Hal övers „Oceana“ wird 80 und fährt immer noch nach Bremerhaven

Salonschiff mit Kampfpreisen

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Die „Oceana“ machte jahrzehntelang von Bremerhaven aus Fahrten bis zum Leuchtturm Roter Sand.

Bremen - Von Harald Focke. Mittwochnachmittag, kurz nach drei. An der Seebäderkaje in Bremerhaven liegt die „Oceana“ abfahrbereit zur Rückreise nach Bremen. Noch fünf Minuten. Vier gesprächige Senioren nähern sich gemächlich auf dem Ponton der Gangway. Kaum sind sie an Bord, werden die Leinen losgeworfen. Wie immer legt der ältester Weserdampfer der Reederei Hal över pünktlich um 15.15 Uhr ab. Jetzt in der Hochsaison im Juli und August fährt die „Oceana“ viermal in der Woche die Weser rauf und runter.

Dunkle Regenwolken kommen schnell näher, der Wind frischt auf, es sieht nach einem Gewitter aus. Schon fallen die ersten Tropfen, die meist älteren Passagiere drängeln vom Sonnendeck ins Restaurant. Da ist Platz für alle, der Kaffee ist frisch gebrüht und Kuchen gibt es auch auf der „Oceana“.

Bremens ältester und größter Weserdampfer ist bei Touristen wie Einheimischen beliebt, auch 80 Jahre nach seinem Stapellauf bei den Atlas- Werken am 27. Juli 1937. Die „Oceana“ war nach „Hanseat“, „Deutschland“ und „Weserstolz“ das vierte und letzte Salonschiff, das die Reederei Otto Schreiber in Dienst stellte. Alle waren Motorschiffe und deutlich komfortabler als die Konkurrenz.

Für die beschäftigungsschwachen Atlas Werke waren die vier „Weserdampfer“ Mitte der 30er Jahre willkommene Aufträge, die nach der Weltwirtschaftskrise endlich wieder Arbeit auf die Werft brachten. Zusammen kosteten sie mehr als eine halbe Million Reichsmark.

Damals Deutschland schnellstes Flussschiff

Weil bei der Ausrüstung der „Oceana“ nicht alles glatt lief, kam sie erst 1938 in Fahrt. Sie war gut 55 Meter lang und hatte zwei Diesel mit 500 PS. Mit 15 Knoten war die „Oceana“ Deutschland schnellstes Flussschiff. 1 420 Personen durften damals an Bord, heute sind es nur noch 700. Die „Oceana“ bot ihren Fahrgästen „kalte und warme Küche“, „solide Preise“ und „Musik an Bord“. Wer nicht durch Bremerhaven bummeln wollte, konnte an Bord bleiben und die „Gr. See-Fahrt“ mitmachen. Sie führte zum Leuchtturm Roter Sand und blieb gefragt bis in die 60er Jahre.

Fahrkarten gab es vor dem Krieg im Reedereibüro direkt am Anleger an der Kaiserbrücke, heute Bürgermeister Smidt-Brücke. Schreibers Sommerfahrplan 1937 warb mit unglaublichen Kampfpreisen, um die Konkurrenz abzuhängen. Nach Vegesack kam man für 50 Pfennig, bis Blumenthal und Farge kostete die Fahrt jeweils einen Groschen mehr. Nach Brake war eine Reichsmark fällig, nach Nordenham und Bremerhaven jeweils 1,50 Reichsmark. Und: Die Rückfahrt kostete nichts. Eine Reichsmark war 1937 etwa so viel Wert wie heute sieben Euro. „Hal över“ nimmt in dieser Saison für eine Tagesrückfahrkarte nach Bremerhaven 27 Euro.

Schnupperfahrten enden 1940

1940 war Schluss mit den Weser- und Nordseeschnupperfahrten. Die Schreiber-Flotte musste Kriegsdienst leisten. Die „Oceana“ lag zunächst als Wachtender und Zubringer in der Außenweser. Danach nutzte die Kriegsmarine sie bei der AG „Weser“ als improvisiertes Wohnschiff für U-Boot-Besatzungen. Ende 1944 kam die „Oceana“ nach Achim, um nicht Opfer eines Luftangriffs zu werden.

Zwei Jahre später war sie wieder einsatzbereit. Zwischen Bremen und Bremerhaven war sie in der Nachkriegszeit ein begehrtes Verkehrsmittel: An knapp 170 Tagen beförderte sie 1946 fast 226 000 Passagiere. Start war zunächst im Europahafen, ab 1949 dann am neuen Anleger an der Schlachte.

1983 wurde die „Oceana“ zum ersten Mal umgebaut. 1990 bekam sie neue Motoren, nun mit 600 PS. Beim Schweißen fing das Oberdeck Feuer und musste erneuert werden. 2002 übernahm Hal över den Schreiber-Dampfer und ließ ihn modernisieren. Die gewohnte Silhouette blieb erhalten.

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