Mandeln im Vorübergehen

Jahrmarktsbuden gegen die Pleite: Schausteller wollen in die Bremer Innenstadt

Schon beim Tombola-Abbau guckten sich Schaustellervertreter nach möglichen City-Standplätzen um. Rechts: Wolfgang Ahrens.
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Schon beim Tombola-Abbau guckten sich Schaustellervertreter nach möglichen City-Standplätzen um. Rechts: Wolfgang Ahrens.
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Die Lage der Schausteller ist ernst. „Sie werden nicht alle überleben“, sagt Wolfgang Ahrens, Geschäftsführer des Schaustellerverbands. Bis zum 31. August gibt es wegen Corona keine Veranstaltungen. So kam die Idee auf, mit 22 Verkaufsgeschäften in die Innenstadt zu gehen, um typische Jahrmarktswaren anzubieten: Eis, Gebäck, Fischbrötchen. Gespräche dazu laufen.

„Wir begrüßen es, wenn neue, innovative Ideen geboren werden, um das Stadtzentrum zu bereichern“, sagt Karsten Nowak (52), Geschäftsführer des Bereichs Einzelhandel bei der Handelskammer. „Wir sind dabei, nach einer Reihe geeigneter Aufstellungsorte zu suchen. Wir müssen gucken, wie fühlt es sich für alle Beteiligten an. Es muss dem Kunden gefallen, sich im Vorbeigehen zum Beispiel ein paar Mandeln kaufen zu können.“

Dabei dürfe der bereits bestehende Handel nicht gefährdet werden. Auch diese Händler seien von Corona gebeutelt. Nowak: „Es soll eine Bereicherung sein. Es soll kein zusätzlicher Wettbewerb entstehen.“

Eine ähnliche Sicht vertritt auch die City-Initiative. „Solange zusätzliche Attraktivität geschaffen wird, sind wir für alles offen“, sagt Geschäftsführerin Carolin Reuther (40). Auch sie will Konkurrenz vermeiden und verweist unter anderem auf die hohen Mieten, die der stationäre Handel zahlt. Eine dauerhafte Einrichtung eines zusätzlichen Angebots durch die Schausteller lehnt sie ab.

Keine Orte für Menschenmengen in Corona-Pandemie

Die Corona-Maßnahmen schaffen auch bei diesem Projekt Einschränkungen. „Wir wollen keine Orte schaffen, wo große Menschenmengen hinströmen. Es darf kein zusammenhängender Marktcharakter entstehen.“ Nowak kann sich zum Beispiel zwei oder drei Buden auf dem hinteren Teil des Domshofs vorstellen. Er vermutet, dass zeitnah vielleicht ein erster Versuch mit zehn bis zwölf Ständen – verteilt über die ganze Altstadt bis hin zum Bahnhof – kommt.

Nowak nennt einen weiteren Aspekt: „Wir können davon ausgehen, dass viele im Inland Urlaub machen oder Daheim bleiben. Der Besuch der eigenen Stadt kann eine neue Qualität kriegen.“

Nicht für alle Schausteller ist die Innenstadt eine Lösung. Ahrens spricht von Karussellbesitzern, deren Hallenmietverhältnis Ende März ausgelaufen ist und die nun keine Halle mehr haben. Solche Karussells füllen schnell mal mehrere Schwertransporter. „Die Kosten laufen weiter“, sagt Ahrens.

Schausteller haben Bremer Freimarkt noch nicht aufgegeben

Die Hoffnung richtet sich auf die Zeit nach dem Verbot großer Veranstaltungen. Die Schausteller haben den Freimarkt noch nicht aufgegeben. „Wir werden uns nach dem 31. August mit den Behörden zusammensetzen“, sagt Ahrens. „Auch der Oldenburger Kramermarkt ist nicht abgesagt.“ Die Absage des Oktoberfests beunruhigt ihn nicht. Der Grund dafür sei, dass das Oktoberfest inzwischen von vielen Trinkzelten mit entsprechend engem Begegnungsraum dominiert werde – eine andere Lage als etwa in Bremen.

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