Streitpunkt Bordelle

Bremer Politik will Aufklärung: Sind die Hells Angels zurück im Rotlicht?

Zwei Bordelle - eins in der Neustadt, das andere in Bahnhofsnähe geplant - sind derzeit Streitpunkt in der Bremer Regierung. Der Grund: Ein Hintergrund der verbotenen Hells Angels wird vermutet.

Bremen - Die rot-grün-rote Regierungskoalition in Bremen streitet sich wegen Bordellen, hinter denen die im Bundesland verbotene Rockergruppe Hells Angels stehen soll. Die beteiligten Ressorts einigten sich nach Angaben vom Dienstag aber auf eine Auszeit, in der der Hintergrund der Betriebe ausgeleuchtet werden soll.

StadtBremen
BürgermeisterAndreas Bovenschulte
Regierende ParteienSPD, Grüne und Die Linke
LandtagspräsidentBürgerschaftspräsident Frank Imhoff

Dabei geht es um den Antrag für ein Bordell, das in Bahnhofsnähe eingerichtet werden soll, und ein bereits existierendes Bordell in der Bremer Neustadt. Für dieses haben die Betreiber vorab angefragt, ob zusätzlich eine Spielhalle eröffnet werden darf. Der Ehemann einer Geschäftsführerin gehörte nach Angaben des Innenressorts bis zum Verbot 2013 zur Führung der Hells Angels in Bremen. Er führe jetzt deren Ableger in Delmenhorst in Niedersachsen. Die Polizei rechnet die Rocker zur Organisierten Kriminalität.

Bremer Innensenator: Widerruf für Bordell-Erlaubnis möglich

„Das Moratorium verschafft den beteiligten Behörden Zeit, alle Fakten detailliert zusammenzutragen und erneut gemeinsam zu bewerten“, sagte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Dazu werde man mit der Polizei in Niedersachsen zusammenarbeiten. Am Ende könnte auch ein Widerruf der Erlaubnis für das Bordell in der Neustadt stehen. Auch Bausenatorin Maike Schaefer von den Grünen sagte, es sollten alle Möglichkeiten von Bau- und Gewerberecht genutzt werden, um der Organisierten Kriminalität entgegenzutreten.

Die Hells Angles sind seit 2013 in Bremen verboten.

Dagagen hatte das Wirtschaftsressort von Kristina Vogt (Linkspartei) bislang argumentiert, die Hinweise der Polizei seien nicht rechtssicher genug, um den Antrag auf das neue Bordell abzulehnen. Mäurers Mitteilung zufolge hat das Wirtschaftsressort aber zugesagt, in der Prüfzeit keine Entscheidungen zu treffen.

Hells Angles in Bremen seit 2013 verboten

In Bremen sind die Hells Angles seit 2013 offiziell verboten. Damals hieß in einer Verfügung der Innenbehörde: „Sie können keine Ausfahrten mehr machen, nicht in ihren Kutten auftreten und kein neues Vereinsheim gründen.“ Weiter hieß es, „dem Verein Hells Angels MC Bremen ist damit jede Tätigkeit untersagt. Es ist verboten, Ersatzorganisationen zu bilden oder bestehende Organisationen als Ersatzorganisationen fortzuführen. Es ist ebenfalls untersagt, Kennzeichen des Vereins Hells Angels MC Bremen für die Dauer der Vollziehbarkeit des Verbots öffentlich, in einer Versammlung oder in Schriften, Ton- und Bildträgern, Abbildungen oder Darstellungen, die verbreitet werden können oder zur Verbreitung bestimmt sind, zu verwenden“. Dies gelte insbesondere für die Abbildung eines geflügelten Totenkopfes mit dem Schriftzug „Hells Angels“ auf Bekleidungsstücken. Außerdem sei das Vermögen des Vereins „Hells Angels MC Bremen“ nach dem Beschluss beschlagnahmt worden.

Doch bereits vor dem Verbot hatten sich die Hells Angels ihre Clubs in Hannover und Bremen aufgelöst, nachdem Politik und Justiz den Druck erhöht hatten. Doch nur wenige Monate nach der Auflösung habe sich der Rockerclub Hells Angels im Großraum Bremen neu formiert. Ein Sprecher der Hells Angels bestätigte damals die Neugründung des „Charters Westside“. 

Das Verbot von Ausfahrten und dem Kuttentragen ist Bestandteil der Bremer Verfügung gegen die Hells Angles. Dennoch erscheint der Rockerclub immer wieder in der Öffentlichkeit.

Rockerclub auch 2020 in der Öffentlichkeit

Und auch in der jüngeren Vergangenheit war der Rockerclub nie so ganz von der Bildfläche verschwunden. Im vergangenen Jahr wurde der Hells Angles Ex-Präsident Frank Hanebuth vor dem Amtsgericht Hannover wegen Körperverletzung verurteilt. Auch als Hells Angles Gründer Rainer Kopperschmidt im vergangenen Jahr verstarb, machte der Rockerclub öffentlich auf sich aufmerksam - 400 Rocker fanden den Weg auf den Friedhof in Bremen Walle und trauerten um ihr verstorbenen Club-Gründer.

Rubriklistenbild: © dpa/Arne Dedert

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