SERIE VERSCHWUNDEN Die „Jacobs-Hummeln“: Kaffee für den Einzelhandel

Röstfrisch auf Reisen

Eine „Jacobs-Hummel“ beim Richtfest des Johann-Jacobs-Hauses in der Innenstadt im Januar.
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Eine „Jacobs-Hummel“ beim Richtfest des Johann-Jacobs-Hauses in der Innenstadt im Januar.

Bremen – „Haben Sie Lust, unser Mitarbeiter zu werden?“ Mit diesen Worten suchte Jacobs Kaffee einst „aufgeschlossene und zielstrebige junge Männer“ mit Führerschein, die als Reisende für das Bremer Unternehmen arbeiten wollten – unterwegs in einer „Jacobs-Hummel“. So hießen die gelb-schwarz lackierten VW-Lieferwagen, die in der ganzen Bundesrepublik ausschwärmten. Heute sind sie Thema in unserer Serie Verschwunden.

„Jacobs Kaffee – wunderbar“, das war die Aufschrift. Was auch sonst. Mehr als 1 000 dieser so charakteristisch lackierten VW-Busse fuhren über die Straßen des Bundesgebiets, um „einen großen Markenkaffee“ zu „repräsentieren“ – sprich: ihn in die Geschäfte zu bekommen.

Einer der 1 000 Wagen „bringt auch Ihrem Kaufmann regelmäßig ganz röstfrischen Jacobs-Kaffee“, hieß es in einem zeitgenössischen Schwarzweiß-Werbefilm. Dabei ging es längst nicht mehr allein um den Kaufmann an der Ecke, um den „Tante-Emma“-Laden. Es ging zunehmend auch darum, sich in den Regalen der neuen Supermärkte zu behaupten.

Bremer „Hummeln“: Werbeträger auf der Straße

Die „Hummeln“ trugen zur Imagebildung bei, waren auch Werbeträger. Solche Dinge waren wichtig geworden. Der Handel änderte sich, Jacobs änderte sich mit – und das bedeutete, Strategien für Werbung und Marketing zu entwickeln. Das ging bis ins Detail. Anfang der 60er Jahre hatte Jacobs damit begonnen, den Außendienst-Nachwuchs von einem externen Verkaufs-Profi schulen zu lassen. Außendienst und Marktforschung arbeiteten zusammen, wenn neue Verpackungen und Produkte getestet werden sollten. Ab 1970 reagierte das Unternehmen zudem gezielt auf den wachsenden Markt der Großkunden. Schon 1966 hatte Jacobs die „Krönung“ auf den Markt gebracht und konsequent zur Spitzenmarke entwickelt.

Nun fuhren die „Jacobs-Hummeln“ auch die „Krönung“ in die Geschäfte und die Supermärkte, die sich mehr und mehr durchsetzten. 1972 kam auch noch die Werbefigur „Karin Sommer“ hinzu, dargestellt von der österreichischen Schauspielerin Xenia Katzenstein, die frühere „Miss Austria“. Der Rest ist, wenn man so will, Kaffeegeschichte – samt Beitrag zum deutschen Zitatenschatz: „Mühe allein genügt nicht.“

Sammler pflegt Oldtimer-„Hummel“ von 1979

Apropos Mühe. Mit viel Mühe und Liebe zum Detail wird eine der „Hummeln“ heute noch gepflegt – von dem Kaffee-Liebhaber und Sammler Wolfram Schreiber aus Sachsen-Anhalt. Er hat einst selbst bei Jacobs gearbeitet, die 1979er-„Hummel“ in einer Unternehmensgarage entdeckt. Nach einigen Jahren gelang es ihm, dem Unternehmen den Oldtimer abzukaufen. Die „Hummel“ wurde restauriert. Seither fährt der neue Eigentümer damit zu Oldtimer-Treffen und Kaffee-Events – schließlich gehört eine Kaffeebar zur Ausstattung des Wagens. Wunderbar.

Vor ein paar Monaten tauchte die „Hummel“ auch dort auf, wo sie ursprünglich herkam – in Bremen eben. Beim Richtfest für das (inzwischen längst eröffnete) „Johann-Jacobs-Haus“ in der Bremer Innenstadt. Dort weckte der gelb-schwarze „Bulli“ Erinnerungen an die Zeiten, als der Kaffeevertrieb anders aussah als heute – als die „Hummeln“ (mit den Reisenden) ausschwärmten, um die „röstfrischen“ Produkte in die Geschäfte zu bringen.

Das war eine Zeit, die Mitte der 80er Jahre endete, als Jacobs diese Art der Belieferung des Einzelhandels schließlich einstellte. „Aufgeschlossene und zielstrebige junge Männer“, die mussten sich nun andere Aufgaben suchen.

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