Serie „Verschwunden“

Rösterei mit rotem Schlüssel: „Bruns Wappen-Kaffee“ aus Bremen

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Eine Dose „Bruns Wappen-Kaffee“ im Regal des Kolonialwarenladens im Übersee-Museum.

Bremen - Mal schmückten rosige Blüten die Dosen, dann wieder Rot und Weiß, die Farben der Bremer „Speckflagge“. Auch Kaffeepflanzen wurden gezeigt. Stets dabei: ein Wappen mit Bremer Schlüssel. Denn schließlich hieß das Produkt, das in die Dosen gehörte, „Bruns Wappen-Kaffee“. Und dieser Kaffee kam aus der Kaffeestadt Bremen. Heute aber gibt es den „Wappen-Kaffee“ nicht mehr. Und so ist er nun Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

„Bruns Wappen-Kaffee“ steht dabei beispielhaft für die vielen Kaffeeröstereien, die es einst an der Weser gab. Und die Bremen zur Kaffeestadt gemacht haben – neben jenen, die wie HAG, Eduscho und Jacobs zu großen Industriebetrieben und Markenproduzenten aufstiegen.

Mehr als 100 kleine und große Röstereien gab es einst in Bremen. Viele von ihnen hatten ihre Ursprünge in den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, andere waren Gründungen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts – als sich so vieles änderte, als Reklame zur Werbung wurde, als die moderne Industriegesellschaft nach modernen Lebensmitteln und Genusswaren verlangte.

Die Kaffeerösterei von Friedrich Bruns mit ihrem „Wappen-Kaffee“ war anno 1904 gegründet worden, noch zu Kaisers Zeiten also. Der Unternehmenssitz lag – wie bei etlichen anderen Röstereien auch – in der Innenstadt; an der Obernstraße.

Die Sache mit dem Wappen war dem Unternehmen wichtig – es war das Signet, es war die Marke. Ein roter Bremer Schlüssel vor schwarzen und weißen Ringen auf rotem Wappengrund, so sah das Zeichen aus. Es fand sich auf Kaffeepackungen, auf Rechnungsformularen und Email-Werbeschildern. Und – wie erwähnt – auf den Kaffeedosen der Firma. Einer Firma übrigens, die auch „Wappen-Kakao“ und „Wappen-Tee“ im Sortiment hatte. Und deren Telegrammadresse laut Rechnungsformular „Wappenbruns, Bremen“ hieß.

„Ein Kaffee, wie er sein soll.“ Mit diesem Spruch warb das Unternehmen für seinen „Wappen-Kaffee“. Roter Bremer Schlüssel vor schwarzen und weißen Ringen auf rotem Wappengrund – so wurde auch noch in den 50er Jahren, zu Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders, für den Kaffee geworben. Da hielt man auf Tradition. „Seit 50 Jahren“ – diese Bemerkung stand stolz dabei. Dann aber veränderten sich Kaffeemarkt und Lebensmittelhandel. 1975 ging die Rösterei in der „F. B. Coffee Trading GmbH“ auf.

Heute sind sie wieder gefragt, kleine Röstereien mit ihren – oft ökologisch angebauten und fair gehandelten – Spezial- und Nischenprodukten, mit ihren besonderen Röstverfahren. Aber das ist eine andere Geschichte. An den „Wappen-Kaffee“ erinnern einige Dosen im Regal des Kolonialwarenladens, der neuerdings wieder im Übersee-Museum zu sehen ist.

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