100 Jahre alter Wein bringt 5 000 Euro für Denkmalschutz im Bremer Rathaus

Schätzchen aus dem Keller

Ungewohnte Einblicke in das Bremer Rathaus bot am Welterbetag ein interaktiver 360-Grad-Rundgang.
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Ungewohnte Einblicke in das Bremer Rathaus bot am Welterbetag ein interaktiver 360-Grad-Rundgang.

Bremen – Der Hammer schlägt zum Dritten auf ein Fass im Bremer Weinkeller. Ein 100 Jahre alter Wein ist für 5 000 Euro versteigert. Eine Internetauktion und ein ebenso aus dem Gewölbe des Bremer Ratskellers ins Internet übertragener „Weinschnack“ sind die informationsgeladenen Beiträge der historischen Stätte zu den Welterbetagen.

Ratskellermeister Karl-Josef Krötz hat wahre Wein-Juwelen aus der Schatzkammer geholt. 5 000 Euro sind das Zehnfache des Startgebots von 500 Euro für einen 1921er „Niersteiner Pettental Riesling allerfeinste Goldbeerenauslese“. Ein Wein von absoluter Weltklasse, macht Wein-Auktionator Otto Schätzel aus Nierstein in Rheinland-Pfalz, 30 Jahre Leiter der Weinbauschule Oppenheim, deutlich. Er weiß, wo die Trauben gewachsen sind und kann die Vorteile der Ostlage auf der zweiten Terrasse genau erklären. Die starke Morgensonne und die moderate Sonne danach sorgten für eine stabile Säure. Ein kalter Winter, ein warmer Sommer, geringe Erträge, so beschreibt er den Weinjahrgang 1921. Die Beeren seien klein geblieben und nicht faul geworden. „Sie waren grün-golden“, sagt Schätzel. Er habe bislang nur einmal ins einem Leben einen Wein dieses Jahrgangs probieren dürfen. Das Besondere sei die Balance zwischen Aromatik, Süße und Säure. Er lobt, dass die Flasche bis dicht an den Korken gefüllt ist und wohl sehr gut gelagert wurde.

Für 1 850 Euro werden zwei weitere Weine versteigert. Ein „Rauenthaler Gehrn“ von 1971 und eine 0,375-Liter-Flasche des ersten Bremer Senatsweins von 2002. Die meisten 71er-Weine hätten eine Farbe, die in Richtung Bernstein geht, sagt Krötz. Der „Rauenthaler Gehrn“ habe viel Schmelz und sei extrem cremig.

Die Trauben für den Ratskellerwein wurden auf dem seiner Zeit neuangelegten Weinberg des Bremer Ratskellers, dem Erdener Treppchen, geerntet. Dieser erste Senatswein mit insgesamt 35 Litern befindet sich komplett in der Schatzkammer des Ratskellers. Das Geld aus der Versteigerung der insgesamt drei Weine soll für den Denkmalschutz im Bremer Rathaus eingesetzt werden.

Während der Versteigerung legen sich Ratskellermeister Karl-Josef Krötz, Wein-Auktionator Otto Schätzel und die amtierende Deutsche Weinkönigin Eva Lanzerath aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rheinland-Pfalz mächtig ins Zeug. Mit viel Humor und Heiterkeit erklären sie im Plauderton, um welche Schätze es sich handelt. 1921 sei ein Jahrhundert-Jahrgang gewesen, im vergangenen Jahrhundert nie wieder erreicht, sagt Schätzel. Auch gibt er zu bedenken, dass die Preisentwicklung die Verzinsung auf dem Girokonto übertreffen dürfte. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Also ist Erden auch ältester Ort der Welt“, scherzt Krötz als eine Anspielung aufs Erdener Treppchen.

Versteigerung im Ratskeller: Wein-Auktionator Otto Schätzel und die amtierende Weinkönigin Eva Lanzerath.

Ein 360-Grad-Spaziergang im Weltkulturerbe Rathaus unter Führung Daniel Tilgner ist ebenso eindrucksvoll. Er zeigt zunächst eine räumlich anmutende Puppenhaus-Ansicht mit Bildern aus dem Inneren. Dann geht es die Treppe hoch. Weiße Kreise sind im Bild zu sehen, Stellen, an denen weiteres Material abgerufen werden kann.

Eintritt in den Senatssaal, beeindruckend. Ein Blick an die Decke. Symbole der vier Jahreszeiten sind dargestellt, Symbole der ewigen Wiederkehr in der göttlichen Schöpfung, wie Tilgner erklärt. An den Wänden acht Bilder mit Kaisern. Bremen war auf gute Beziehungen zu diesen angewiesen, erläutert Tilgner. Dreidimensional geht es durch die Obere Wandelhalle. Zu sehen ist auch eine Büste von Friedrich Ebert. Der Zuschauer erfährt viel, auch, dass dieser mit seiner Frau eine Gaststätte hatte.

Bremen feierte den Welterbetag über mehrere Tage mit einem digitalen Programm. Verschiedene Medien dazu gibt es online unter „www.bremen.de/welterbetage“.

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