Umgestaltung bis 2021 möglich

Zech erhält Rückenwind für City-Visionen

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Blick auf das historische Karstadt-Gebäude, dessen Eigentümer der Bauunternehmer Kurt Zech ist. Die obersten beiden Etagen könnten umgestaltet werden und etwa eine Gastronomie samt Dachterrasse inklusive Aussicht auf Bremens Stadtmitte beherbergen. Der Karstadt-Anbau soll zwei neueren Häusern (in der Grafik links an das alte Gebäude angrenzend) weichen. Durch sie hindurch könnte Zechs Plänen zufolge eine neue Passage führen, die die Obernstraße mit der Lloydpassage verbindet. 

Bremen - Von Viviane Reineking. Wenn es nach Kurt Zech geht, erhält die Bremer Innenstadt in den kommenden Jahren ein völlig neues Gesicht. Der Bremer Bauunternehmer will, wie berichtet, das Parkhaus Mitte kaufen, abreißen und eine neue Einkaufspassage errichten. Schon bis zum Jahr 2021 könnten die Pläne zur umfassenden Umgestaltung Realität geworden sein. Das bestätigte ein Sprecher von Zechs Unternehmensgruppe. Auch gibt es Ideen, den Wegfall der mehr als 1000 Parkplätze zu kompensieren.

Für sein Vorhaben, das wohl um die 100 Millionen Euro kosten könnte, bekommt Zech „kräftigen Rückenwind“, sagt Sprecher Holger Römer. So sei man „positiv überrascht“ gewesen von den Reaktionen vor allem von politischer und behördlicher Seite. „Rückenwind“ gab es demnach auch von der Karstadt-Geschäftsführung und dem Eigentümer der Kaufhof-Immobilie. Beide Häuser spielen, neben dem Parkhaus, eine zentrale Rolle in Zechs Vorstellungen. Verständigt hätten sich diese Beteiligten darauf, dass das Parkhaus Mitte mit seinen 1060 Stellplätzen einer – überdachten – Einkaufspassage weichen solle. „Eigentlich wollen alle, dass sich die Bremer City auf die Zukunft ausrichtet“, so Römer. Eigentümer der Karstadt-Immobilie ist Zech bereits. Neben dem historischen Gebäude gehört auch ein nachträglicher Anbau dazu. Dieser soll zwei neuen Häusern weichen. Durch sie hindurch könnte eine Passage führen, die Obernstraße und Lloydpassage miteinander verbindet und weiterführt bis in einen völlig neu gestalteten Bereich: Auf der Fläche der Kaufhof-Immobilie und des Parkhauses Mitte könnten bis zu Karstadt Sport und Roland sowie auf der anderen Seite bis zum C&A-Gebäude neue, moderne Flächen für den Einzelhandel entstehen.

Verbunden sind diese laut Projektskizze ebenfalls durch eine überdachte Passage. Sie könnte, so die Idee, durch das C&A-Gebäude Richtung Parkhaus am Brill sowie mit einem Durchbruch zwischen Roland und Karstadt Sports zur Sögestraße weitergeführt werden. Knochenhauerstraße und Carl-Ronning-Straße sollen sich den Plänen nach zu Fußgängerzonen wandeln. Gespräche mit dem Mieter Kaufhof stehen laut Römer aber, ebenso wie mit C&A, noch aus.

Rundläufe werden möglich

Fußgängerzonen und Passagen sollen B-Lagen in A-Lagen verwandeln und neue Wegebeziehungen ermöglichen. Rundläufe, eine seit Jahren wiederkehrende Forderung in Politik und Einzelhandel, würden sich mit dem Umsetzen der Pläne gleich mehrfach bieten.

Zukunftsfähig will Zech die Innenstadt machen, dazu gehört auch das 1930 bis 1932 errichtete Karstadt-Haus, das unter Denkmalschutz steht. Die obersten beiden Etagen könnten den Plänen zufolge umgestaltet werden und später eine „attraktive“ Dachgarten-Gastronomie mit Blick auf Marktplatz und Liebfrauenkirche beherbergen. „Mit den ,Roof Lounges' in unseren Hotels haben wir bereits gute Erfahrung gemacht“, so Römer. Zech und Joachim Linnemann (Justus Grosse) gehört die Atlantic-Gruppe, die unter anderem derzeit das Atlantic Grand Hotel auf dem Bredenplatz erweitert, das ebenfalls über eine Dachterrasse verfügt.

Zurück zu Zechs Innenstadtvisionen: Der Bauunternehmer ist in Bremen geboren, lebt hier seit 60 Jahren und entwickelt seit 40 Jahren Projekte in der Hansestadt, so Römer. „Bremen liegt ihm einfach am Herzen“, erklärt der Sprecher Zechs Engagement.

