Seemannslieder und Parolen

Kein Gespräch möglich: Blockade bei der 476. Schaffermahlzeit

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Kein Durchkommen bei den Herolden – die Aktivisten auf der Treppe lassen niemanden ins Rathaus, auch Drängeln hilft nicht. Die Teilnehmer der Schaffermahlzeit müssen erst einmal im Freien bleiben.

Siemens-Chef Joe Kaeser und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei einem Termin – das mochten sich Aktivisten von „Fridays for Future“ und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz nicht entgehen lassen.

Update, 15. Februar: Nach den Protesten im Rahmen der 476. Schaffermahlzeit in Bremen hat die Polizei Bilanz gezogen. In Zuge der Blockade der Rathauseingänge haben die Beamten drei Strafanzeigen gefertigt.

Während das Schaffermahl im Rathaus begann, kam es draußen zu Provokationen zwischen dem Demonstranten und Mitgliedern eines Shanty-Chors, heißt es von der Polizei. Wegen Beleidigung ist hier eine Strafanzeige gefertigt worden.

Im weiteren Verlauf wollte ein Mann des Shanty-Chors die Aktivisten körperlich angehen, wurde dann von einer Person weggerissen und fiel zu Boden. Die Polizei griff sofort ein und beruhigte die Situation. Wegen Körperverletzung sind zwei Strafanzeigen gefertigt worden. Gegen 14.30 Uhr ist die Blockade aufgelöst worden. Eine weitere Protestveranstaltung auf Höhe des Neptunbrunnens verlief bis etwa 19 Uhr friedlich. (jdw)

Schaffermahl in Bremen: Demonstranten blockieren Rathauseingänge

Originaltext, 14. Februar: Bremen - Etwa 30 Demonstranten blockierten am Freitagmittag verschiedene Rathauseingänge. Die 300 Teilnehmer der 476. Bremer Schaffermahlzeit mussten am Ende Umwege gehen und einen Hintereingang nehmen, um ins Rathaus zu kommen.

„Du blockierst die Energiewende – wir blockieren Dich.“ Diese an Altmaier gerichteten Worte standen in blauen Lettern auf einem gelben Transparent, mit dem Aktivisten sich zwischen den beiden Herolden am Osteingang des Alten Rathauses auf den Treppenstufen niedergelassen hatten. Normalerweise nehmen die Teilnehmer der Schaffermahlzeit diesen Eingang, wenn sie vom Haus Schütting herüberkommen. Deshalb singt hier auch immer der „Capstan Shanty-Chor“ unter der temperamentvollen Leitung von Anna Koch.

Chor singt Lieder - Demonstranten werben für Windkraft

So war es auch dieses Mal. Der Chor sang seine Lieder von Windjammern und wilder See, Songs mit ganz klarer Offshore-Thematik. Daneben hockten die Demonstranten, warben für Windenergie (On- und Offshore) und skandierten ihre Parolen – zuweilen nicht ganz seefest im Versmaß: „Wir sind hier / Wir sind laut / Weil Altmaier unsere Zukunft klaut.“

Chor und Aktivisten gegenüber: Zuschauer, die die Seemannslieder hören wollten, nicht die Parolen. Einige von ihnen beschimpften die Demonstranten, auch Sänger stritten sich mit Aktivisten. Es nützte nichts, sie riefen unbeeindruckt weiter ihre Sprüche: „Ihr könnt nach Hause fahr‘n. . .“ Schließlich bildeten einige Zuschauer eine Kette, stellten sich direkt vor die auf der Treppe sitzenden Demonstranten und schunkelten – demonstrativ, wenn man das so sagen darf. Nun waren die Aktivisten nicht mehr so gut zu sehen, aber noch immer zu hören. Und der Eingang war nun praktisch doppelt blockiert.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier sucht bei Anna Koch vom „Capstan Shanty-Chor“ Zuflucht.

Zuvor hatten schon Vertreter von Haus Seefahrt mit den Aktivisten gesprochen – oder: zu sprechen versucht. Echte Gespräche waren nicht möglich, die Demonstranten riefen fortwährend ihre Parolen; an Austausch waren sie offenbar nicht interessiert.

Auch Schaffer Bülent Uzuner hatte versucht, mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen. Er wollte sie darum bitten, eine „kleine Schneise“ für die Teilnehmer der Schaffermahlzeit freizumachen. „Da waren die aber gar nicht zu bereit“, berichtete er anschließend – nachdem es ihm mit Mühen gelungen war, wieder ins Rathaus hineinzukommen.

Schaffer Uzuner kritisiert Härte der Proteste in Bremen

Uzuner fand es schade, dass es auf der Treppe nicht zu einem Kompromiss gekommen war. „Sie demonstrieren für eine gute Sache und ich finde es gut, wenn die Jugend sich engagiert.“ Wenn man dabei über die Stränge schlage, könne man aber auch eine gegenteilige Wirkung erzielen. Und schade damit der guten Sache eher, so der Gedanke.

Doch um Gedanken ging es in dem Moment womöglich nicht, sondern eher um den Effekt – und den hatten die Demonstranten erzielt. Sie hatten die volle Aufmerksamkeit, während die Teilnehmer der Schaffermahlzeit die Mühe mit dem kleinen Umweg durch den Hintereingang hatten.

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