DDR-Hymne und Schulterbruch

Toni von Häfen ist ein Sail-Urgestein

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Das "Urgestein der Sail", Toni von Häfen, sitzt zusammen mit seiner Frau Doris in seinem historischen Plattbodensegler "Theepot" im Alten Hafen von Bremerhaven.

Bremerhaven - Toni von Häfen kann jede Menge Seegarn über das Windjammer-Treffen in Bremerhaven spinnen - denn er ist seit der ersten Sail 1986 dabei. Dabei hat er bereits Kurioses erlebt.

Er hat sie alle gesehen. Riesige Dreimaster wie die „Alexander von Humboldt“ und die „Statsraad Lehmkuhl“. Dieter von Häfens absolutes Lieblingsschiff hat allerdings etwas kleinere Ausmaße: seine „Theepot“. Das Plattbodenschiff schaukelt ruhig und gleichmäßig im Alten Hafen von Bremerhaven. Von Häfen, den alle nur Toni nennen, sitzt auf dem Deck in der Sonne und beobachtet die flanierenden Besucher der Sail. Seit dem ersten Windjammer-Treffen 1986 ist er dabei.

Die erste Schiffsparade verfolgte er jedoch noch vom Land aus. Der 75-Jährige ist ein echter Seebär - auch optisch: Sein weißer Bart und die dunkelblaue Schiebermütze lassen den Betrachter sofort an den Prototypen eines Kapitän denken, der auf die Verpackung von Fischstäbchen gedruckt wird. Eine Uniform trug Toni auch vor seiner Zeit als Chef der „Theepot“. Als Offizier der Bundeswehr wohnte der gebürtige Bremerhavener in vielen Städten. „Kaufbeuren, Stade, die Niederlande“, beginnt seine Frau Doris aufzuzählen. „Aber es war immer klar, dass wir wieder nach Bremerhaven zurückkommen“, sagt die 72-Jährige.

1997 kauften sie ihr Plattbodenschiff und verbringen seitdem jeden Sommer auf dem Boot. Zur ersten Sail reiste das Ehepaar extra an und bestaunte die auslaufenden Schiffe vom Deich aus. Das nächste Windjammer-Treffen im Jahr 1990 blieb Toni besonders gut im Gedächtnis. „Das war kurz vor der Wende, im August.“ Zur Auslaufparade wurde zu Ehren jeden Schiffes die jeweilige Nationalhymne gespielt. „Dann kam das DDR-Schiff 'Greif'“, sagt der 75-Jährige, der damals in der Nähe des Verantwortlichen für die Musik stand. Die Hymne der DDR sei damals eigentlich tabu gewesen. „Die sind ganz nervös geworden und wussten nicht, welches Lied sie spielen sollen.“ Es wurde die DDR-Hymne aufgelegt. Das sei ihm durch Mark und Bein gegangen. „Vielleicht, weil ich damals noch Soldat war.“ Besonders gefreut habe es ihn immer, wenn Schiffe, die in Bremerhaven gebaut wurden auch zum Windjammer-Treffen kamen. „Ich habe die 'Krusenstern' gesehen, als sie unter Flagge der UdSSR fuhr.“ Das Treffen der Seeleute in Bremerhaven habe immer zum kulturellen Austausch beigetragen. „In diesem Jahr sind hier 20 Nationen vertreten“, sagt Toni. Das freue ihn besonders. „Ich glaube, es trägt sehr zur Völkerverständigung bei.“ Auch von Seebär zu Landratte: „Ein Besucher hat mir mal zum Abschied 'Mast- und Schulterbruch' gewünscht“, sagt Toni. „Da musste ich schon sehr lachen, denn es heißt eigentlich 'Mast- und Schotbruch'.“

Selbst fahren die von Häfens gerne in nahe gelegene Gefilde. Bei ihren Törns auf der Nord- und Ostsee haben sie mittlerweile genug Seemeilen gesammelt, um einmal die Welt zu umrunden. Tonis Erfahrung wird auch von den Organisatoren des Windjammer-Treffens geschätzt: „Er weiß, was in der Szene los ist“, sagt Sail-Sprecher Wolfgang Heumer. „Er hat viele Kontakte zu anderen Schiffen und kann auch die Verhältnisse nautisch beurteilen.“ Die nächste Sail wird in fünf Jahren stattfinden. Toni, Doris und die „Theepot“ werden dabei sei. Denn dass sie im Alter auf ein Wohnmobil umsatteln, sei keine Alternative, sagt Toni und lacht. dpa

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