„Mein Kunst-Stück“ mit Ingrid Kemnade und ihrem Bild „Brücken bauen“

Der Schein der Schichten

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„Alles auf diesem Bild hat eine Verknüpfung zu meinen anderen Bildern“, sagt die Bremer Künstlerin Ingrid Kemnade. In unserer Serie präsentiert sie ihr Werk „Brücken bauen“.

Bremen - Von lka Langkowski. „Brücken bauen“ heißt Ingrid Kemnades Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. In ihm finden sich jene Merkmale, auf die die Künstlerin in ihrer Malerei besonderen Wert legt.

„Alles auf diesem Bild hat eine Verknüpfung zu meinen anderen Bildern“, erzählt Ingrid Kemnade. Es gebe in ihren Arbeiten Aspekte, die ihr besonders wichtig seien. Dazu zählten neben dem Thema Farbflächen, Linien und die Vielschichtigkeit der Farbaufträge. Für die Künstlerin ist es wichtig, all dies in Beziehung zueinander zu bringen. „Wenn ich die Anordnung einer Linie zu einem Farbfeld verändere, dann verschiebe ich auch dessen Aussage“, sagt sie.

Um lebendige Farbflächen zu erhalten, nutzt die Künstlerin mehrere Schichten. „Ein weißes Bild beginne ich mit einer ersten Farbschicht in Schwarz“, sagt sie. Die übermalten Schichten würden mehr oder weniger durchscheinen und seien somit doch sichtbar. Wenn man genau hinschaut, zeigt sich deswegen in manchen abstrakten Bildern Kemnades auch Gegenständliches. Linien setzt die Künstlerin häufig im Voraus, um sie anschließend teilweise zu übermalen oder aufzulösen. Oder sie zieht die Linien später mit Acryl, Stift und Kohle auf die Farbflächen.

Das Thema bestimmt die eingesetzten Techniken. In Kemnades Serie „Weiße Bilder“ finden sich alte Textilien auf der Leinwand: Taschentücher, Gardinen und Schürzenteile. Beim Übermalen verbinden sich Farbe und Stoffe. Es entsteht eine eigene Struktur. Gleichzeitig arbeitet die Bremerin auf diese Weise ihre Erinnerungen in das Kunstwerk ein.

Auf die Kunst ist Kemnade kurz vor ihrer Pensionierung aus dem Wissenschaftsbereich gekommen. Als sie bereits überlegte, wie sie ihren Ruhestand gestalten könnte, brachte eine Krankheit sie in ersten Kontakt mit der Malerei. Es folgte die Einladung einer Künstlerin, an deren Malgruppe teilzunehmen. Kemnade begann zusätzlich ein Studium an der Bremer Hochschule für Künste, wo sie die Malerei mit „allem Drum und Dran“ erlernte. Sie suchte sich ein Atelier, besuchte Kurse und Akademien. Heute arbeitet sie, wann es ihr passt. „Aber immer zu Musik von Erik Satie“, ergänzt sie.

Die eigentliche Herausforderung in der Kunst seien die Bilder selbst. „Es ist auch manchmal Kampf. Dann schrubbe ich die Bilder wieder ab, wenn sie mir nicht gelingen.“ Für Kemnade war immer klar, dass sie ein fertiges Projekt auch ausstellen möchte. Eine weitere Herausforderung bestehe darin, alles, was zu einer Ausstellung gehört, professionell umzusetzen. Dazu zählten unter anderem Einladungen, Kataloge, Werbung und ein gutes Rahmenprogramm für die Vernissage. „Und dann möchte ich erreichen, dass wenigstens ein Bild ein bisschen länger angeguckt wird. So, als würde man mit den Augen eine Ameise verfolgen, die über das Bild wandert.“

Ob wir Kunst brauchen? – „Ja, als Gegengewicht und Ergänzung zu Dingen wie Politik und Wirtschaft. Kunst hat Leichtigkeit und kann doch kritisch sein. Sie kann Dinge zusammenführen und Brücken bauen.“

Zu den Künstlern, die für Kemnade besonders bedeutend sind, zählen der deutsche Maler Emil Schumacher (1912 bis 1999) und der amerikanische abstrakte Expressionist Mark Rothko (1903 bis 1970). Schumacher brachte der Bremerin mit seinen kräftigen Linien, durch die er Farbfelder abgrenzte, die Bedeutung der Linie nahe. Rothko hingegen vermittelte ihr durch seine Farbfelder, dass Weiß nicht weiß, und Rot nicht rot ist.

Wenn Kemnade jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines an den Münchner Professor Karlheinz Geißler, einen Experten für Zeitfragen und Muße. „Ich schätze ihn sehr und würde ihm ein Bild aus meiner Serie ‚Zeit‘ als Dank zukommen lassen.“

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