Schlussplädoyers im Mordprozess: 20-Jährigem drohen achteinhalb Jahre Haft

„Das war ein Overkill“

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Die Staatsanwaltschaft plädierte gestern für Fabian (18, unten links) und Jan (20) auf Mord. Jan soll nach Ansicht des Staatsanwaltes für acht Jahre und sechs Monate in Haft, Fabian in eine psychiatrische Klinik.

Bremen - Von Steffen Koller. „Das haben Sie nicht verdient. Ich bereue es.“ Das waren die letzten Worte, gerichtet an die Eltern von Rolf S. (15), der im Oktober 2014 brutal getötet wurde. Seit April stehen drei Jugendliche wegen gefährlicher Körperverletzung, versuchten Totschlags und Mordes vor dem Landgericht Bremen. Gestern wurden die Schlussplädoyers vorgetragen. Dem Hauptangeklagten Jan G. (20) drohen achteinhalb Jahre Haft.

Es sollte ein ganz normaler Abend werden, doch wenige Stunden später war Rolf tot. Getötet durch 27 Messerstiche in den Hals. Für Staatsanwalt Jan Möhle steht fest, dass die Angeklagten Jan G. (20) und Fabian W. (18) den Schüler umbrachten. Jan habe zugestochen, Fabian habe regungslos danebengestanden. Für den Staatsanwalt heißt das: gemeinschaftlicher Mord. Zur Vorgehensweise sagte Möhle: „Das war ein Overkill, eine Übertötung.“ Er forderte während seines Schlussplädoyers für den Hauptangeklagten Jan G. eine Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten. Fabian soll aufgrund verminderter Schuldfähigkeit in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Sandy B. muss wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung mit zwei Jahren Haft rechnen. Bei allen Angeklagten soll das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen.

Möhle sprach von einem sogenannten „Verdeckungsmord“. Vor den tödlichen Messerstichen hatten die drei Angeklagten Rolf auf einem Sportplatz in Gröpelingen „hinterrücks überfallen“, brutal zusammengeschlagen und ihn bewusstlos liegengelassen, so Möhle. Damit er die Tat nicht zur Anzeige bringen konnte, brachte Jan ihn schließlich um, ist sich der Staatsanwalt sicher. Der 20-jährige Angeklagte gestand vor wenigen Wochen, dass er in seiner Wohnung den Entschluss fasste, Rolf „abzustechen“. Da alle drei Rolf vor dem Mord gegen Kopf und Oberkörper schlugen und traten und blutüberströmt liegenließen, hätten sie bereits zu diesem Zeitpunkt seinen Tod „billigend in Kauf genommen“, so Möhle.

Dem widersprach Sandys Verteidigern Barbara Kopp. Ihrer Einschätzung nach sei Sandy nur wegen gefährlicher Körperverletzung zu verurteilen. Sie habe Rolf nach der Prügelattacke in die stabile Seitenlage gelegt und sei zu keinem Zeitpunkt die treibende Kraft gewesen. Sandy habe eine gute Sozialprognose und sei deshalb in einer Jugendhilfeeinrichtung besser aufgehoben als im Gefängnis.

Fabians Verteidiger Heinrich Theilmann stimmte den Ausführungen des Staatsanwaltes zu. Für Fabian sei aber eine Unterbringung in einer offenen Wohngruppe durchaus denkbar, merkte Theilmann an. Jans Verteidiger Thomas Holle schloss sich dem Antrag „in vollem Umfang“ an. Bereits nach dem Geständnis vor der Haftrichterin kurz nach der Tat sei „nicht mehr viel zu verteidigen gewesen“, so Holle.

Für die Eltern von Rolf, die im Gerichtssaal immer wieder in Tränen ausbrachen, sei besonders schlimm gewesen, dass die Angeklagten nach dem Tod noch auf die Leiche des Schülers traten und spuckten, wie Anwalt Detlef Vetter sagte. Auch der vermeintliche Grund für den Tod des Schülers sei „so nichtig“ gewesen. „Nichts wird mehr so sein, wie es für die Familie meiner Mandanten einmal war.“

Das Urteil soll am Montag gesprochen werden.

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