Syker Spezialfirma im Einsatz

Die Klarheit des Klangs: Schallsegel verbessert Dom-Akustik

+
Domkantor Tobias Gravenhorst (r.) und vier Sänger stehen auf der Westempore und singen einen Bach-Choral. Über ihnen sorgt das neue Schallsegel für eine transparente Akustik.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Das Problem bestand im Grunde seit 1856, seit der Gründung des Domchors. Es ist nicht zu überhören gewesen – die Konzertakustik im Bremer Dom, sie war schlecht. Nicht schön für die Musiker, nicht schön für die Besucher. Jetzt ist das Problem in drei Schritten gelöst worden. Der Dom hatte dafür insgesamt 753.000 Euro an Spenden gesammelt. Letzter Schritt war nun der Einbau eines spektakulär wirkenden – und wirkungsvollen – Schallsegels.

„Die Musik zum Klingen zu bringen, das war unser Ziel“, sagt Dombauherr Dr. Hermann Eibach am Mittwoch. Im ersten Bauabschnitt wurden 2014 auf den Gesimsen – zum Beispiel unter den Fenstern – Resonatorkästen eingebaut, die tiefe Frequenzen absorbieren. Damit wurde das Problem des langen Nachhalls angegangen, der sich von 8,5 auf 5,4 Sekunden verkürzte (gemessen bei 1000 Besuchern). 2015 folgten Vorhänge in den Bögen zwischen Mittel- und Nordschiff, die den Nachhall bei mittleren Frequenzen von 7,5 auf 3,8 Sekunden gesenkt haben.

Dritter Akt der seit Jahrzehnten geplanten Akustikverbesserung ist nun das insgesamt etwa 105 Quadratmeter große Schallsegel aus Holz. Installiert wurde es über der Westempore des Doms – gemeinsam mit einer 35 Quadratmeter großen Reflexionswand (ebenfalls: aus Holz) vor der großen Sauer-Orgel. Die Fachfirma Theatertechnische Systeme (TTS) aus Syke, die weltweit Theater- und Konzertsäle sowie Veranstaltungszentren mit Bühnentechnik ausrüstet, hat das Schallsegel im Dom gebaut.

Installation lässt sich verbergen

„Das Segel lenkt den Schall weg von den Gewölben und hinein ins Kirchenschiff“, sagt Dombauherr Eibach. Zu den Zuhörern also. Das Ergebnis ist eine größere Klarheit und Räumlichkeit des Klangs, wie die Fachleute es ausdrücken. Konzertbesucher können nun gut unterscheiden, wer was singt und spielt.

Für das Projekt gab es eine Vorgabe des Denkmalpflegers. Im Ruhezustand – sprich: wenn kein Konzert gegeben wird – soll die Installation „nicht sichtbar“ sein, so Eibach. „Sie muss völlig verschwinden können. Das war eine große technische Herausforderung.“ Professor Georg Skalecki, Bremens Landeskonservator, ist nun „sehr zufrieden“, weil es „quasi keine Eingriffe in die Bausubstanz“ gegeben habe. „In der Konzertsituation ästhetisch zufriedenstellend, dazu keine optische Schädigung“ – so beschreibt er das Schallsegel.

Es wiegt, so Axel Krause, Architekt und Chef der Bauabteilung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), „mehr als drei Tonnen“. Es dauert etwa eine Stunde, bis das Segel aufgezogen ist – und ebenfalls eine Stunde, es „verschwinden“ zu lassen. Die Hubtraverse, an der das Deckensegel verankert wurde, ist gut 2650 Kilogramm schwer. Die Traverse wird in die Höhe gefahren, anschließend entfaltet sich das Segel mit der Hilfe von Zugseilen. Die Antriebsmotoren haben die Techniker unter dem Chorpodest und im Dachgeschoss des Doms verborgen.

Autokran hebt Bauteile in den Dom

Apropos Dach. Durch das Dach waren die großen Bauteile in den Dom hineingehoben worden – mit einem Autokran. An Ort und Stelle wurde dann alles montiert. Die Sauer-Orgel war während dieser Zeit komplett eingehüllt und abgedeckt – Schutz vor Staub. Die Gerüst-, Bühnenbau- und Elektroarbeiten haben insgesamt 90 Tage gedauert.

Domkantor Dr. Tobias Gravenhorst freut sich, dass nun alles fertig ist. „Aus Musikersicht war es früher sehr frustrierend, wenn Kommentare kamen wie: Das war sicher ganz schön, was Ihr da oben gemacht habt, aber wir haben es nicht gehört.“ Solche Kommentare sollen fortan eben nicht mehr zu hören sein – stattdessen: die Musik.

Das erste Konzert mit dem neuen Schallsegel ist am Sonntag, 24. September, um 19 Uhr im Dom zu hören. Unter Gravenhorsts Leitung erklingt (ja!) dann das Oratorium „Israel in Egypt“ von Georg Friedrich Händel. Karten gibt es in der Preisspanne von acht bis 33 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Komplett hüllenlos: Kennen Sie schon Lena Meyer-Landruts pikante Jugendsünden?

Komplett hüllenlos: Kennen Sie schon Lena Meyer-Landruts pikante Jugendsünden?

Von Turnen bis Yoga: Die besten Sportarten für Kinder

Von Turnen bis Yoga: Die besten Sportarten für Kinder

Was quält den Vierbeiner? So arbeiten Hundepsychologen

Was quält den Vierbeiner? So arbeiten Hundepsychologen

Weihnachtsmarkt in Nienburg eröffnet

Weihnachtsmarkt in Nienburg eröffnet

Meistgelesene Artikel

„Mein Kunst-Stück“ mit Naser Agha: „Von Aleppo nach Bremen“

„Mein Kunst-Stück“ mit Naser Agha: „Von Aleppo nach Bremen“

Mercedes-Benz-Werk Bremen produziert achtmillionstes Auto

Mercedes-Benz-Werk Bremen produziert achtmillionstes Auto

Rotrock und Rauschebart: Betriebsversammlung der Weihnachtsmänner

Rotrock und Rauschebart: Betriebsversammlung der Weihnachtsmänner

Gewinner im Start-up-Wettbewerb „Smart Tech Trophy 2017“ gekürt

Gewinner im Start-up-Wettbewerb „Smart Tech Trophy 2017“ gekürt

Kommentare