Gas aus Russland statt aus Holland: Wesernetz rüstet sich für die Umstellung

Ein Sechs-Jahres-Projekt

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Auch die Düsen der Gasherde müssen umgestellt werden, wenn statt L-Gas zukünftig H-Gas ins Netz gespeist wird. Foto. SWB

Bremen - Von Jörg Esser. Die Quellen im Südoldenburgischen versiegen. Und die Niederländer fahren ihre Lieferungen ins Ausland herunter. L-Gas (Low-Caloric-Gas) wird knapp. Doch der Verbraucher wird es kaum merken. Er bekommt stattdessen H-Gas (High-Caloric-Gas) aus Russland oder Norwegen.

„Mit der Umstellung von L-Gas auf H-Gas packen wir das wohl größte Infrastrukturprojekt im Bereich der Gasversorgung an“, heißt es bei der Bundesnetzagentur. Das SWB-Unternehmen Wesernetz rüstet sich für ein Sechs-Jahres-Projekt, das im Sommer 2016 beginnen soll. Wesernetz versorgt in Bremen, Bremerhaven sowie in Stuhr, Weyhe und Thedinghausen rund 180000 Haushalte sowie Gewerbe- und Industriebetriebe mit Gas – und deren Geräte müssen umgestellt werden. Die Gesamtkosten für das Projekt beziffert Timo Poppe, Infrastruktur-Vorstand der SWB-Gruppe, auf 70 Millionen Euro.

Das vorwiegend aus der Gegend um Groningen stammende L-Gas mit niedrigem Brennwert wird vor allem in Nordwestdeutschland verfeuert. Der Zufluss aus diesen Quellen geht bis 2030 immer weiter zurück, wie aus dem Entwicklungsplan der Fernleitungsnetzbetreiber hervorgeht. Also muss H-Gas mit höherem Brennwert her. Die Folge: „Es kommt nicht so viel Gas in die Heizung, aber dieselbe Wärme wie vorher raus“, sagt Poppe. Thermen, Herde und Durchlauferhitzer müssen folglich umgerüstet werden. Düsen mit kleineren Öffnungen sind erforderlich.

In deutschen Haushalten müssen bis zu fünf Millionen Geräte angepasst werden, schätzen Fachleute. Wesernetz versorgt in Bremen und „umzu“ 130000 Kunden, in Bremerhaven etwa 50000. Die Umstellung wird den Netzbetreiber „in den kommenden Jahren maßgeblich beschäftigen“, sagt Poppe. Und es erfordert eine enge Kommunikation mit den Kunden.

Wesernetz und die SWB stellen frühzeitig die Weichen. Nach den Sommerferien 2016 soll die Erfassung der Gerätetypen in den Haushalten beginnen. Am 3. Juli 2017 soll das erste H-Gas ins Netz eingeleitet werden. Bis 2021 soll dann ganz Bremen und „umzu“ Gas aus Russland, der Nordsee und Norwegen beziehen. Dann erst folgt die Umstellung in Bremerhaven.

Das Bremer Gasnetz wiederum ist in 28 Sektionen eingeteilt. Und die Umstellung beginnt in Mahndorf und Hemelingen. 2018 werden große Teile des Stadtgebiets umgestellt. 2019 folgen Weyhe und Thedinghausen, 2020 Stuhr, Woltmershausen, Huchting und Teile von Bremen-Nord, 2021 dann der Rest vom Norden. Die Kosten für die Umstellung von L- auf H-Gas „werden sozialisiert“, heißt es. Soll bedeuten: Sie werden auf alle deutschen Gaskunden umgelegt und daher kaum spürbar sein.

„Wesernetz kommt ab Mitte 2016 mit den ersten Anschreiben auf die Haushalte der ersten Sektion zu und informiert über das Vorgehen bei der Umstellung“, sagt Projektleiter Friedhelm Behrens. Und weiter. „Wir werden viel Sicherheit einbauen.“ Soll heißen: Der Kunde erhält mit dem Schreiben eine Referenznummer, die für die Zugangsberechtigung der Monteure benötigt wird. Und nur wenn der Monteur diese Nummer nennen kann, ist er auch von Wesernetz für die Arbeiten am Gasgerät autorisiert. Der Tausch der Düsen dauert dann in der Regel eine Stunde. Es sei denn der Kunde besitzt ein Uralt-Gerät, das komplett ausgetauscht werden muss. Laut Poppe dürfte das nur in ein bis zwei Prozent der Haushalte der Fall sein. Die Kosten für eine neue Therme werden übrigens nicht sozialisiert.

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