PISA: Bremen wieder Schlusslicht / Abstand zwischen guten und schwachen Schülern ist eklatant

PISA: Bremen wieder Schlusslicht

Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (r.) und ihre Sprecherin Karla Götz.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke· Bremen bleibt Schlusslicht bei der neuen PISA-Studie, das sickerte bereits am Vortag durch. Und besonders auffällig ist, dass die schwachen Bremer Neuntklässler fast überall noch schlechter als in allen anderen Bundesländern sind. Eklatant ist im Land Bremen der Abstand zwischen guten und schwachen Schülern.

Fazit von Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD): Die Schere zwischen guten und schlechten Schülern öffnet sich immer weiter. Sie stellte gestern die Bremer Ergebnisse vor. Während die guten Schüler in etwa mit den guten der anderen Länder mithalten können, hinken die schwachen Bremer Kids zum Teil ein bis zwei Jahre hinter Spitzenreiter Bayern hinterher.

Getestet wurden im Frühjahr 2009 1 500 Neuntklässler aus 43 Schulen in Bremen und elf Schulen in Bremerhaven. Diesmal ging es um Deutsch (Lesen, Zuhören, Orthographie) und Englisch (Lese- und Hörverstehen). Vergleichbar mit früheren PISA-Tests seien die Ergebnisse nicht, so Jürgens-Pieper, da auf andere Kriterien Wert gelegt wurde. Die Senatorin bemühte sich redlich, Lichtblicke aufzuzeigen, doch die sind rar gesät. Einer ist, dass die guten Schüler auch im Bundesschnitt gut abschneiden.

Laut Jürgens-Pieper seien die getesteten Schüler nicht in den Genuss der ersten

PISA-Folgemaßnahmen gekommen. Die Auswirkungen zeigten sich erst in den nächsten Jahren. Sie zeigte auf, dass Bremen als Zwei-Städte-Staat die schwierigsten Risikolagen aller Länder hat, „sogar schlechter als Berlin“. Letzter Platz bei den bildungsfernen Haushalten, letzter Platz bei der Erwerbslosigkeit der Eltern, Platz zwölf beim Armutsrisiko – das macht nachdenklich. Zehn Prozent der Schüler seien von allen drei Risikolagen betroffen. Jürgens-Pieper nennt das „Kompositionseffekte“. Auch wenn die Senatorin dies ungern sagt und eher etwas herunterspielt, so gehen diese Risikolagen oft mit Migrationshintergrund einher.

Nimmt man nur die Angaben der Schüler (die selbst die Senatorin für viel zu niedrig hält), so haben 27 Prozent in Bremen einen Migrationshintergrund. Jürgens-Pieper sieht ihn eher bei 50 Prozent, in den Grundschulen darüber – bis zu 90 Prozent. In Bayern nannten 16 Prozent einen Migrationshintergrund. Um Bremens Perspektiven zu verbessern, will sie den eingeschlagenen Weg mit verändertem Unterricht, Lehrerfortbildungen, verbindlicher Sprachförderung und einem weniger stark gegliederten Schulsystem konsequent fortsetzen. Und neue Förderkonzepte für Migranten plant sie auch. Dabei sollen Lehrer mit Migrationshintergrund eine große Rolle spielen. „Das Bildungssystem ist ein großer, schwerer Tanker. Ihn umzusteuern, ist nicht so leicht“, resümierte Jürgens-Pieper später.

Im PISA-Test befindet sich Bremen immer in der unteren Gruppe, immer unter dem Mittelwert. Ein kleiner Lichtblick ist das englische Hörverstehen: Da schaffen es die Neuntklässler auf Platz zehn. Warum? Da mag die Senatorin nur spekulieren, ob es an den vielen englischen Begriffen im Internet und im Fernsehen liegt. Die Ost-Länder tun sich, das zeigt die Studie, mit der Umstellung von Russisch auf Englisch immer noch schwer.

Erschreckend sind die Ergebnisse bei den Kompetenzstufen: Mehr als 14 Prozent der getesteten Jugendlichen schaffen nicht den Mindeststandard beim Lesen.

Die SPD-Fraktion bekräftigte in ihrer Reaktion, wie wichtig die finanzielle Absicherung der Schulreform sei. Die Grünen sagten, angesichts der sozialen Probleme sei die verstärkte Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe das Gebot der Stunde. Die CDU prangerte die „über Jahrzehnte verfehlte Schulpolitik der SPD“ an und forderte, die Bildungskompetenz auf den Bund zu übertragen. Der Zentralelternbeirat sprach das Leistungsproblem an, das insbesondere Schüler mit Migrationshintergrund und aus sozial schwierigen Lebensverhältnissen hätten. Hier müssten verstärkt Maßnahmen ergriffen werden.

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