Ruth Stehmeier engagiert sich bei „Trauerland“ / „Ein geschützter Raum“

Zwischen Toben und Trauern

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Ruth Stehmeier vor dem Trauerbaum. Sie engagiert sich seit mehreren Jahren für den Verein „Trauerland“.

Bremen - Von Isabel Niesmann. Natürlich gibt es sie auch. Diese Momente, die einem nahegehen, weil sie mit Tod und Trauer verbunden sind. Aber es gibt mindestens genauso viele schöne Momente; es gibt viel Lachen und Toben. „Geweint wird hier wenig“, erzählt Ruth Stehmeier, die sich seit fünf Jahren ehrenamtlich bei dem Verein „Trauerland“ engagiert.

„Trauerland“ bietet Kindern und Jugendlichen, die einen nahestehenden Menschen verloren haben, Unterstützung auf ihrem individuellen Trauerweg an. Oft neigen Kinder dazu, Kummer zu verbergen, um die anderen zu schützen. Sie trauern anders. In den zweiwöchentlich stattfindenden Trauergruppen treffen sie auf Gleichaltrige, die ähnliches erlebt haben.

Entscheidend für das Konzept: Die Kinder stehen im Mittelpunkt, ohne dass irgendeine Erwartungshaltung an sie gestellt wird. „Das hier ist ein geschützter Raum. Wir bewerten nichts. Das tut ihnen gut“, erklärt Stehmeier. Denn Erwartungen werden schon genug gestellt: von der Schule, von der Gesellschaft, von den Angehörigen. Nur wenige Regeln und Rituale strukturieren die Treffen der Trauergruppen. Sie hängen auf den bunten Zetteln am Fenster: „Es gibt kein richtig oder falsch. Es ist, wie es ist“ und „Jeder hat das Recht, für sich zu sein“ heißt es hier. Ebenso kindgerecht wie der Ansatz sind die Räumlichkeiten: Bälle-Bad und Kicker stehen hier, die Farben an den Wänden sind hell und positiv. Und die Kinder entscheiden, ob sie in den Toberaum mit viel „Remmi-Demmi“ gehen, im Kreativraum basteln oder sich in den Ruheraum zurückziehen.

„Trauerland“ unterstützt nicht nur die Kinder. Während diese in den Gruppen sind, kommen auch die Angehörigen zusammen. Sie tauschen sich über finanzielle oder persönliche Verhältnisse und über ganz pragmatische Alltagsfragen untereinander aus. „Zur Zeit geht es zum Beispiel viel um die Frage: Wie feiere ich Weihnachten?“, berichtet Pressesprecher Patrick Braatz.

Wie lange die Betroffenen bleiben, ist verschieden. Auch diese Entscheidung liegt beim Kind. Im Schnitt begleitet der Verein sie zwei Jahre, einige bleiben nur wenige Monate, andere acht Jahre. „Es gibt kein Datum, an dem ich nicht mehr trauere“, unterstreicht Stehmeier. „Natürlich ist es schade, wenn ein Kind geht, das ich lange begleitet habe. Andererseits ist es schön zu sehen, dass es ihm wieder besser geht.“

Seit mehr als 15 Jahren bietet der Verein kostenfreie Unterstützung im Trauerprozess an. Das Kernangebot umfasst die Kindertrauergruppen in Bremen und Oldenburg, die beiden Jugendgruppen sowie den Trauertreff für junge Erwachsene. Außerdem gibt es telefonische Beratungssprechzeiten, Einzelberatungen, heilpädagogische Einzelmaßnahmen sowie Kriseninterventionen. „Die Trauerbegleitung begann 1999 mit drei Kindern und einer Mitarbeiterin“, blickt Braatz zurück. Heute stehen 205 Plätze zur Verfügung. Insgesamt hat „Trauerland“ bereits mehr als 1 000 Kinder begleitet.

Der rein spendenfinanzierte Verein ist auf zahlreiche Unterstützer angewiesen. Neben den 14 Hauptamtlichen engagieren sich rund 150 Ehrenamtliche. Durch ein Schulungssystem werden sie auf ihre Tätigkeit vorbereitet. „Man muss selbst stark sein in der eigenen Trauer“, betont Stehmeier. Über ihre Motivation für ihr Ehrenamt sagt sie: „Wenn ich die Kinder sehe und die sich freuen, dann geht es mir gut.“ Das klinge zwar etwas kitschig, aber so sei es eben.

Der nächste Infoabend für interessierte Ehrenamtliche findet am 27. Januar statt. Kontakt: info@trauerland.org oder 0421/6966720. www.trauerland.org

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