Sandwege, Torf und Landschaften

Overbeck-Museum bereitet neue Ausstellung vor

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Die Spur der Pferdefuhrwerke ist gut zu sehen – so sah die Straße „An der Aue“ in Vegesack im Jahr 1908 aus, als Fritz Overbeck sie malte. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Neuer Monat – und damit Zeit für ein neues „Bild des Monats“ im Vegesacker Overbeck-Museum. Die populäre Reihe rückt jeden Monat ein Werk aus dem Bestand des Hauses in den Fokus. Dieses Mal ist es das Gemälde „Unsere Straße“, das Fritz Overbeck anno 1908 gemalt hat. Es zeigt die Straße „An der Aue“ als Sandweg.

„Ein einfacher Sandweg, rechts und links von Holzpflöcken begrenzt. Die Spur der Pferdefuhrwerke in der Mitte des Weges ist deutlich erkennbar.“ So beschreibt Museumsleiterin Dr. Katja Pourshirazi das Bild.

„Die vielen Sandhügel und Sandwege nahe der Aue sind ein häufig wiederkehrendes Thema in Overbecks Werk“, sagt sie. Und: „Er machte die auf den ersten Blick wenig malerischen Sandflächen zu einem zentralen, raumgreifenden Bildmotiv, das er mit unzähligen Nuancen von unterschiedlichen Brauntönen und mit einem vielfältigen Pinselduktus kunstvoll ausgestaltete.“

Kein Interesse an „scheußlicher“ Straße

Overbeck (1869 bis 1909) gehörte zu den fünf Gründungsvätern der Künstlerkolonie Worpswede. 1905 verließ er Worpswede, um sich in Bröcken bei Vegesack niederzulassen – ländliche Idylle zog ihn eben an. „In einer Straße zu wohnen oder sonst in irgendeiner scheußlichen Umgebung, brächte ich nicht fertig“, schrieb der Künstler damals. Im Alten Packhaus an der Alten Hafenstraße 30 ist ihm und seiner Frau Hermine Overbeck-Rohte (1869 bis 1937) seit 1990 das Museum gewidmet. Es ist täglich außer montags in der Zeit von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Im Prinzip jedenfalls. Gegenwärtig gerade nicht. Aufgrund von Sanierungsarbeiten (Brandschutz) im Alten Packhaus und eines Ausstellungswechsels ist das Overbeck-Museum derzeit geschlossen und eröffnet erst wieder am Sonntag, 12. November. Auch das „Bild des Monats“ ist deshalb erst ab dem 12. November zu sehen.

Geschichten rund um ein Gemälde

Dennoch gibt es natürlich noch die beliebten Kurzführungen zum Thema. Nämlich am Mittwoch, 15. November, und am Donnerstag, 23. November, jeweils um 17 Uhr – und zwar mit Museumsleiterin Pourshirazi. Zur Bildbetrachtung gibt es „Fakten und Geschichten rund um das Gemälde“, wie es in einer Ankündigung heißt.

Die neue Ausstellung, die gegenwärtig vorbereitet und dann am 12. November um 11.30 Uhr eröffnet wird, bringt wieder einmal einen Fotografen in das Museum – und damit auch zeitgenössische Kunst. Pourshirazi und ihr Team lassen Fotografien von Jost Wischnewski mit Werken von Fritz und Hermine Overbeck „in Dialog“ treten. Titel der Ausstellung: „Abbau – Interpretation einer Wirtschaftslandschaft“.

Neue Blicke auf das Teufelsmoor

„Wischnewski wagt einen neuen Blick auf das Teufelsmoor – auf jene Landschaft, die vor mehr als 100 Jahren von Malern wie Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler oder Otto Modersohn zu einer spätromantischen Sehnsuchtslandschaft verklärt wurde“, sagt die Museumsleiterin. „Dabei war das Teufelsmoor auch im Jahr 1895, als die Worpsweder Künstler mit ihren Landschaftsgemälden erstmals Berühmtheit erlangten, keine idyllische oder gar unberührte Landschaft. Vielmehr war die Region schon damals durch großflächigen Torfstich und kilometerlange Entwässerungsgräben gezeichnet: Zeugnisse einer wirtschaftlichen Nutzung, die bis heute das Landschaftsbild dominiert.“

Konstanten und Veränderungen

Wischnewski beschäftigt sich ausgiebig mit dieser prägenden und vom Menschen geprägten Landschaft. Seit mehr als zehn Jahren fotografiert er das Moor bei Worpswede und Gnarrenburg, wo noch immer Torf abgebaut wird. „Durch die direkte Konfrontation zeitgenössischer Digitalfotografie mit der Worpsweder Malerei um 1900 werden die gravierenden Veränderungen, aber auch die Konstanten in der Landschaft sichtbar“, sagt Pourshirazi. Wischnewskis Fotografien sind bis zum 28. Januar 2018 im Overbeck-Museum zu sehen.

Rechtzeitig vor dem Aufbau der neuen Ausstellung sind die Sanierungsarbeiten im Haus unterdessen „so gut wie abgeschlossen“, so Pourshirazi. Und nun? Das: „Mehr als 400 Gemälde müssen zurück an ihren Platz gestellt werden, außerdem Hunderte Zeichnungen, Radierungen und Aquarelle, dazu die gesamte Ausstattung der Restaurierungswerkstatt, Aktenordner und Büromöbel.“

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