Fluoreszenz-Angiografie bei Operationen am Verdauungstrakt

Leuchtendes Gewebe für mehr Sicherheit bei Operationen

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Dr. Jörn Gröne und sein Team bei der Mikroperfusionsangiografie am Rot-Kreuz-Krankenhaus. Die Methode bringt Gewebe zum Leuchten.

Bremen - Leuchtendes Gewebe für mehr Patientensicherheit im Operationssaal – das bietet jetzt das Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKK) in der Neustadt. Die Klinik arbeitet nun routinemäßig – nach eigenen Angaben als einzige in Bremen – bei Operationen am Verdauungstrakt mit der sogenannten Mikroperfusionsangiografie (oder auch Fluoreszenz-Angiografie genannt).

Rund 100 000 Euro hat sich das RKK das Gerät für diese neue Methode kosten lassen, wie Dr. Jörn Gröne, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am RKK, sagt. Muss beispielsweise aufgrund von Tumoren ein Stück Darm oder Speiseröhre entfernt werden, spritzen die Ärzte dem Patienten, kurz bevor sie die Verdauungsorgane wieder vernähen, einen fluoreszierenden Farbstoff in die Blutgefäße. Innerhalb einer Minute flutet es im Gewebe an. Eine Kamera mit Spezialaufsatz macht den Farbstoff sichtbar: Gut durchblutete Areale leuchten hell unter dem Laserlicht, erklärt Gröne das Verfahren. Gewebe, das nicht oder nur schlecht durchblutet ist, bleibt dunkel. „So lässt sich das Risiko einer gefürchteten Naht-Undichtigkeit und damit einer gestörten Wundheilung mit zum Teil gefährlichen Komplikationen noch einmal um die Hälfte reduzieren“, erklärt der Chefarzt. Für den Heilungsprozess der operierten Organe sei eine ausreichende Durchblutung unerlässlich, „die Nähte müssten dicht sein“, sagt er.

Eine Nahtundichtigkeit könne zu einer schweren Blutvergiftung führen, zu Bauchfellentzündungen und Funktionseinschränkungen. Weitere Operationen könnten notwendig werden, was für den Patienten eine erhebliche Belastung und Gefährdung darstelle. Laut Gröne verlängert sich die Operationszeit durch die Laser-Fluoreszenz-Angiographie nur um wenige Minuten. „Der Nutzen ist klinisch belegt“, betont der Mediziner. Die Farbstofflösung scheiden die Patienten den Angaben nach ohne Folgen nur wenige Stunden später über die Leber wieder aus.

Experten für Operationen am Mast- und Dickdarm

Das RKK ist spezialisiert auf Operationen am Mast- und Dickdarm bei gutartigen oder bösartigen Erkrankungen (kolorektale Chirurgie) und die Krebschirurgie des gesamten Magen-Darm-Traktes, insbesondere der Entfernung von Speiseröhrenkrebs. Die neue Fluoreszenz-Technik kann sowohl bei der minimal-invasiven als auch bei der offenen Chirurgie von Verdauungsorganen aller gut- und bösartigen Erkrankungen eingesetzt werden, beispielsweise bei Durchblutungsstörung vom Darm und in der Lebermetastasenchirurgie, heißt es.

Gröne, der seit einem Jahr die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am RKK leitet, hat vom Universitätsklinikum Charité in Berlin nicht nur Expertise, sondern auch viel Affinität für Medizintechnik und modernste Behandlungsmethoden mit nach Bremen gebracht. So investierte das RKK im März in ein neues Laparoskopiesystem für die sogenannte Schlüssellochchirurgie (wobei Experten den Begriff gar nicht so gern hören). Im OP liefert nun ein 55 Zoll 4K-Monitor den Chirurgen eine hochdetaillierte Ansicht von Bildern bei der Operation. Die vierfach höhere Bildauflösung mit immensem Farbspektrum und mehr Kontrast offenbart selbst kleinste Details, sagt Chefarzt Gröne.

Die feine Farbkalibrierung ermöglicht den Chirurgen eine eindeutigere Abgrenzung von unterschiedlichem Gewebe, wie Fett, Nerven, Blutgefäßen und die bessere Darstellung von Blutbahnen und Gewebeveränderungen. „Das schont das Gewebe und minimiert den Blutverlust“, sagt Gröne. 

gn

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