Roland und „Mondfrau“

Kreative Vielfalt in der „Schnoor-Nacht der schönen Künste“

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Kleiner Scherz am Rande – keine Sorge, der Maskenbildner Carsten Aschenbruck hat sein „Opfer“ Dina Delpoco in der Schnoor-Galerie „Art 15“ nicht mit einem Messer bearbeitet. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ein aufgerissenes Gesicht, blutige Krusten. Ein Künstler der besonderen Art ist zu Besuch in der Schnoor-Galerie „Art 15“, der Maskenbildner Carsten Aschenbruck (48). Sein „Opfer“: Künstlerin Dina Delpoco (34), die erstmal einen Spaziergang machen will.

Eine muntere kreative Randszene in der zweiten „Schnoor-Nacht der schönen Künste“, die am Wochenende die künstlerische Vitalität des urigen Bezirks mit den vielen kleinen Häusern zeigte. Mehrere Galerien öffneten an den Abenden.

Live arbeitet Gastkünstler Franz Kranitz (32) in der gut besuchten Galerie „Art 15“. Eine gewaltige Person entsteht auf dem Papier und stürzt auf den Betrachter zu. Es ist der Bremer Roland, neu interpretiert. „Der Roland löst sich aus seiner Starre, weil er Durst hat und die Bremer Vorzüge genießen will“, sagt der Künstler aus Brettorf. „Er will sehen, was in Bremen vonstattengeht.“

An der Wand dahinter hängen Bilder von Ute Bescht (50), eine der Organisatorinnen der Nacht. Sie stellt philosophische Themen figürlich da. „Eule von Katowice“ zeigt eine Eule, geformt aus einer Wetterkarte. Katowice war Ort der Weltklimakonferenz. Nebenan schwebt ein Wal an einer Katzenangel. Darunter drei Katzen, die gar nicht auf die Idee kommen, damit zu spielen.

Im Schnoor ist einiges los, vor den Galerien sammeln sich Gruppen. Janine Jaeggi und Frank Suhrkamp von „Stelzenart“ gehen in Leuchtkostümen umher. Jaeggi ist auch durch den Bremer Samba-Karneval bekannt. Jetzt ist sie die „Mondfrau“ und trägt einen leuchtenden Halbmond auf der Schulter. Besucher Matthias Henke (46) aus Bremen ist sonst selten im Schnoor. „Ich bin begeistert von der Vielfalt der ausgestellten Kunst“, sagt er.

Die „Galerie Haese“ lockt bereits am Eingang mit Kerzen und einem gezeichneten Partygirl. Im Inneren warten Gemälde auch mit ganz anderer Stimmung, darunter grüne Landschaften auf Usedom, abstrakt verfremdet. Sabine Reichelt von der „Speichergalerie“ hat die Schönheit und den besonderen Ausdruck asiatischer Künstlerinnen verewigt.

Im Künstlerhaus „Ausspann“ herrscht munterer Gastronomiebetrieb. Auch hier hängen überall Bilder – und die Besucher können zudem noch einen Blick in die offenen Ateliers des Hauses werfen.

Franz Kranitz gibt dem Roland Schwung. 

„Ich bin ich.“ Diesen Satz spricht Schauspielerin Kirsten Vogel voller Inbrunst. Er ist ein Lebensresümee von Paula Modersohn-Becker. Der Künstlerin und ihrer Zeit widmet Vogel sich in einer Lesung – ein Schlüssel zum Verständnis der Werke Modersohn-Beckers. Eine stimmungsträchtige Episode im Schnoor-Atelier der Syker Künstlerin Ruth Cordes an der Marterburg. Der Abdruck eines Selbstaktes von Modersohn-Becker ist ausgestellt: „Schauen Sie auf die Augen. Die blicken sowohl nach innen als nach außen“, sagt Kirsten Vogel.

Die Suche nach innerer Heimat ist auch Thema der Bilder von Cordes. Gezeichnete Landschaften verschiedenster Art, idyllisches Grün hängt neben herbstlichem Braun. Der äußere Eindruck enthält eine Betrachtung der eigenen Seele – auch ein Aspekt dieser „Schnoor-Nacht der schönen Künste“.

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