„Mein Kunst-Stück“ mit Ute Seifert: „Stille Wasser“

Schatten und Tropfen

Ute Seifert mit ihrer Installation „Stille Wasser”. - Foto: Langkowski

Bremen - „Stille Wasser“ heißt die zweiteilige Installation, die Ute Seifert in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das Werk, zu sehen in der „Galerie im Park“ auf dem Gelände des Klinikumns Bremen-Ost, produziert den Schatten eines Mini-Sees und lässt per Videoprojektion einen Tropfen wachsen.

Dass Schatten und Licht auf dem Boden nicht von einer Glaslinse verursacht werden, erschließt sich erst beim näheren Hingucken. Dann sieht der Betrachter, dass das Deckenlicht durch Wasser fällt, das sich in der Mitte einer gespannten, transparenten Folie zu einem Miniatursee gesammelt hat. Von einem weißen Holzrahmen gehalten, hängt der See scheinbar schwebend im Raum.

„Das Wasser muss sehr rein und staubfrei sein, damit es seine Oberflächenspannung nicht verliert“, sagt Ute Seifert. Zwei Schritte weiter zeigt ein Video, wie sich aus Wasser unendlich langsam ein Tropfen bildet. Der gewinnt an Gewicht und ganz plötzlich fällt er. „Nur wer für den vermeintlich langweiligen Kontext die Wartezeit in Kauf nimmt, sieht die Entwicklung“, sagt Seifert. Sie findet den Tropfen „in seiner Bescheidenheit total spannend“. Das Video erwarte vom Betrachter allerdings Achtsamkeit und Geduld. Wasser verbinde Menschen und Kontinente, es sei Urquell des Lebens, Spiegel der Seele, Schwingung, Bewegung und Klang.

„Stille Wasser“ ist Teil der Ausstellung „Incidents – Zwischenfälle“, die bis zum 19. Juni in der „Galerie im Park“ zu sehen ist. Die Ausstellung will unter anderem mit Kunst, Lesungen und Musik an den Tsunami und Reaktorunfall 2012 in Fukushima erinnern. Seiferts „Stille Wasser“ wurde in diesem Zusammenhang auch schon als Zwillingsinstallation zeitgleich in Hannover und Tokio gezeigt.

Wasser ist ein Hauptthema der Künstlerin, die in der Neustadt den „Kunstraum“ betreibt. Für ihre „Wassersammlung“ forderte sie Menschen in der ganzen Welt auf, Wasser zu sammeln und ihr zu schicken. Jedes Wasser wurde in Folie geschweißt und seine Herkunft dokumentiert. Nebeneinander gelegt, zeigt jedes Wasser seinen eigenen Charakter. Das Wasser aus einer Quelle bei Emden sei golden, sagt Seifert, das aus Abu Dhabi gelblich. „Und keines ist wichtiger als das andere“, freut sich die Künstlerin, „egal ob aus dem Nil oder aus dem Dunzelbach in Ottersberg.“ Neben ihren Wasserinstallationen ist Seifert für ihre Farbwerke bekannt. Insbesondere ums Rot drehen sich viele Bilder und Installationen.

Zur Kunst kam Seifert über Umwege. Erst machte sie ein kaufmännisches Studium, durch das sie sich „durchbiss“, wie sie erzählt. Nur das Fach „Personalführung“, bei dem es um den Menschen ging, fiel ihr leicht. Während der Berufstätigkeit als Diplom-Betriebswirtin suchte sie nach kreativer Nahrung. Sie fing an zu malen und fertigte Plastiken. Dann begann Seifert ein Studium der Psychologie und Philosophie in Konstanz, später studierte sie Malerei, Kunsttherapie und Freie Kunst. Neben der künstlerischen Produktion,arbeitete sie als Kunsttherapeutin und Pädagogin. Das Künstlerleben erfordere viel Disziplin und strukturiertes Arbeiten, sagt Seifert. Und weiter: „Kunst ist ein existenzieller Teil des Lebens.“

Zwei Künstler, die Seifert besonders durch ihre Farbverwendung beeinflusst haben, sind der Franzose Paul Cézanne (1839 bis 1906) und der Lette Mark Rothko (1903 bis 1970). Wenn Seifert eins ihrer Werke als Botschaft schicken sollte, dann ginge „Stille Wasser“ an so viele Orte wie möglich, um sichtbar zu machen, wie sehr alle mit dem Wasser verbunden sind.

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