Wallanlagen: Umweltbetrieb Bremen präsentiert Befragungsergebnisse

Schmuckstück mit Schutzfarbe

Die historische Zollwache am Bischofstor ist für 75.000 Euro grundlegend saniert worden. Ein spezieller Anstrich soll das Haus vor Graffiti-Schmierereien schützen. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Was wird aus den Wallanlagen, wie sollen sie in Zukunft aussehen? Fragen, mit denen sich Bremen gegenwärtig beschäftigt. Unterdessen haben die historischen Grünanlagen ein kleines Schmuckstück zurückbekommen. Tausende von Fußgängern und Radfahrern passieren es Tag für Tag.

Gemeint ist das historische Torhaus am Bischofstor. Etwa ein halbes Jahr lang war die unter Denkmalschutz stehende frühere Zollwache grundlegend saniert worden. „Sorgfältig renoviert, durch Stahlträger verstärkt und schneeweiß gestrichen.“ So fasst ein Sprecher von Immobilien Bremen zusammen, was im und am Torhaus geschehen ist. Inzwischen ist wieder ein Bäcker in die frühere Wache eingezogen.

Anbau samt Fundament abgerissen

„Den Ausschlag für die Baumaßnahme hatte ein kleiner Toilettenanbau auf der Rückseite des Gebäudes gegeben, der in den Wallgraben abzusacken drohte“, heißt es bei Immobilien Bremen weiter. „Das Häuschen musste deshalb mitsamt Fundament abgerissen werden, wobei ein asbesthaltiges Abflussrohr entdeckt und unter Berücksichtigung aller vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen entfernt wurde.“

Anschließend wurde die Toilette in das Torhaus integriert. Bevor diese Arbeiten begannen, stellte ein Statiker fest, dass die Standsicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleistet war. Bei (Alt-)Bauprojekten ist man ja selten vor Überraschungen sicher. So mussten eine Stützkonstruktion aus Stahlträgern eingebaut und eine neue Decke eingezogen werden. Die zwischenzeitlich trockengelegten Wände wurden frisch verputzt, neue elektrische Leitungen und Bodenfliesen verlegt.

Es folgte der Außenanstrich des Hauses. „Danach wurde spezieller Graffitischutz aufgetragen, um das Häuschen künftig vor Graffiti-Schmierereien zu bewahren“, so der Sprecher weiter. „Zudem wurde auf der Rückseite des Gebäudes eine Beleuchtungsanlage installiert, die Sprayer abschrecken soll.“ Die Sanierung hat schließlich insgesamt 75.000 Euro. Die Mittel stammen aus dem Etat für Bauunterhalt bei Immobilien Bremen.

Das Torhaus war anno 1838 nach einem Entwurf von Friedrich Moritz Stamm errichtet worden. Jeder, der durch das Bischofstor in die Stadt gehen wollte, musste in dem Akzise-Einnehmerhaus Wegzoll zahlen. Zehn Jahre später aber wurde die Torsperre aufgehoben. Seit 1848 ist das Häuschen als Laden genutzt worden. Baudirektor Friedrich Moritz Stamm (1794 bis 1843) übrigens baute 1823 auch die beiden Torhäuser am Ostertor. In den Wachen sind heute das Gerhard-Marcks-Haus (bis Oktober wegen eines Umbaus geschlossen) und das Wilhelm-Wagenfeld-Haus (wo demnächst die Säulen saniert werden müssen) untergebracht.

Die Wallanlagen selbst wiederum sind nock älteren Ursprungs – und dienten einst der Verteidigung Bremens. Im 17. Jahrhundert hatte der holländische Festungsbaumeister Johan van Valckenburgh (um 1575 bis 1625) die Pläne für den Ausbau der Bremer Befestigungsanlagen ausgearbeitet. Ein zackenförmiger Wassergraben (mit Bastionen) sollte Bremen vor Angreifern schützen. Erstwar die Neustadt dran, die Altstadt folgte in den Jahren 1660 bis 1664.

Im beginnenden 19. Jahrhundert aber waren die Tage der bremischen Befestigungsanlagen gezählt. Die Zeit der Belagerungen war vorüber. Die Bremer wandelten Valckenburghs zackenförmigen Graben ab 1802 in einen Landschaftsgarten um – so entstanden die Wallanlagen, wie wir sie heute noch kennen. Als Parkanlage und Grüngürtel im Herzen der Stadt.

Kulturangebote und mobile Gastronomie

Und in Zukunft? Sind mehr Erholungsmöglichkeiten gewünscht oder mehr Freizeitspaß? Mehr Kulturangebote? Mehr mobile Gastronomie? Welche Bereiche der Wallanlagen sind beliebt, welche weniger? Dazu hat der Umweltbetrieb Bremen im April eine Expertenrunde sowie Bürger befragt. Gut 300 Passanten haben sich an der Umfrage beteiligt. Im Rahmen eines Workshops sollen die Ergebnisse nun präsentiert werden – am Freitag, 27. Mai, in der Zeit von 16 bis 19 Uhr. Ort des Geschehens ist das Wilhelm-Wagenfeld-Haus (Gewölberäume, Seiteneingang links).

Da die Teilnehmerzahl aufgrund der Raumkapazitäten begrenzt ist, bittet der Umweltbetrieb um Anmeldung bis zum 24. Mai unter Wallanlagenworkshop@ubbremen.de.

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