Raumfahrt-Unternehmer Christa und Manfred Fuchs gemeinsam Uni-Ehrenbürger / Proteste

„Rudern gegen den Strom“

Zu zweit das All erobern: Christa und Manfred Fuchs vor Beginn des Festakts in der Oberen Rathaushalle.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ehrenbürger und Förderer der Universität Bremen – so dürfen sich Christa und Manfred Fuchs seit gestern nennen. Der Akademische Senat hatte ihnen die Auszeichnung zuerkannt. Das Ehepaar bekam seine gemeinsame Urkunde nun in der Oberen Rathaushalle.

Vor dem Rathaus standen Demonstranten und pfiffen. Sie verwiesen auf einen Beschluss des Akademischen Senats aus dem Jahr 1992, in dem die „Mitglieder der Universität“ dazu aufgefordert werden, „Forschungsthemen und -mittel abzulehnen, die Rüstungszwecken dienen können“.

Christa und Manfred Fuchs haben die Bremer Firma OHB zu einem führenden Raumfahrtunternehmen gemacht. Und, so ihr Freund und Laudator Professor Hans Rath, „Fallturm-Vater“ und Leiter des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM): „Ihre seit 25 Jahren uneigennützige und nicht nur ideelle Unterstützung der Universität Bremen hat Vorbildcharakter.“

1981 beteiligte sich Christa Fuchs an der Otto Hydraulik Bremen GmbH (OHB), damals eine kleine Hydraulik- und Elektrikwerkstatt mit fünf Mitarbeitern am Hemelinger Hafendamm. Ein Jahr später wurde sie Geschäftsführende Gesellschafterin für den kaufmännischen Bereich. Von 1984 bis 2002 war sie Finanzchefin.

Manfred Fuchs, dessen „praktisch orientierte Kreativität“ gestern im Rathaus gelobt wurde, war 1961 nach Bremen gekommen – zum Raumfahrtunternehmen ERNO. Fuchs war hier Gruppenleiter, Hauptabteilungsleiter und Ressortchef, bevor er 1985 als Geschäftsführender Gesellschafter OHB als Hauptinhaber übernahm. Heute beschäftigt die Fuchs-Gruppe mehr als 1 600 Mitarbeiter. Das Unternehmen sitzt in direkter Nachbarschaft zur Universität im Technologiepark.

Wieder und wieder engagierte sich das Ehepaar Fuchs für die Universität und angegliederte Forschungsinstitute. „Zahlreiche Uni-Institute profitieren heute noch von der Unterstützung und Forschungskooperation mit Unternehmen der Fuchs-Gruppe. Der Fallturm wäre ohne die Unterstützung aus dem Haus Fuchs wohl kaum gebaut worden“, heißt es bei der Universität. Und: „Großzügig wurden auch zahlreiche internationale wissenschaftliche Weltraumfahrt-Kongresse in Bremen gefördert.“

Die Geehrten seien „seit langem maßgeblich verantwortlich für die Lieferung von Aufklärungssatelliten für die Bundeswehr und Aufklärungsdaten für die europäische Grenzschutzagentur Frontex“, erklärte Ekkehard Lentz vom Bremer Friedensforum. „Ihr Unternehmen produziert das fast 750 Millionen Euro teure Radarsatellitensystem SAR-Lupe für militärische Zwecke.“ Es sei „davon auszugehen, dass dieses Radarsystem auch zur Abwehr von Flüchtlingen genutzt“ werde.

Kritik, die beim Festakt in der Oberen Rathaushalle keine Rolle spielte. Manfred Fuchs, der eigentlich Pilot werden wollte, sprach von anstehenden Raumfahrtprojekten – als Beispiel nannte er die Erforschung des Monds mit Satelliten.

Fuchs: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück. Wir werden weiterrudern.“

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