Serie: „Bremer Frauen-Geschichten”

Margaretha Meinders: Heldin auf hoher See

Bremen - Von Nina Seegers. Als am 9. Juni 1890 kurz vor Australien endlich Land in Sicht ist, muss Margaretha Meinders (1864 bis 1935) überglücklich, unbeschreibbar erleichtert und am Ende ihrer Kräfte sein. Der Schiffsretterin ist die heutige Folge unserer Serie „Bremer Frauen-Geschichten” gewidmet.

Nahezu im Alleingang bringt die damals 25-Jährige den Dreimastschoner „Johanna” von Mauritius nach Australien über den Indischen Ozean und rettet damit sich selbst, ihrer kleinen Tochter sowie einem Teil der Schiffs-crew das Leben. Rund zwei Monate hat die Schifffahrt gedauert, zwei Monate, die im Zeichen von schlimmen Unwettern, Krankheit und Tod standen.

Von Anfang an: Die 19-jährige Schmiedemeister-Tochter Margaretha Plock aus Papenburg heiratet 1883 den Kapitän Hermann Meinders, der bereits seit einigen Jahren mit seinem Segelschiff auf den großen Meeren dieser Welt unterwegs ist. Nach der Hochzeit begleitet sie ihren Mann und bringt den gemeinsamen Sohn noch im gleichen Jahr zur Welt. 1897 wird die gemeinsame Tochter geboren. Die Kinder sind bis zur ihrer Schulpflicht mit an Bord des ostfriesischen Schoners.

In der Papenburger Stadtchronik von 1913 heißt es: „Von jeher war es Sitte der Papenburger, daß Kapitäns-Frauen soviel wie möglich die Gefahren des Seelebens mit ihren Männern teilten.” So ist es in jener Zeit zwar üblich, dass Frauen mitfahren, nicht aber seemännische Aufgaben übernehmen. Die junge Margaretha setzt sich über Hierarchien und Geschlechterverhältnisse hinweg und eignet sich im Laufe der Zeit alles an, was die männlichen Kollegen auch können.

„Johanna” segelt lange ohne Zwischenfälle

Über viele Jahre segelt die „Johanna” ohne größere Zwischenfälle über die großen Ozeane bis zum Jahr 1890, als der Schoner mehr als 1000  Säcke Zucker von Port Louis, Mauritius, nach Melbourne in Australien bringen soll. Das Schiff ist erst wenige Tage unterwegs, da erkranken schon die ersten Mitglieder der achtköpfigen Schiffscrew an einer Art Gelbfieber. Einige sterben an der Krankheit, die übrigen sind so geschwächt, dass sie ihren Aufgaben, wenn überhaupt, nur notdürftig nachgehen können. Margaretha Meinders und die dreijährige Tochter sind die beiden Einzigen, die während der gesamten Fahrt gesund bleiben.

Das Schicksal aller liegt somit in den Händen der jungen Kapitänsfrau, die nur vom Steuermann ein wenig Unterstützung bekommt. Viele Wochen und etliche schlimme Unwetter später kann die „Johanna” zehn Meilen vor Fremantle, Australien, ankern. Wie Dokumente der australischen Hafenbehörden zeigen, ist es Margaretha Meinders, die vor der Küste die Flaggensignale gibt. Alle Kranken werden daraufhin sofort zur nächsten Quarantäne-Station gebracht. Kapitän Meinders stirbt trotzdem wenige Wochen später an den Folgen des Fiebers.

In Melbourne angekommen, wird die Witwe Meinders als Seeheldin gefeiert und erhält von der Versicherung des Schiffes eine Gratifikation sowie eine goldene Uhr. Mit dem Postdampfer „Nürnberg“ des Norddeutschen Lloyd reist sie mit ihrer Tochter nach Deutschland zurück. Später zieht sie nach Bremen, wo sie im Alter von 70 Jahren 1935 stirbt.

Ihr Grab auf dem Riensberger Friedhof wird seit 2010 als Kulturdenkmal von der Stadt Bremen erhalten. In Papenburg erinnern bis heute die Margaretha-Meinders-Straße und ein Denkmal an den Einsatz der tapferen Kapitänsfrau.

Rubriklistenbild: © epd

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