Forderung nach Kostenvergleich

Bürgerinitiative kritisiert Bäderkonzept des Senats

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Blick ins Bremer Unibad, das eine Bürgerinitiative erhalten will. Die Sanierung des Bads sei günstiger und sinnvoller als der im Bäderkonzept des Senats geplante Neubau in Horn, argumentiert die Initiative.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Stefan Quass von der Bürgerinitiative „Rettet das Unibad“ spricht von einem „Irrweg“, der „schädlich“ sei „für die Lebensqualität in dieser Stadt“. Beke Wehrt, ebenfalls von der Initiative, sagt: „Das einzige Argument gegen die Sanierung des Unibads ist weg.“ Sie meint das Kostenargument. Die Initiative hat am Donnerstag einmal mehr gegen das Bäderkonzept des Senats protestiert.

Wie berichtet, hat das Konzept in dieser Woche die nächste Hürde genommen, sprich: die Sportdeputation hat dem 39-Millionen-Euro-Paket zugestimmt (wir berichteten). Nun muss das Parlament es noch absegnen. Dann können im Anschluss an die Freibadsaison 2018 die Bauarbeiten für ein Sportbad in Horn beginnen, das zehn 50-Meter-Bahnen haben und 25,3 Millionen Euro kosten soll. 13,7 Millionen Euro fließen in den Neubau des Westbads in Walle. Sind die neuen Bäder fertig, soll das Unibad schließen.

Eine Sanierung des Unibads wäre aber viel günstiger als der Neubau in Horn, hält die Bürgerinitiative dagegen. Dass das Unibad nicht sanierbar sei, behaupte das Sportamt „ohne weiteren Beleg“. Quass beklagt, die Argumente der Initiative seien „bei den Verantwortlichen in Senat und Bürgerschaft“ immer wieder „auf taube Ohren gestoßen“. Beke Wehrt: „Auf der Grundlage eines differenzierten Gutachtens versuchten wir zu vermitteln, dass eine Sanierung des Unibads für etwa zehn Millionen Euro möglich sei und damit deutlich kostengünstiger als das dem Bäderkonzept zugrunde liegende Gutachten es vorsieht.“ Dieses Gutachtens ei 2014 von 14,5 Millionen Euro ausgegangen. Und mit den nun für Horn vorgesehenen 25,3 Millionen Euro seien die Kosten insgesamt „in erschreckender Weise explodiert“, so Wehrt weiter.

Stefan Quass und Beke Wehrt von der Bürgerinitiative „Rettet das Unibad“. - Foto: Kuzaj

Der Umbau des Horner Bads verschlechtere auch die Bedingungen für Schwimmer „deutlich“. Das Unibad biete „viel mehr Möglichkeiten für den Wassersport“, sagt Wehrt. Wasserball und Unterwasserrugby, Kanuten und Springer würden im Neubau nicht berücksichtigt, so die Bürgerinitiative. Hinzu komme, dass in Horn die Wasserfläche des Freibads halbiert werden solle. An heißen Tagen seien Konflikte programmiert, sagt Quass.

Das Argument des Ressorts, im Neubau würden die Betriebskosten geringer sein, hält die Bürgerinitiative für eine Behauptung, da es überhaupt noch keine genauen Berechnungen dazu gebe. Und: „Was den Energieverbrauch betrifft, so haben wir uns monatelang vergeblich um Auskunft über die jährlichen Betriebskosten für das Unibad bemüht.“ Der Staatsrat habe zugegeben, dass sie nicht ausgewiesen seien. „Die Kostenangaben des Bäderkonzepts beruhen auf Schätzungen“, folgert die Initiative daraus.

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) hat das Unibad 1978 mit dem BDA-Preis ausgezeichnet. In der aktuellen Diskussion hat der BDA-Vorstand auf gestalterische Qualität und baukulturelle Bedeutung des Bads hingewiesen. Vor diesem Hintergrund müsse es eine „ergebnisoffene Diskussion“ geben.

Die Bürgerinitiative fordert unterdessen nun einen „korrekten Kostenvergleich zwischen Schwimmhallenneubau und Unibad-Sanierung“. Quass: „Bremen soll eine wachsende Stadt sein, sagt der Bürgermeister. Aber die Infrastruktur wird zurückgefahren. Das passt nicht, das ist ein Widerspruch.“

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