Verhüllung à la Christo

Sanierung: Ortsamt Mitte erhält „Schutzmantel“ gegen Regen und Frost

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Einen „Schutzmantel“ aus weißen Bauplanen erhält derzeit das Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt. Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki und Bauleiterin Elke Altenbach von Immobilien Bremen zeigen derweil ein Stück der originalen englischen Schieferdeckung, die noch aus der Bauzeit des Gebäudes stammt und nun ersetzt werden muss.

Bremen – Als wäre gerade Künstler Christo am Werk: Die Vorbereitungen zur Sanierung des schadhaften Daches des Ortsamts Mitte gehen weiter. Am Montagmorgen haben Fachkräfte damit begonnen, den oberen Teil der rund 22 Meter hohen Gerüstkonstruktion in einen „Schutzmantel“ aus weißen Winterbauplanen zu hüllen.

Notwendig geworden sind die Arbeiten am unter Denkmalschutz stehenden Haus an der Straße Am Dobben 91, weil im vergangenen November Wasserschäden im Obergeschoss entdeckt wurden (wir berichteten).

Errichtet wurde das Gebäude 1862 bis 1864 nach einem Entwurf des Bremer Baumeisters Lüder Rutenberg. Und die Dachhaut aus englischen Schieferplatten stammt noch aus ebendieser Zeit. Instandgesetzt wurde sie zuletzt Ende der 70er Jahre. Nun muss sie komplett ersetzt werden.

Doch zuvor müssen Experten das Ausmaß der Schäden an der Dachkonstruktion des früheren Wohnhauses erfassen. Das Schieferdach weist Immobilien Bremen zufolge etwa zwölf Leckagen auf, durch die Wasser ins Gebäude dringt. Das habe bereits mehrere Schäden verursacht. Für die Begutachtung muss die Schieferdeckung entfernt werden. Immobilien Bremen ist für die meisten öffentlich genutzten Grundstücke und Gebäude der Stadt zuständig.

Der „Schutzmantel“ aus Gewebeplanen samt Luftpolsterfolie soll von Regen und Kälte abschirmen. „750 Quadratmeter Planen werden dafür mit dem Gerüst verbunden“, sagt Sven Lipke von der Firma Bädecker Gerüstbau. Darunter werde dann geheizt, so Immobilien-Bremen-Sprecher Peter Schulz. Rückblick: Bereits seit im Dezember hatte das historische Gebäude ein freitragendes Stahl-Gerüst erhalten. Weil das Haus unter Denkmalschutz steht und es statische Bedenken gab, konnte es nicht am Haus selbst befestigt werden. Um dem Gerüst dennoch Stabilität zu verleihen, wurde es mit 40 je zweieinhalb Tonnen schweren Betonblöcken beschwert. Eine aufsehenerregende mobile Blechdach-Konstruktion mit knapp 500 Quadratmetern Fläche soll das Haus zudem von oben vor Niederschlägen schützen.

Am Montagmorgen hatten mit Gurten gesicherte Mitarbeiter des beauftragten Fachunternehmens vor allem mit böigem Wind zu kämpfen. Am heutigen Dienstag soll die Verhüllung abgeschlossen sein. Dann wird das Dach abgedeckt. „Das Haus ist eine Wundertüte“, sagt Bau- und Projektleiterin Elke Altenbach von Immobilien Bremen. Als erstes werden die sogenannten Sparrenfüße freigelegt, um den Halt des Daches am tragenden Mauerwerk zu überprüfen. Zeitgleich untersucht Schulz zufolge ein Sachverständiger die Holzkonstruktion. Das Ergebnis soll Immobilien Bremen zufolge Anfang März vorliegen. Umfang der Sanierung, Zeitraum und Kosten - „das ist derzeit alles völlig ungewiss“, so Schulz.

Fest steht dagegen: Aus Gründen des Denkmalschutzes wird das sanierte Dach erneut aus Schieferplatten in der gleichen Deckart bestehen, so Georg Skalecki, Leiter des Landesamtes für Denkmalschutz. Der Schiefer werde aber dieses Mal aus Deutschland kommen, weil es laut Schulz entsprechende Steinbrüche in England nicht mehr gebe. Verschiedene Materialien wurden bereits gesichtet, eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, heißt es. Ursache für die Risse im Schieferdach könnte laut Experten der heiße Sommer im vergangenen Jahr gewesen sein.

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