„Cool im Kreuzfeuer“ veröffentlicht

„Nerven sind die wichtigste Ressource“: Profilerin berät Opfer von Cybermobbing und Rufmord

Profilerin, Psychotherapeutin und Autorin: Suzanne Grieger-Langer. Sie ermittelt am 28. Mai live im Bremer Metropol-Theater. Foto: SUZANNE GRIEGER-LANGER
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Profilerin, Psychotherapeutin und Autorin: Suzanne Grieger-Langer. Sie ermittelt am 28. Mai live im Bremer Metropol-Theater.

Bremen - Suzanne Grieger-Langer spürt als Profilerin mit ihrem Team betrügerisches Verhalten in Unternehmen auf und berät bei der Besetzung von Führungspositionen. Auch schult sie Spezialeinsatzkommandos.

Selber Opfer von Cybermobbing, widmet sie sich diesem Thema in ihrem neuen Buch „Cool im Kreuzfeuer“. Es kommt am Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, im Metropol-Theater am Richtweg als Live-Ermittlung auf die Bühne. Im Interview spricht Grieger-Langer über ihre Erfahrungen und über den Umgang mit Rufmord im Internet.

Wie begegnen Ihnen bei Ihrer Arbeit die Phänomene Rufmord und Cybermobbing?

Wir haben in Sachen Rufmord die Erfahrung gemacht, dass Newcomer im Wirtschaftsleben von den Etablierten oft brutal attackiert werden, die um ihre Stellung fürchten. Man muss dann einen ,War-Room' bilden, eine Schaltzentrale, von der aus alle Aktionen koordiniert werden, denn sie kämpfen an zwei Fronten. Sie müssen außen ihren Kunden und auch innen ihren Mitarbeitern erklären, dass sie nicht morgen abgeschossen werden. Wir helfen ihnen zu schauen, wer im Team in dieser Situation zu helfen geeignet ist. Wer könnte zum Angreifer gehören oder durch diesen umgedreht werden?

Wie kam es dazu, dass Sie ein Opfer von Cybermobbing wurden? Man hat versucht, Sie als inkompetent darzustellen.

Zwei Jahre lang habe ich mit meinem Team in Sachen Gutachten-Mafia ermittelt, die eng mit dem Berufsverband Deutscher Psychologen verbandelt ist. Dabei sind wir einigen Leuten auf die Füße getreten. Als Vergeltungsschlag hat man mich über Nebenmedien wie Blogs diffamiert. Durch die Verlinkung mit Wikipedia haben sie erreicht, dass die Negativdarstellungen auf Googles Seite eins verblieben, wenn man meinen Namen suchte. Das Vorgehen ist sehr professionell und zeigt, dass es sich um Serientäter handelt. Versuche, den Wikipedia-Eintrag zu ändern, wurden immer wieder abgewehrt – von denselben Leuten, die meine Aggressoren dort schönschreiben. Mittlerweile urteilte das Oberlandesgerichts Hamburg, dass die Enttarnung anonymer Wikipedia-Schreiber zum öffentlichen Interesse gehört, weil dort konzertiert Rufmord betrieben wird.

Was tut man bei Cybermobbing, vor allem dann, wenn ein Netzwerk gegen einen arbeitet? Das ist ja Rufmord mit einer ganz neuen Qualität.

Man muss die Perspektive ändern, man muss sich sagen, ich bin in einer Auseinandersetzung, nicht, ich bin Opfer. Die meisten Leute interessiert es überhaupt nicht, was die Aggressoren da schreiben. Die aber haben das Ziel, das Opfer panisch und gefügig zu machen. Die meisten Opfer knicken nicht ein, weil die Gegner so stark sind, sondern, weil sie das Gefühl haben, dem nichts entgegensetzen zu können. Nerven sind die wichtigste Ressource.

Sie schreiben, man muss hinter die feindlichen Linien und schauen, wie der Aggressor vorgeht und was er erreichen will.

Ja. Wenn man dazu selber aber nicht in der Lage ist, sollte man eine professionelle Hilfe hinzunehmen. Wichtig ist, erstmal einen Pflock in die Erde zu hauen. Unternehmer sollten eine Gegendarstellung schreiben. Wichtig ist, Leute zu informieren, die kritisch über die Inhalte im Netz denken. Ich wurde ebenfalls unruhig, als meine Kunden plötzlich skeptisch wurden. Dann kamen aber mehr Buchungen für Vorträge als zuvor. Die Kunden sagten: „Wir kennen das Problem. Sprechen Sie bei uns.“ Wichtig ist, den Spieß umzudrehen. Man muss raus an die Öffentlichkeit. Man kann zum Beispiel Posts im Internet schreiben.

Da bleibt dennoch ein Rest an Schaden.

Ja, das ist bei Rufmord immer so. Man wird nie ganz sauber sein. Es ist aber wichtig, dass das Ganze eine Logik bekommt, für das Opfer und auch für die anderen. Ich kann nur empfehlen, geschäftlich mit guter Arbeit zu überzeugen und als Privatperson mit gutem Benehmen. Die Leute erinnern, ob man sich fair verhalten hat. Auch das Internet ist ja sowas wie eine Bühne.

Cool im Kreuzfeuer

Zur Person

Suzanne Grieger-Langer, geboren 1972, ist Profilerin und spezialisiert auf defizitorientierte Erkennung von Betrugsverhalten, die ressourcenorientierte Erkennung von Führungspotenzial und die Entwicklung von Personen zu Persönlichkeiten. Sie ist Instruktor für mentale Sicherheitsarchitekturen von Spezialeinsatzkommandos für das Überleben im Hochrisikobereich und Autorin diverser Bücher. Sie machte unter anderem eine Ausbildung zur Psychotherapeutin und studierte Pädagogik mit Psychologie als Nebenfach in Bielefeld. 1993 gründete sie die Grieger-Langer-Gruppe, 2001 „Profiler’s Intelligence“ als Firma für ihre Arbeit als Profilerin und 2016 „Profiler’s Acadamy“ für die Weiterbildung von Führungskräften. Sitz ihrer Unternehmen ist Frankfurt.

„Cool im Kreuzfeuer“, Dienstag, 28. Mai, 20 Uhr, Metropol-Theater. Karten gibt es für etwa 40 Euro in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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