Nächtliche Gleiserneuerung in Sebaldsbrück

Der Schienenkneifer kommt

Nächtlicher Einsatz – ein Bagger transportiert ein abgekniffenes Stück Schiene ab. Foto: KOWALEWSKI

Bremen - Von Martin Kowalewski. Die Funken fliegen, sind gut zu sehen in der Dunkelheit. Ein Mann mit einem Trennjäger macht einen glatten Schnitt durch Straßenbahnschienen. Hier sollen neuen Schienen ans bestehende Netz angefügt werden.

Danach wird es grober: Ein Bagger rollt an. Auf seinem Arm ist der Schienenkneifer montiert. Nach der Komplettsperrung des Gleisabschnitts der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) in der Sebaldsbrücker Heerstraße geht es am späten Abend ziemlich schnell zur Sache.

Das erste von zwei „Power-Wochenenden“ beginnt. Mehr als 30 Arbeiter müssen in den Nächten ran. Es wird durchgearbeitet, denn der Verkehr soll durch die Arbeiten nicht länger als nötig aufgehalten werden.

Der Schienenkneifer, erst seit einem Jahr in Bremen im Einsatz, packt zu – Schiene für Schiene und alle fünf Meter. Immer wieder ist ein lautes Knacken zu hören. Der Kneifer trennt das schwere Metall durch. Dabei muss er die Schienen aber immer wieder anheben.

Er rüttelt etwas, spätestens dann ist die Trennung vollendet. Viele Meter Schiene des unbearbeiteten Rests klatschen auf die Erde. Schlamm spritzt meterweit.

Mit 380 Bar Kraft drückt die Hydraulik die Zange zu, erklärt Polier Martin Ridders (64). Man spare so auf den mehr als 200 Metern Strecke zwei Stunden gegenüber der Handarbeit mit dem Trennjäger oder Brenner. „Wir knacken damit auch Eisenbahnschienen. Die Straßenbahnschienen sind etwas schwieriger zu knacken, weil sie weicher sind“, sagt Ridders.

Peter Hartmann (56) vom Fachbereich Gleisbau der BSAG hat gerade seine Nachtschicht begonnen. Er erklärt, warum die Arbeiten jetzt nötig sind. „Neue Schienen haben eine Rillentiefe von 44 Millimetern“, sagt er. „Wenn die Schienen auf 23 Millimeter abgefahren sind, ist es Zeit, sie auszuwechseln.“

Das sei im gesperrten Streckenabschnitt der Fall. Die Bahnen würden zwar nicht entgleisen, aber über die Zeit würden Schienenschäden auftreten, die einen weiteren Betrieb dann unmöglich machen. Doch es gibt einen weiteren Grund für den Wechsel: Die alten Gleise sind zu schmal für neuere Straßenbahnen. Es gebe bereits Fahrzeuge für breitere Schienen, 77 neue sollen in den kommenden zwei Jahren kommen, so Hartmann.

Die neuen Schienen liegen schon neben der Strecke in 15-Meter-Einheiten bereit. Sie sollen ab dem nächsten Morgen ausgelegt werden. Bei der Maßnahme werden auch die Betontrageplatten, auf denen die Gleise per Bolzen befestigt sind, sowie ein Kunststoffbett und Schichten aus Beton und Asphalt darüber erneuert.

Auch neue Rohre werden verlegt, die alle 30 Meter Regenwasser aus kleinen Schlitzen in den Schienen zum Straßenkanal abfließen lassen. Am 11. November wird die Baustelle dann ausgedehnt. Ein zweites „Power-Wochenende“ ist vom 15. bis 17. November geplant. Dann ist eine vergleichbare Strecke mit der Erneuerung dran.

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