Spielerischer Blick zurück

Schifffahrtsmuseum inszeniert Geschichte der Bremer Hansekogge mit Playmobil

Der Künstler und Playmobil-Sammler Oliver Schaffer hat im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven mit Spielzeugfiguren Szenen aus der Geschichte der Hanse-Kogge gestaltet. Die Ausstellung ist ab Freitag zu sehen.
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Der Künstler und Playmobil-Sammler Oliver Schaffer hat im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven mit Spielzeugfiguren Szenen aus der Geschichte der Hanse-Kogge gestaltet. Die Ausstellung ist ab Freitag zu sehen.

Bremerhaven – Unter dem Motto „Kogge trifft Playmobil“ setzt der Hamburger Sammler Oliver Schaffer den einst spektakulären Fund des am besten erhaltenen Schiffs des Mittelalters in Szene. Und zwar historisch korrekt, versprechen die Ausstellungsmacher.

Tief im Schlamm der Weser in Bremen steckt das Wrack einer Hanse-Kogge, das Taucher mit schwerer Ausrüstung zu bergen versuchen. Die Szene, mit Playmobil-Figuren gestaltet, gehört zu einer Sonderausstellung, mit der das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven neue Wege geht. Erstmals erzählt das Haus mit Spielzeug-Dioramen die Geschichte der Kogge, die 1962 zufällig bei Bauarbeiten im Schlick der Weser von Rablinghausen gefunden wurde. Die Entdeckung war spektakulär, handelt es sich dabei doch bis heute um das am besten erhaltene Schiff des Mittelalters.

Nun gestaltet der Hamburger Künstler und Playmobil-Sammler Oliver Schaffer (41) die Schau in der Koggen-Halle des Museums, die ab Freitag, zu sehen ist und unter den üblichen Hygiene- und Abstandsregeln bis zum 25. Oktober läuft. Besucher können dann vergleichen zwischen den Spielszenen und dem Originalwrack aus dem Jahr 1380 als beeindruckende Kulisse. „Wir stellen alles historisch korrekt nach, ein bisher einzigartiges Projekt“, erl��utert Schaffer, der eigenen Angaben zufolge mit mehr als 100.000 Figuren und gut 1.000.000 Einzelteilen über die größte Playmobil-Schausammlung der Welt verfügt.

Viele Geschichten zur Bremer Hansekogge

„Anhand der Bremer Kogge lassen sich viele Geschichten erzählen, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene spannend sind“, davon ist Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner überzeugt. So sind unter Schaffers Händen Szenen entstanden etwa zum Wrackfund in der Weser, zur Restaurierung der Kogge und zu einem mittelalterlichen Hafen. Insgesamt hat er etwa 50.000 Einzelteile verbaut, erläutert der gebürtige Kieler, der als Dreijähriger erstmals eine Playmobil-Figur in der Hand gehabt hat. Mittlerweile hortet er seinen Fundus in rund 500 Kisten und hat dafür extra ein Lager angemietet. Begleitend soll die Ausstellung auch im Internet zu erleben sein: Online will das Museum mithilfe von 360-Grad-Ansichten die Möglichkeit eröffnen, die Schaulandschaften aus der Perspektive einer Playmobilfigur wie etwa eines Kaufmanns, eines Tauchers oder einer Seeräuberin zu entdecken.

Bei den Inszenierungen beweist Schaffer Sinn für Details, wenn er etwa am Wasser einen Biber drapiert und durch den Wald, aus dem das Bauholz für die Kogge gewonnen wird, Fuchs und Damwild streifen lässt. „Er hat wohlüberlegte Kleinigkeiten eingebaut, die das Auge fesseln“, freut sich Kuratorin Helga Berendsen (52).

Mit „Zirkus Oliver“ fing alles an

Und falls im Playmobil-Sortiment zur Darstellung einer Szene etwas fehlen sollte, weiß sich Schaffer zu helfen. So baut er ein Piratenschiff aus der Spielzeug-Kollektion zur Kogge um, denn einen großen Einmaster gibt es bei Playmobil nicht.

Begonnen hatte bei ihm alles mit einem Zirkus aus Playmobil-Figuren, mit dem er als Knirps begeistert spielte und den er „Zirkus Oliver“ nannte. Als Teenager verlor er zwischenzeitlich den Spaß an den Figuren, der aber wieder aufflammte, als Playmobil bei ihm anrief und zum Firmengeburtstag Sammlungen wie die von Schaffer zeigen wollte.

Glück in der Corona-Krise

Mittlerweile hat er schon Dutzende von Ausstellungen gestaltet, in Bremerhaven hat er die 43. Schau aufgebaut. Selbst in der Corona-Krise hat er Glück im Unglück – seine Ausstellungen sollen alle laufen, wenngleich manchmal mit neuem Termin.

Kuratorin Berendsen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Schifffahrtsmuseum, sieht in dem Projekt die Chance, die Geschichte der Kogge aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen: „Figuren wie der Hansekaufmann laden dazu ein, sich in die Entstehungsgeschichte der Kogge hineinzuversetzen und ermöglichen so einen neuen Zugang zu spannenden Details aus der Forschung rund um das Schiff.“ (epd)Von Dieter Sell

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