Roter Teppich und Räucheraal: Ministerpräsidentenkonferenz in Bremen / „Haben die Kollegen ordentlich geguckt?“

Autogrammstunde im Senatssaal

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Im Fokus der Kameras – Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD; geboren in Bremen) trägt sich im Senatssaal des Rathauses ins Goldene Buch Bremens ein.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Terrine aus Räucheraal und Granat, zart gegarte Lammhüfte auf Karotten-Graupen-Risotto, pochierter Würz-Apfel mit Honig-Amaretto-Mousse und Portwein-Sabayon. Dieses Menü wurde gestern Mittag im Kaminsaal des Rathauses serviert. In den Genuss des Menüs kamen die Teilnehmer der Ministerpräsidentenkonferenz.

Wie berichtet, haben sich die Länder-Regierungschefs zum ersten Mal seit 1999 wieder in Bremen getroffen. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) hatte Anfang Oktober turnusgemäß den Vorsitz der Runde übernommen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte für das Jahrestreffen in Bremen ab.

Namen – die neuen Eintragungen im Goldenen Buch.

Vor dem Essen im Kaminsaal – und nach den eigentlichen Beratungen im Radisson-Blu-Hotel (Wachtstraße/Böttcherstraße, Hauptthema: Flüchtlingspolitik) – hatten die Ministerpräsidenten das, was man Fototermin nennt. Gruppenbild für die Presse. Vom Protokoll alles bis ins Detail vorbereitet. Fotografen und Kameraleute müssen hinter einem Absperrband stehen. Auf der anderen Seite die Politiker. Ganz weit im Hintergrund, da steht sonst immer ein Schild, das Rathausbesuchern den Weg zur Toilette weist. Aufmerksame Mitarbeiter der Senatskanzlei haben es vorübergehend wegbringen lassen. Es wird eben an jedes noch so kleine Detail gedacht bei so einer Konferenz.

Fototermin – alle müssen sich richtig aufstellen.

Nur die Zeit, die kann man einfach nicht im Griff haben. Die Hauptdarsteller kommen eine halbe Stunde später als geplant. Vor dem Rathaus warten geduldig Bürger auf die Ministerpräsidenten, die Handys mit Fotofunktion einsatzbereit. Blickrichtung: roter Teppich. Der nämlich wurde im Rathauseingang extra ausgerollt. (Und später, um 12.20 Uhr, auch wieder aufgerollt.) Einsatzbereit sind auch die Fotografen am Absperrband im ersten Stock. Und endlich sind sie da, die Hauptdarsteller. Anja Raschdorf von der Senatskanzlei hat ein Auge darauf, dass alle sich ordentlich aufstellen. Dann folgen die Kommandos der Fotografen. Alle mal nach links blicken, bitte. Jetzt in die Mitte, nun noch nach rechts.

Am Schluss fragt Bürgermeister Sieling in die Runde: „Haben die Kolleginnen und Kollegen ordentlich geguckt?“ Der Gastgeber wirkt gut gelaunt, oft sieht man ihn lachen. Er macht Scherze, erklärt seinen Gästen das Rathaus.

Und schon geht‘s weiter zum nächsten Fototermin. Im Senatssaal tragen sich die Länder-Regierungschefs ins Goldene Buch Bremens ein. Einer nach dem anderen – verbunden mit dem einen oder anderen kleinen Scherz: „Die Tinte ist alle.“ Dabei wird gar nicht so viel Tinte verbraucht. Denn alle schreiben bloß ihren Namen ins Goldene Buch, mehr nicht, keine Komplimente oder guten Wünsche. Autogrammstunde im Senatssaal. Nur die kreischenden Teenies fehlen.

Nach der Schreibarbeit folgte das „Kamingespräch“ mit Mittagessen im Kaminsaal. Selbstredend wurden zu Terrine und Lammhüfte auch Getränke gereicht. Die Weine hatte Ratskellermeister Karl-Josef Krötz ausgesucht – es waren natürlich Grüße aus anderen Bundesländern. Der Weißwein: ein 2014er Silvaner aus Franken („Würzburger Stein“) – aus dem Staatlichen Hofkeller, dessen Weinkeller sich unter dem Unesco-Welterbe der Würzburger Residenz erstrecken. Was sehr gut zum Welterbe Bremer Rathaus passt. Der Rotwein wiederum passte vom Namen her sehr gut zum Gastgeberland Bremen, in dem schon so lange die SPD regiert: „Cuvée Rot“ (Jahrgang 2012) – hergestellt von der Winzergenossenschaft „Vier Jahreszeiten“ in Bad Dürkheim (Pfalz).

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