„Miss Bremen“ bald „Miss Germany“?

Schönheit mit Narbe: Mara Maeke will anderen Betroffenen Mut machen

Die Bremerin Mara Maeke zeigt eine Narbe.
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Die Bremerin Mara Maeke lebt mit einem küenstlichen Darmausgang. Die studierte Meeresbiologin ist amtierende „Miss Bremen“ und tritt am 27. Februar mit 15 weiteren Kandidatinnen zur Wahl der „Miss Germany“ an.

Eine junge Frau mit einer schweren Erkrankung und ein Schönheitswettbewerb, der keiner mehr sein will: Wie passt das zusammen? Bestens, meint Mara Maeke – und stellt sich am 27. Februar im Europapark Rust zur Wahl.

  • Junge Bremerin lebt mit künstlichem Darmausgang.
  • Die 26-Jährige sagt: „Die Narbe ist der Grund, warum ich noch lebe.“
  • „Miss Bremen“ nimmt an der Wahl zur „Miss Germany“ teil.

Bremen - Im Sommer trägt Mara Maeke gerne bauchfrei. Sie ist stolz auf die dann sichtbare gut 20 Zentimeter lange Narbe: „Die Narbe ist der Grund, warum ich noch lebe. Sie erzählt meine Geschichte“, sagt die 26-Jährige. Unter einem Pflaster direkt neben der Narbe liegt ihr künstlicher Darmausgang. Auch der gehört zu ihr – wie ihr Faible fürs Tanzen, die schulterlangen Haare und ihr Job als Meeresbiologin.

Weil sie so offen mit ihrer Geschichte umgeht und anderen Betroffenen Mut machen will, wurde die Doktorandin der Uni Bremen im Dezember zur „Miss Bremen“ gekürt. Am 27. Februar tritt sie gemeinsam mit 15 weiteren Kandidatinnen im ehemals reinen Schönheitswettbewerb zur „Miss Germany“ im Europapark Rust bei Freiburg an. Um äußerliche Schönheit geht es ihr und der „Miss Germany Corporation“ dabei nicht. „Ich stehe dafür, dass jede Frau schön ist durch ihre Einzigartigkeit“, sagt Maeke. Sie will ihre Geschichte erzählen und zeigen, dass „ich mich selbst annehme, wie ich bin, auch wenn ich nicht perfekt bin“. Der Wettbewerb bietet ihr die Chance dazu. „2019 haben wir uns komplett neu erfunden“, erzählt Max Klemmer. Er führt die Corporation in der dritten Generation. Früher hätten allein äußere Schönheitsmerkmale eine Rolle gespielt. Ausschließlich sehr junge Frauen hätten im Bikini auf dem Laufsteg posiert, fast ausschließlich Männer hätten ihnen dabei zugesehen.

„Miss Germany“: Heute Plattform für Individualität

Heute wolle er Frauen eine Bühne bieten, die eine Botschaft und ihre Werte weitergeben wollen, sagt Klemmer. „,Miss Germany" soll eine Plattform für Individualität und Diversität sein.“ So stehen im Finale auch Ehefrauen und Mütter jenseits der 30, Frauen mit Kleidergröße 42 und Frauen, die sich für Integration engagieren.

Mara Maeke bekam 2016 die Diagnose Colitis Ulcerosa. Die chronisch entzündliche Darmerkrankung verursacht Durchfälle, Koliken und Darmblutungen. Zwei Wochen später fand sich die junge Frau mit lebensbedrohlicher Entzündung auf der Intensivstation wieder. Nach wechselnden Medikamententherapien erhielt sie 2018 einen künstlichen Darmausgang, ein sogenanntes Stoma. „Der war mein Retter“, sagt sie und lacht. Ihre Augen strahlen.

„Miss Bremen“: Keine Alternative zur Operation

Die Ärzte hätten ihr deutlich gemacht, dass sie keine Alternative hatte. „Sonst wäre ich gestorben.“ Maeke war von Anfang an überzeugt, dass sie aus ihrer Krankheit kein Geheimnis machen würde. Sie will mit Tabus brechen und damit anderen Betroffenen Mut machen: „Ich werde immer, für den Rest meines Lebens ein Stück Dünndarm aus dem Bauch schauen haben. Doch auch damit kann man ein super Leben führen.“

„Miss-Germany“-Wahl auf Youtube

In klaren Worten erklärt die Naturwissenschaftlerin in Videos auf Instagram, wie ein Stoma und ein „Kock Pouch“ funktionieren. Nach Komplikationen bekam sie 2019 ein solches innenliegendes Reservoir, das sie über einen Katheter entleert. „Ich will versuchen, den Ekel von diesem Thema zu nehmen. Wir alle gehen auf die Toilette. Bei uns funktioniert das eben ein bisschen anders. Aber wir sind trotzdem ganz normale Menschen.“ Die Krankheit habe ihren Blick auf das Leben verändert, gibt Maeke zu. Früher habe sie von Karriere, Familie, Haus und Garten geträumt. „Heute bin ich für die kleinen Glücksmomente dankbar. Aus ihnen ziehe ich Energie für die schlechteren Tage.“ Auch ein makelloser Körper, den sie früher mit viel Sport und Styling formen wollte, ist ihr nicht mehr wichtig. „Ich habe gemerkt, dass die Gesundheit im Leben das allerwichtigste ist.“

Das „Miss-Germany“-Finale am 27. Februar ab 20 Uhr wird aus dem Europapark in Rust per Livestream auf Youtube übertragen.  Martina Schwager (epd)

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