1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Made in Bremen: Schnitgers „Swelper“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martin Kowalewski

Kommentare

Eine Frau trägt zwei Teller auf einem Arm.
Mit Servierhilfe im Einsatz: Friederike Constanze Schnitger mit zwei Tellern auf einem Arm. „Swelper“ soll den Daumen eines Gastro-Mitarbeiters vor Hitze schützen. In der anderen Hand hält Schnitger ihre Goldmedaille. © Kowalewski

Für ihre Idee hat die Bremerin eine Goldmedaille bei der Nürnberger Ideenmesse gewonnen: Friederike Constanze Schnitger hat die Servierhilfe „Swelper“ erfunden.

Bremen – Friederike Constanze Schnitger aus Oberneuland leitete früher ein Landhaus mit Hotel und Gastronomie. Aus eigener Erfahrung weiß sie: Die vielen in der Gastronomie eingesetzten Aushilfen tun sich schwer mit dem Servieren. Mit ihrer Servierhilfe „Service-Waiter-Helper“, kurz „Swelper“, sollen auch Ungelernte sicher mit drei Tellern laufen können. Für die Idee bekam sie 2021 auf der internationalen Ideenmesse „IENA“ in Nürnberg eine Goldmedaille.

Servieren ist ein Balanceakt. So geht es im Normalfall bei Rechtshändern: Die Fläche der linken Hand wird nach oben gedreht. Auf dieser ruht ein erster Teller, festgehalten mit dem Daumen. Der kleine Finger wird hochgedreht, ein weiterer Teller kommt auf Daumen, kleinen Finger und Handballen. Bei echtem Können wird ein weiterer Teller ein Stück weit unter den ersten geschoben. Schwierig und eine Belastung für diesen Arm.

Ein weiterer Teller wird mit der rechten Hand getragen, wieder mit der Handfläche und Daumen drauf. Hier ist die Lage einfacher, eine Serviette kann zum Hitzeschutz eingesetzt werden. So kommen bei einem Gang drei bis vier Teller zu den Gästen und werden mit der rechten Hand auf den Tisch gestellt.

„Vor Corona wollten alle Leute feiern“

Das Problem: Bis diese Technik richtig beherrscht wird und die Person wie ein Profi mit den Tellern unterwegs ist, dauert es etwa zwei bis vier Wochen, sagt Schnitger. Sie selbst schafft vier Teller. Aus Gründen der Personalknappheit musste die 34-Jährige, Absolventin eines Bachelors in Hotelmanagement und eines Masters in Marketing, in ihrem eigenen Betrieb auch servieren.

Sie erzählt von einem Run auf den Gastrobereich in der Vergangenheit: „Vor Corona wollte jeder Gastro machen und die Leute wollten viel feiern.“ Da wurde Personal knapp. Schnitgers Betrieb lag abseits. Da Studenten lieber in der Stadt arbeiten, hatte sie Schüler als Aushilfen, die körperlich oft stark belastet waren. Schnitger spricht vom Personalmangel bei einer Hochzeit, wo alles schnell gehen muss, wo die Teller mit dem heißen Essen zügig raus müssen, wenn der Küchenchef klingelt. „Die Aushilfen klagten, die Teller sind zu schwer und zu heiß“, sagt Schnitger. Ein leerer Teller würde bereits etwa 900 Gramm wiegen, beladen mit Essen in Abhängigkeit von den Speisen sogar bis 1,3 Kilogramm und manchmal sogar mehr. Sie habe Teller im Betrieb gewogen. Sie suchte mit Google nach einer Servierhilfe. Erfolglos.

Das Problem beschäftigt sie auch, nachdem sie die Gastronomie 2019 abgegeben hat. Sie beginnt zu zeichnen. Sie baut einen ersten Prototyp, benutzt Kinderknete, Gips und Bandagen. Etwas grobförmig sieht dieser noch aus, aber es lässt sich bereits erahnen, wo die Reise hingehen soll. Hand und Arm sollen vor Hitze geschützt und die Teller stabilisiert werden. Ein zweiter, später entstandener und eher eckiger Prototyp, ist bereits aus dem 3D-Drucker. Der dritte Prototyp aus Zwei-Komponenten-Kunststoff, hergestellt im Spritzguss-Verfahren, stabilisiert den untersten Teller, in dem dieser in einer Lücke gehalten wird.

Prototyp aus zwei-Komponenten-Kunststoff

Der zweite Teller liegt auf Seitenwänden auf. Zukünftig wird noch ein Schutzstreifen realisiert, der den Daumen vor Hitze schützt. Damit sollen auch Ungelernte sofort die Teller sicher tragen können. So kann Bruch verhindert und Personal gespart werden, sagt Schnitger. Die Angestellten sollen vor der Hitze der Teller geschützt und ihre Gelenke entlastet werden. 39 Euro soll die Servierhilfe kosten und im Frühling, im März oder April, auf den Markt kommen. Für die Vermarktung gründete sie das Unternehmen „My Hands“. Das Produkt soll in Deutschland hergestellt werden. Zunächst will Schnitger  2 000 Exemplare produzieren lassen. „Für die Produktion muss ein Werkzeug angefertigt werden, mit dem sich 10  000 Exemplare produzieren lassen“, sagt Schnitger.

Um bis zu eine Million Exemplare produzieren zu können, sei die Herstellung eines teureren Werkzeugs nötig, die dann vier bis sechs Monate dauere. Das Serienmodell soll für 70 Prozent der Teller passen. Schnitger hat jetzt ein Patent für ihre Idee angemeldet.

Weitere Infos unter

www.my-hands.com

Auch interessant

Kommentare