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Schiffe gucken: Zehntausende von Besuchern beim Hafenfest in Vegesack

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Von: Martin Kowalewski

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Herrliches Wetter lockte Zehntausende von Besuchern zum Hafengeburtstag nach Vegesack. Der 1622 in Betrieb genommene Vegesacker Hafen gilt als erster künstlicher Hafen in Deutschland.
Herrliches Wetter lockte Zehntausende von Besuchern zum Hafengeburtstag nach Vegesack. Der 1622 in Betrieb genommene Vegesacker Hafen gilt als erster künstlicher Hafen in Deutschland. © Kowalewski

Der Vegesacker Hafen gilt als erster künstlicher Hafen in Deutschland und wurde vor 400 Jahren in Betrieb genommen. Das hat Vegesack nun mit einem Hafenfest gefeiert. Dazu kamen von Freitag bis Sonntag Zehntausende von Besuchern.

Bremen – Ein wahres Prachtwetter, wie gemacht für das dreitägige Festwochenende zum 400-jährigen Bestehen des Vegesacker Hafens. Lange Schlangen an den Buden, Menschen über Menschen auf den Flaniermeilen, Kinder hüpfen an Seilen auf den Bungee-Trampolins. Und natürlich sind viele Schiffe zu bestaunen, sie laden auch zu Rundfahrten ein.

Eine Fahrt auf der Weser in Vegesack mit der „BV 2 Bremen“. Kapitän André Hübner steht nahe einem großen Kompass.
Eine Fahrt auf der Weser in Vegesack mit der „BV 2 Bremen“. Kapitän André Hübner steht nahe einem großen Kompass. © Kowalewski

So etwa auf dem Heringslogger „BV 2 Bremen“, Flaggschiff des Vereins MTV Nautilus. Von der Signalstation geht es weserabwärts. Ein laues Lüftchen weht. Das Schiff ist 127 Jahre alt, sagt Kapitän André Hübner. Früher unternahm das Schiff Fahrten mit zwölf bis 14 Mann Besatzung vor der Küste Schottlands. Die gefangenen Heringe kamen ausgenommen und eingesalzen in Fässer, erzählt der Kapitän. Vor dem Steuerrad steht ein großer Kompass. Die Fahrt geht an der „Regina“ an Land vorbei. Von dort ist ein dreifaches Hupen zu hören. Kapitän Hübner hupt zurück.

Hafenfest in Vegesack: Chirurgin am Steuerrad

Vorbei an der Lürssen-Werft. Ein Schwimmkran überholt den Logger etwas später. Ein zweifaches Hupen als Signal, dann beginnt das Wendemanöver. Am großen Steuerrad Dr. Vera Stock (45) aus Hannover, von Beruf Chirurgin. Ihr gefällt es, bei ihrem Hobby viele interessante Menschen kennenzulernen und an Bord auch handwerklich mit anzupacken.

Der Ortsverband Vegesack des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) hat im Nautilus-Haus Quartier bezogen und bietet Kindern ein kleines Funkspiel an. Moritz (10) aus Lesum versucht sich an einem Handfunkgerät. Der Vorstandsvorsitzende des Ortsvereins, Jens Knorr (61), erklärt ihm kurz das Gerät, sagt ihm, wie er sich melden soll: „Hier ist das Nautilus-Haus. Wer kann mich hören?“ Der Junge funkt sogleich erfolgreich. Die prompte Rückmeldung: „Hallo, hier ist die Signalstation!“

Knorr setzt einen Funkspruch über eine vom Verein betriebene Relaisstation in der Fußgängerzone ab. Über diese sind weltweite Gespräche möglich. Eine Antwort kommt aus Dreierwalde westlich von Osnabrück – von Lkw-Fahrer Klaus.

Maritime Pracht im Wasser und jede Menge los an Land – so lässt sich Hafengeburtstag in Vegesack feiern. Zehntausende von Besuchern feierten mit.
Maritime Pracht im Wasser und jede Menge los an Land – so lässt sich Hafengeburtstag in Vegesack feiern. Zehntausende von Besuchern feierten mit. © Kowalewski

Auf dem Seenotrettungskreuzer „Bremen“ ist es eng. Familien besuchen das Schiff. Kinder wollen ans Steuerrad im unteren Fahrstand. Ebenso spannend für Besucher ist der hohe Turm, ebenfalls mit einem Fahrstand. Von dort kann man in Wellentäler gucken, erklärt Horst Saade, Rentner und ehrenamtlicher Mitarbeiter bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die ihren Sitz in Bremen hat. Mit dem Schiff wurden 500 Menschen vor dem Ertrinken gerettet, erzählt er. Das Schiff, Baujahr 1931, hieß zunächst „Konsul Kleyenstüber“. Ein Umbau 1953 machte es zum Versuchskreuzer „Bremen“, Vorläufer der modernen Seenotrettungskreuzer. Es wurde ein Schiff mit der Fähigkeit zum Durchkentern und zum Selbstaufrichten gebraucht. Für flache Gewässer war ein Tochterboot zuständig. Das ist nicht mehr an Bord. Bis 1965 fanden auf dem Schiff Erprobungen statt. Danach war es Schlepper auf der Weser, wechselte 1972 in Privatbesitz und wurde zu einer Yacht umgebaut, wie Saade erzählt. Jetzt ist das Schiff im Besitz des Hafenmuseums und soll wieder in den Ursprungszustand versetzt werden.

Bremen-Vegesack: Hochbetrieb rund um den Hafen

Es herrscht bis in den späten Abend Hochbetrieb rund um den Hafen, Musik gibt"s auch. Fritz Rapp aus dem Organisationsteam schätzt am Sonntagvormitag die Besucherzahl für die drei Tage auf mindestens 30 000, es dürften durchaus einige tausend mehr gewesen sein.

Der 1622 in Betrieb genommene Vegesacker Hafen gilt als erster künstlicher Hafen in Deutschland. Historiker Ulrich Weidinger, Autor des Buches „Der Vegesacker Hafen von 1622“, bestreitet das. Tönning (Schleswig-Holstein) sei ein paar Jahre älter, meint er. Den Besuchern den Hafenfestes ist das egal. Sie haben bei dem herrlichen Wetter ihren Spaß.

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