Das Schiff kann kommen

Abgehängt: Historische Modell-Fregatte macht Platz für die „Cui bono“

Rathaus-Hausmeister Alexey Hübscher (r.) und Holzrestaurator Manfred Hübner hängten am Dienstag in der Oberen Rathaushalle das rund 250 Kilo schwere historische Modellschiff einer Fregatte aus dem 17. Jahrhundert ab. - Foto: Senatspressestelle

Bremen - Es ist satte 250 Kilo schwer und hängt seit Jahrzehnten im Rathaus: das historische Modellschiff einer Fregatte aus dem 17. Jahrhundert. Am Dienstag wurde es abgehängt, es macht Platz für die „Cui bono“.

Alexey Hübscher, Hausmeister im Rathaus, und Holzrestaurator Manfred Hübner waren mit Unterstützung am Werk. Sie hängten das vermutlich älteste der vier historischen Schiffsmodelle (entstanden um 1600) in einer aufwendigen Aktion ab. Damit ist nun Platz für die Installation des Künstlers Hew Locke an der Decke der historischen Halle anlässlich der Ausstellung „Der blinde Fleck. Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit“ in der Kunsthalle. Im Rahmen der Ausstellung (5. August bis 19. November) wird Locke ein neues Schiff, die „Cui Bono“, an diese Stelle hängen. Es ist das größte Modellschiff, das er je gebaut hat, wie es heißt.

Locke hatte sich bei seinem Besuch in Bremen im November 2016 von der mehr als 600 Jahre alten Architektur der Oberen Rathaushalle und insbesondere von den historischen Schiffsmodellen und Heinrich Vogelers Gestaltung der Güldenkammer inspirieren lassen. Diese Details und die Ornamente des Jugendstils zitiert er in seiner Installation. Wie die historischen Gegenstücke, sogenannte Orlog- oder Kriegsschiffe, die im Mittelalter die hanseatische Flotte begleiteten, verweist auch Lockes Schiff auf die Reichtümer, die der maritime Handel der Bremer Kaufmannschaft ermöglichte, sagte eine Sprecherin der Kunsthalle.

Der Staub war gar nicht mal so dick

Der lateinische Name „Cui Bono“ bedeutet so viel wie „Wem nützt es“ oder „Wem zum Vorteil?“ und gibt Hinweise auf eigentliche Motive und Handelnde in einem Geschehen, so Sprecherin Jasmin Mickein weiter. Diese Thematik wird die neue Ausstellung der Kunsthalle aufnehmen. Mickein: „Erstmals untersucht damit ein deutsches Kunstmuseum seine Geschichte auf die Spuren der Kolonialzeit und die Verflechtungen von Handelsgeschichte, Mäzenatentum und Sammlungsgeschichte.“ Die abgehängte Fregatte hängt laut den Unterlagen der Rathausverwaltung seit April 1876 in der Oberen Rathaushalle. Der Staub war gar nicht mal so dick, wie der eine oder andere befürchtet hatte, denn das Modell wird alle paar Jahre gereinigt. Es steht jetzt hinter Plexiglas und ist in der Oberen Rathaushalle ab 4. August aus einer ganz unüblichen Perspektive zu besichtigen. Einige Rathausbesucher staunten am Dienstag bereits. Anfang August wird der in London lebende Künstler sein großes Schiff „Cui bono“ aufbauen. Gebracht wird es in Einzelteilen, Locke wird es dann im Rathaus zusammensetzen. Beide Modelle sind während der Kunsthallen-Ausstellung bei den Rathausführungen der Bremer Touristik-Zentrale zu sehen. Julia Binter, Kuratorin der Ausstellung, schoss beim Abhängen des Orlogschiffes für Locke einige Fotos als Orientierung für die Hängung der „Cui bono“. Wer schon mal einen Blick auf das Werk werfen möchte, findet es auf der Facebook-Seite des Künstlers. 

 gn

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