2 400 Flaschen Bordeaux

Schaffermahlzeit: Die Weinauswahl ist ein Ritual für sich

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Oliver Schmidt, Elke Schmidt und Eduard Dubbers-Albrecht mit schönem Rotwein in Grashoffs Bistro am Loriotplatz. Die Weinauswahl für die Schaffermahlzeit folgt strengen Regularien.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Die Weine sind etwas ganz Besonderes bei der Schaffermahlzeit. Sie sollen ihr einen gewissen Glanz geben“, sagt Eduard Dubbers-Albrecht, der für die fachliche Organisation der durch und durch sorgfältigen Weinauswahl zuständig ist. Dieses Prozedere ist ein Kapitel für sich, ein richtiges Ritual. Bei den Vorbereitungen für die 474. Schaffermahlzeit am Freitag, 9. Februar, ist es nicht anders.

Für das Essen – 85 Liter Hühnersuppe, 125 Kilogramm Braunkohl, 85 Kilogramm Stockfisch – sind dieses Jahr zum zweiten Mal Elke und Oliver Schmidt von Grashoff am Loriotplatz verantwortlich. Und für den Wein? Ein Ritual braucht Regeln – die Schaffermahlzeit hat ihr Weinstatut. Darin steht unter anderem, dass nur Bremer Weinhändler liefern dürfen, sagt Dubbers-Albrecht.

„Der Bremer Weinhandel hatte viele Jahrhunderte eine große Bedeutung für Bordeaux.“ Der Seeweg von dort nach Bremen war kurz und „sicherer als der Landweg“. In den Kellern an der Schlachte, wo damals noch der Hafen war, lagerte der Wein. Und oftmals wurde er auch in Bremen abgefüllt. Längst haben sich Logistik und Lieferwege geändert. Bei der Schaffermahlzeit aber ist man dem Bordeaux natürlich treu geblieben. Womit wir wieder beim Ritual wären.

„Gut bekömmlich und mit einem Tick Säure“

Als Lieferanten zugelassen sind für den Bordeaux acht Bremer Firmen, sagt Dubbers-Albrecht. Neun Unternehmen – darunter der Ratskeller – dürfen Weißwein liefern. Beim Weißen wird ein „eher leicht zugänglicher Wein“ gewünscht – „gut bekömmlich und mit einem Tick Säure“.

Und der Bordeaux? „Er muss zum Zeitpunkt der Probe mindestens vier Jahre alt sein.“ Und er soll Potenzial haben, sprich: auch in ein paar Jahren noch herausragende Eigenschaften entfalten können. Damit er auch dann noch eine schöne Erinnerung an die Schaffermahlzeit – und damit eine gute Bremen-Werbung – ist. Dubbers-Albrecht: „Wir suchen etwas heraus, das Haltbarkeit hat und gut trinkbar ist.“ 

Bei der Verkostung darf nicht gesprochen werden

Um so einen Wein auszuwählen, sind zwei Proben vonnöten. Zuerst – so regeln es die Statuten – kommt die „fachliche Vorprobe“ im Herbst. Die Weine stehen dabei in neutralen, mit Nummern versehenen Flaschen auf dem Tisch. Einige Tage später folgt die „Hauptprobe“, bei der auch die kaufmännischen Schaffer und die Kapitänsschaffer dabei sind. In der ersten Runde stehen drei Weine zur Wahl, weitere Wahlgänge können folgen – es sei denn, das Ergebnis ist schon in der ersten Runde eindeutig. Bei der Probe im Weinkeller des Atlantic Grand Hotels darf nicht geraucht und gesprochen werden – Ablenkung unerwünscht. Die Farbe der Weine wird bei Kerzenschein geprüft.

Am folgenden Tag hat Dubbers-Albrecht dann die schöne Aufgabe, die beiden Sieger zu informieren. Der Bordeaux-Lieferant muss nachweisen, dass sich 2 400 Flaschen in seinem Eigentum befinden, so Dubbers-Albrecht. „Das ist schon eine große Menge.“ Ein Wirtschaftsprüfer muss bescheinigen, dass diese Menge zur Verfügung steht. Vom Weißwein müssen 750 Flaschen verfügbar sein.

Strenge Geheimhaltung bei der Weinauswahl

Dabei werden bei der Schaffermahlzeit im Rathaus „nur“ etwa 220 bis 250 Flaschen vom Roten und 100 Flaschen vom Weißen getrunken. Was geschieht mit dem Rest?

Nun, es gibt ja noch die „Schmeckemahlzeit“ am Montag vor der Schaffermahlzeit, die Generalversammlung der Stiftung Haus Seefahrt (Dienstag, etwa 350 Teilnehmer) und das Prövenermahl auf dem Seefahrtshof in Grohn am Sonnabend nach der Schaffermahlzeit. Und dann haben Schaffer und Gäste natürlich auch noch die Möglichkeit, Wein zu kaufen – eine Möglichkeit, die gern genutzt wird.

Und welche Weine werden nun in diesem Jahr dazu serviert? Noch geheim! Auch das zählt zu den Ritualen der Schaffermahlzeit. Zum ersten Mal gereicht werden die Weine ja bei der „Schmeckemahlzeit“. Und bis dahin gilt die Geheimhaltung.

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