Parkhaus-Abriss soll abgefedert werden

1060 Parkplätze würden mit dem Abriss des Parkhauses Mitte den Plänen für eine zukunftsfähige Innenstadt zum Opfer fallen. Fünf Parkhäuser mit rund 3500 Plätzen gibt es derzeit insgesamt in direkter Innenstadtlage. Das Parkhaus Mitte ist vor der Hochgarage am Brill (950 Plätze) aktuell das Haus mit der größten Kapazität. Einzelhändler, aber auch Bremen-Besucher, fürchten daher Engpässe beim citynahen Parken. Römer bestätigt derweil Ideen, wonach ein Teil durch Aufstockung der Parkhäuser am Brill und an der Martinistraße aufgefangen werden könnte. Aber ohnehin seien die Parkhäuser laut Baubehörde nur an wenigen Tagen im Jahr ausgelastet.

50:50 sieht Kurt Zech die Chance, seine Pläne tatsächlich umsetzen zu können. Man dürfe nun aber nicht zwei Jahre lang diskutieren, bestätigt Römer. Und das Projekt dürfe nicht, wie beim gescheiterten „City-Center“ geschehen, mit Anforderungen überfrachtet werden. „Bislang ist es ein machbarer Vorschlag, aber wir stehen noch ganz am Anfang“, so der Zech-Sprecher. Es seien noch keine Verträge geschlossen worden. Nun müssten mit allen Beteiligten schnell konkrete Gespräche geführt werden. Damit aus den Visionen für die Bremer Innenstadt dieses Mal Wirklichkeit wird.

Ein Kommentar von Elisabeth Gnuschke:

Sie sind spannend, ehrgeizig und mutig, die Pläne des Bremer Bauunternehmers Kurt Zech. Und sie sind durchaus realistisch und keine Visionen für die Schublade. Zech will die Bremer Innenstadt umbauen und damit den immer stärker werdenden Einkaufszentren am Stadtrand etwas entgegensetzen. Denn die punkten mit einem breiten Angebot und – ganz wichtig – Tausenden von kostenlosen Parkplätzen.

Schon beim geplanten „großen Wurf“, dem „City-Center“ statt Lloydhof und Brill-Parkhaus, wollte Zech mitgestalten. Der Entwurf aus seinem Hause war nach einem portugiesischen Investor aber nur zweiter Sieger. Die Portugiesen sprangen 2015 letztlich ab, betrachteten das Unterfangen, bei dem sie auch in Toplage eine Sozialwohnungsquote von 25 Prozent hätten verwirklichen sollen, als nicht mehr rentabel. In der Zwischenzeit hat Kurt Zech offenbar gründlich nachgedacht, gibt sich nicht mehr mit dem Lloydhof zufrieden, sondern möchte gleich die ganze City verändern. Die Pläne beschäftigen den bundesweit erfolgreichen Geschäftsmann schon seit einiger Zeit.

Das Karstadt-Gebäude gehört ihm längst, das Parkhaus Mitte will er abreißen. Geplant sind mehr Passagen, also Shopping trockenen Fußes, wie es auch die Einkaufszentren bieten. Die dunklen Ecken sollen weg, aus B- sollen A-Geschäftslagen werden, Karstadt bekommt ein Restaurant mit Aussicht auf dem Dach, der neue Teil soll anderen Läden weichen. Die Pläne sind durchaus eine Chance für die Bremer Innenstadt, wenn denn zügig gehandelt und nicht alles wieder jahrelang zerredet wird. Der clevere Taktiker setzt Politik und Behörden mit seinem überaus ehrgeizigen Termin auch gleich unter Zugzwang: 2021 könnte alles fertig sein – wohlgemerkt mit Abrissen und Neubauten, wenn denn nicht ewig diskutiert werde, sagt Zech.

Die Pläne werden bisher in der Stadt durchaus wohlwollend aufgenommen. Diskussionen gibt es über die gut 1000 Parkplätze, die mit einem Abriss der Garage Mitte wegfielen. Das grüne Bauressort wäre froh, das Parkhaus mache die City kaputt, heißt es. Einzelhändler und Parkhausnutzer rufen nach Alternativen. Und genau dieser Punkt muss von Anfang einbezogen werden, muss genauso ernsthaft betrachtet werden wie die Gestaltung der Fußgängerzonen mit Läden, Cafés und Lokalen. Besucher aus dem Umland – und die braucht die Hansestadt als Oberzentrum dringend – kommen größtenteils mit dem Auto zum Shoppen nach Bremen. Sie wollen ihre Einkaufstüten, wie bei Einkaufszentren problemlos möglich, zwischendurch schnell ins Auto bringen und weiter auf Tour gehen. Dazu muss das Parken in direkter Nähe zur Innenstadt möglich sein, Plätze am Stadtrand sind ebenso schlichtweg zu unbequem wie Shopping mit Bus und Bahn.

Doch auch dafür scheint Kurt Zech mit seinem familiären Band ins Umland eine Lösung zu haben: Die meisten der 1000 Parkplätze könnten durch Aufstockungen der Garagen an Brill und Martinistraße aufgefangen werden.

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