Gäste fühlen sich unwohl

Corona-Regeln missachtet, Personal bepöbelt: Größere Gruppen sorgen an Schlachte für Unmut

Bremens Bummelmeile, die Schlachte: Für Unmut bei Gastronomen und Besuchern sorgen seit geraumer Zeit größere Gruppen, die sich nicht immer so benehmen, wie es für ein friedliches Miteinander notwendig wäre.
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Bremens Bummelmeile, die Schlachte: Für Unmut bei Gastronomen und Besuchern sorgen seit geraumer Zeit größere Gruppen, die sich nicht immer so benehmen, wie es für ein friedliches Miteinander notwendig wäre.

Bremen – Die Kneipen in Bremen können unter Einschränkungen wieder öffnen. Sonniges Wetter holt die Menschen abends in die Biergärten, auch an Bremens Bummelmeile Schlachte. Für Unmut sorgen aber immer öfter größere Gruppen, die an der Weser und auf Steinstufen neben und unterhalb der Gastronomie Alkohol trinken, Shishas rauchen und teilweise Passanten sowie Bedienungen anpöbeln. Corona-Regeln interessieren dabei häufig nicht.

  • Kneipiers an der Schlachte in Bremen haben wieder geöffnet.
  • Für Unmut sorgen größere Gruppen, die randalieren und Passanten anpöbeln.
  • Tische und Stühle wurden an die Weser verschleppt und einige von der Promenade geworfen.

Personengruppen schleppen Tische und Stühle von der Schlachte an die Weser

Henrike Neuenfeldt, Projektleiterin beim Schlachte-Marketing, sieht die Lage mit Sorge. Sie berichtet von Ansammlungen von Menschen – Masken tragen sie nicht. Neuenfeldt stört sich an undifferenzierten Darstellungen unter anderem in sozialen Medien. Diese erweckten häufig den Anschein, in den Gastronomiebereichen an der Schlachte in Bremen würden die Abstände nicht eingehalten. „Das kann Gäste abschrecken“, sagt sie. „Die Gastronomen erfüllen aber alle Vorgaben. Kein Gastronom will eine zweite Corona-Welle.“ Die Lokalbetreiber würden sogar Salzspender und Speisekarten desinfizieren. Ein Securitydienst passe an der Gastro-Meile auf. Die Straße hingegen sei öffentlicher Raum. „Da haben wir keine Handhabe“, sagt Neuenfeldt. Aufgrund solcher Menschenansammlungen und der Missachtung von Corona-Regeln hat Innensenator Ulrich Mäurer für den Bereich der Schlachte und Hotspots im Viertel bereits ein Außer-Haus-Verkauf von Alkohol ausgerufen.

In der Nacht zum Sonntag vor einer Woche wurden Tische und Stühle an die Weser verschleppt, berichtet ein Gastronom, der anonym bleiben will. Dort hätten sich die Rowdys dann wohl niedergelassen. Einige Stühle und Bänke wurden einfach von der Schlachte auf die Weserpromenade geworfen.

Letzteres traf zum Beispiel das Restaurant „Camarillo“, wie dessen Betreiber Ali Korkmaz berichtet. Er sagt, so etwas habe er in 20 Jahren Betrieb nicht erlebt. Ob seine Versicherung zahlt, weiß er nicht. Er überlege, seine Stühle künftig anzuketten. Auch er erzählt von Gruppen, von bis zu 20 Leuten, oft rauchten sie Shisha.

Ansammlungen in Bremen treten verstärkt seit der Corona-Krise auf - Gäste fühlen sich unwohl

Es seien viele Jugendliche und auch junge Erwachsene bis Mitte 30, eine Klientel, mit der es auch die Bedienungen nicht leicht hätten, wenn etwa in barschem Ton zwei Kaffee bestellt würden. „Die Art, wie bestellt wird, ist unterste Schublade“, sagt Korkmaz. Die Servicekräfte würden angepöbelt, wenn sie nicht schnell bedienten. „Viele Angestellte haben keine Lust mehr, wenn sie von der Seite respektlos angemacht werden.“

Die Menschenansammlungen treten den Beobachtungen nach verstärkt seit der Corona-Krise auf. „Es ist anstrengend, ab 21 oder 22 Uhr ändert sich die Klientel“, sagt Korkmaz. Manche seiner Gäste fühlten sich deshalb unwohl. Wie auch ein anderer Gastronom, vermutet Korkmaz als Auslöser: Die bevorzugten Lokalitäten dieser Gruppen – Shisha-Bars, Spielotheken und Discos – seien geschlossen.

Korkmaz, selbst als Vierjähriger aus der Türkei nach Deutschland gekommen, berichtet, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund darunter seien. Die Gruppen kommen seinen Beobachtungen nach zum Teil aus Bremerhaven, Delmenhorst und Bremen-Nord an die Schlachte.

Bremer Gastronomen sollen Beobachtungen dokumentieren

Auch in Bar „Kangaroo Island“ waren am Sonntagmorgen zwei Stühle nicht mehr an ihrem Platz. Betreiber Soheil Ghofrani nimmt es locker. Viel schlimmer sei, dass im Laufe der Jahre sogar Menschen von der Mauer oben an der Schlachte auf die Promenade gefallen seien. Seine Bar leide weniger unter den Personengruppen. „Zum Glück“, sagt Ghofrani. Er habe gar keine Plätze für Störenfriede. Vielmehr bestünde sein Publikum aus Stammgästen eher ab 50. Er sagt, der Vorfall am Wochenende müsse sich zwischen 4.30 und 8 Uhr ereignet haben. Das wisse er von Mitarbeitern, die noch bis spät in die Nacht vor Ort gewesen seien.

Ein anderer Gastronom berichtet von Treffen mit Ordnungsamt und Polizei. Die Lokalbetreiber sollen ihre Beobachtungen dokumentieren und so ein Lagebild verdichten, berichtet der Wirt, der namentlich nicht genannt werden möchte. Aus zwei weiteren Quellen ist von Überlegungen zu hören, den auffälligen Gruppen alternative Ausweichplätze anzubieten. Das wird allerdings vom Innenressort auf Anfrage nicht bestätigt, wohl aber die Gespräche von Anrainern und Interessenvertretern der Schlachte mit Polizei und Ordnungsamt.

Polizei zeigt verstärkt Präsenz an der Schlachte

Um das Sicherheitsgefühl an der Schlachte zu stärken, habe die Polizei eine Reihe von Maßnahmen veranlasst, darunter uniformierte und zivile Präsenz- und Aufklärungsmaßnahmen, Personenkontrollen, Platzverweise und den Einsatz von Kontaktpolizisten, heißt es aus dem Innenressort.

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