Umfangreiches Bremer Programm zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Rundgänge und Begegnungen

Mitten in Bremen: Eine NSDAP- und SA-Veranstaltung auf dem Marktplatz im Jahr 1938. Foto: STAATSARCHIV BREMEN

Bremen – In wenigen Tagen ist es 75 Jahre her, dass Soldaten der Roten Armee die wenigen Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau befreiten. Mit Blick auf die Befreiung feiert Deutschland jedes Jahr am 27. Januar den „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. In Bremen gibt es wieder ein Programm zum Gedenktag – mit Vorträgen und Rundgängen, Aufführungen und Filmvorstellungen, Gesprächsrunden und Zeitzeugen-Begegnungen. Einmal mehr reicht das Bremer Programm bis weit in den Monat März hinein.

Die Landeszentrale für politische Bildung und der Verein „Erinnern für die Zukunft“ haben es organisiert. Etwa 50 Programmpunkte gehören dazu. Die zentrale Gedenkveranstaltung des Bremer Senats beginnt am Donnerstag, 23. Januar, um 19.30 Uhr in der Oberen Rathaushalle. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Dr. Thomas Köcher, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, werden dort sprechen.

„Keine Diktatur ohne Gesellschaft“

Den Festvortrag hält Prof. Dr. Frank Bajohr vom Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte in München. Der Titel: „Keine Diktatur ohne Gesellschaft – Vom ,Mitmachen’ nach 1933“.

„Der thematische Schwerpunkt des Gedenkens ist in diesem Jahr die ,Volksgemeinschaft‘. Daher sind wir froh, dass wir mit Professor Bajohr einen ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet gewinnen konnten“, sagt Köcher. Über Bajohrs Vortrag hinaus verlesen Schüler der 10. Klasse der Oberschule Findorff im Rathaus die Namen der Opfer der Medizinverbrechen in Bremen. Und es singt der Knabenchor der Liebfrauenkirche.

Gespräche mit Zeitzeugen

Neben Wissenschaftlern spielen Zeitzeugen eine wichtige Rolle im Programm. Das wird von Jahr zu Jahr schwieriger, weil es immer weniger Zeitzeugen gibt. In dieser Woche besucht die 1936 in Prag geborene Michaela Vidláková, Vorstandsmitglied der „Theresienstädter“, Bremer Schulen.

„Hans, Erika und Margret – warum meine Geschwister sterben mussten“: So ist ein Zeitzeugengespräch mit dem Angehörigen Friedrich Buhlrich und dem Historiker Jannik Sachweh überschrieben. Es beginnt am Sonntag, 9. Februar, um 15 Uhr in der „Kultur-Ambulanz“ im Krankenhausmuseum auf dem Areal des Klinikums Bremen-Ost (Züricher Straße 40).

Der Alltag im NS-Staat

Ein weiteres Thema des Bremer Programms ist der Alltag im NS-Staat. Joachim Bellgart leitet am Freitag, 24. Januar, einen Stadtrundgang mit dem Titel „Nationalsozialismus in Bremen“. Er beginnt um 14 Uhr vor dem Staatsarchiv (Fedelhören; Kosten: sechs Euro, ermäßigt vier Euro). Um „Bremen im Nationalsozialismus“ geht es bei einem Rundgang durch das Focke-Museum (Schwachhauser Heerstraße 240), den Jens Buttgereit am Dienstag, 28. Januar, um 19 Uhr leitet (Kosten: vier Euro).

Unter dem Titel „Heil Hitler, Herr Lehrer!“ spricht Frauke Hellwig am Sonntag, 26. Januar, im Schulmuseum (Auf der Hohwisch 61–63, Hastedt) über das Verhältnis von Schule und Hitlerjugend (Eintritt: fünf Euro; Beginn: 14.30 und 16 Uhr).

Über „Schicksale Bremer Parlamentarierinnen“ in den Jahren 1933 bis 1945 spricht Marion Reich vom Verein „Bremer Frauenmuseum“ bei „Belladonna“ (Sonnenstraße 8, Viertel) – und zwar am Donnerstag, 16. Januar, ab 19 Uhr. „Rassismus als Wissenschaft im Nationalsozialismus – Ein Beispiel aus Obervieland“ ist der Titel einer Ausstellung, die das Bürgerhaus Obervieland (Alfred-Faust-Straße) vom 1. bis zum 31. März zeigt.

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