Rundgang über die Wahlpartys / FDP-Spitzenkandidatin Steiner tritt in Partei ein / „Motschi-Rufe“ bei der CDU

Plötzlich Stille: Stimmung wie 1995 bei der SPD

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Lencke Steiner (FDP) freut sich mit Ehemann Philipp.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke, Thomas Kuzaj und Jörg Esser. Plötzlich wird es ganz, ganz still in der Polit-Kneipe „Ständige Vertretung“ in der Böttcherstraße. Dabei ist das Lokal überfüllt. Aber es sind wenige Sekunden nach 18 Uhr, und eben ist die ARD-Prognose über den großen Bildschirm geflimmert, nach der die Sozialdemokraten auf 32,5 Prozent abgestürzt sind. Der Stimmungs-Killer für die Wahlparty der SPD. Eben noch aufgeregtes Geschnatter. Plötzlich Stille.

Verluste waren hier durchaus erwartet worden, aber nicht in diesem Maße. Den ersten Applaus gibt es, als das Ergebnis der „Bürger in Wut“ kommt, die deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Doch ansonsten – eine Stimmung wie vor 20 Jahren, 1995, als die Bremer die Ampelkoalition abwählten und auf den SPD-Bürgermeister Klaus Wedemeier dann der SPD-Bürgermeister Henning Scherf mit der großen Koalition folgte.

Viele Partybesucher zieht es nach draußen. Mild scheint die Abendsonne in die Böttcherstraße. Erstmal durchatmen... Traditionell spricht der Bürgermeister am Wahlabend immer zuerst zu seinen Genossen. Für 18.10 Uhr war Böhrnsens Auftritt in der „Ständigen Vertretung“ angekündigt. Erst etwa 20 Minuten später kommt Böhrnsen – und wird mit Applaus empfangen. „Vielen Dank für den freundlichen Empfang“, sagt Böhrnsen. „Das tut gut.“

Elisabeth Motschmann vor den CDU-Anhängern.

Ganz anders hingegen ist die Stimmung bei der CDU im Lloydhof. Der Jubel angesichts der SPD-Prognose ist groß. Der Jubel über das eigene Plus noch größer. Und als dann gegen 18.20 Uhr Spitzenkandidatin Elisabeth Motschmann (im roten Kleid und schwarzen Blazer, den Farben der großen Koalition) mit Ehemann Jens und Parteichef Jörg Kastendiek kommt, hallt es minutenlag „Motschi-, Motschi-„Rufe durch den Raum. Dazu tosender Beifall. „Wir haben unser Wahlziel erreicht und sind wieder zweitstärkste Fraktion“, ruft sie der Menge zu. „Wir wollten Rot-Grün knacken, das haben wir fast geschafft.“

Ausgelassen die Stimmung auch beim „Stadtwirt“ im Katharinenklosterhof. Hier feiert die FDP, und die feiert wirklich. „Lencke, Lencke“, tönt es durch den Saal. Die so bejubelte und (noch) parteilose Spitzenkandidatin Lencke Steiner strahlt und lobt brav die „wahnsinnige Teamleistung“. Wolfgang Kubicki, stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP, hat die Beitrittsformulare für Steiner aber mitgebracht, heißt es. Und die Bremer Unternehmerin ist nicht abgeneigt. „Das Team hat‘s verdient“, ruft sie. Später läuft es über die sozialen Netzwerke: „Seit 20.38 Uhr ist Lencke Steiner Mitglied der FDP.“

Ja, das Team. Es feiert auch den Bremer FDP-Chef Hauke Hilz mit „Hauke-, Hauke“-Rufen. „Wir haben‘s geschafft“, ruft Hilz euphorisiert in die Menge. „Das hat uns lange keiner zugetraut, so ein Ergebnis.“

Auch bei den Grünen im „Filosoof“ im Buntentor wird es schnell ruhig. Dickes Minus für die SPD, dickes Minus für die eigene Parteien. Und dann ziehen auch noch FDP und AfD ins Parlament ein. Ungläubiges Kopfschütteln. „Das nächste Mal treten wir mit Models an“, sagt ein Parteimitglied mit sarkastischem Unterton. Doch dann gibt es erst einmal trotzigen Applaus – für Spitzenkandidatin Karoline Linnert. Und für den „tollen Wahlkampf“, den die Partei geführt habe. Fraktions-Vize Björn Fecker zeigt sich vom Ergebnis „nicht begeistert“. Er und auch Vorstandssprecher Ralph Saxe haben mit Einbußen gerechnet. Der Fukushima-Effekt ist weg. „Wir müssen uns aber fragen, warum wir die Leute, die uns da gewählt haben, nicht halten konnten.“ Sachlichkeit kehrt bei den Grünen ein. Und Unbehagen, weil die Mehrheit ja auf der Kippe steht.

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