaten – die einen gesundheitlichen Zusatznutzen versprechen – in ihrer Lebensmittelneuheit. Zum einen Grüntee-Extrakt: „Ein Riegel hat etwa die gleichen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe wie eine Tasse grüner Tee, der für seine Polyphenole bekannt ist und Krankheiten vorbeugen kann“, so Layes. Zum anderen Xylit, auch als Birkenzucker bezeichnet. Der komme als Süßungsmittel zum Einsatz, sei nachweislich gut für die Zähne und schütze vor Karies, so Layes. Reich an Ballaststoffen und Proteinen sei der Riegel auch, weshalb er dem studentischen Team zufolge als „Ballaststoffquelle“ bezeichnet werden könne.

Von der Gesundheit zur Nachhaltigkeit, eines der Kriterien des Wettbewerbs. Im Gegensatz zum echten Kakao komme der Treber nicht aus Übersee, sondern aus der Region. Durch das „Local Sourcing“ werde die Umwelt weniger belastet. In der Elfenbeinküste in Westafrika etwa seien dagegen bereits mehr als 90 Prozent des Regenwaldes für den Kakaoanbau abgeholzt worden, so das Team, das sich „(Un)Trennbar“ nennt. Hinzu kämen ethische Bedenken etwa aufgrund von Kinderarbeit, heißt es.

Während im Vorentscheid zum Wettbewerb nur das Konzept überzeugen musste, testete die Jury in der Endrunde des „Trophelia“-Wettbewerbs zudem die Produktmuster der sechs Finalisten. Und auch, wenn es für den trennbaren Müsliriegel dort nicht zum Sieg gereicht hat, will zumindest Moin Lotfi weitermachen und den Riegel verbessern. Zum einen müsse die Trennfunktion noch Industrietauglichkeit erlangen. Zum anderen solle der Schmelzpunkt der Glasur mit dem kakaoähnlichen Aroma noch erhöht werden.

Zurück zum Wettbewerb: „Trophelia“ ist der nationale Vorentscheid für den europäischen „Ecotrophelia“-Wettbewerb im Oktober in Paris. Vertreten wird Deutschland dann durch die „Trophelia“-Sieger „Kof.co“ vom Karlsruher Institut für Technologie mit ihrem neuartigen Frühstückskeks. Dessen Zutaten klingen nicht minder ungewöhnlich: Enthalten sind etwa koffeinhaltiges Guaraná und Algen.

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